GRÜNDER:INNEN-STORY
Zwei Leidenschaften, ein Ziel: Sandra Gallians Gründungsreise
Nach über zwölf Jahren in der Festanstellung den Schritt in die Selbstständigkeit wagen: IHK-Gründungsberaterin Rebekka Sanktjohanser spricht mit Existenzgründerin Sandra Gallian, Inhaberin von WATERKANT Schmuck und Visuelle Kommunikation, über ihren Weg.
Sandra Gallian, Inhaberin von WATERKANT Schmuck und Visuelle Kommunikation
Was hat dich dazu inspiriert, dich selbstständig zu machen, und wie hast du deine beiden Leidenschaften – Schmuckdesign und visuelle Kommunikation – miteinander verbunden?
Ich habe mich selbstständig gemacht, um mit Leidenschaft das zu tun, was ich liebe! Dieses Gefühl hatte ich in meiner über zwölfjährigen Festanstellung bei KLINGEL zuletzt nicht mehr gespürt. Einerseits wollte ich mich mehr auf meine Schmuckmarke WATERKANT konzentieren, die 2024 mit dem German Design Award ausgezeichnet worden ist. Zudem habe ich mich mit der Visuellen Kommunikation, Fotografie und PR freiberuflich selbständig gemacht. Durch diese beiden Standbeine fühlt sich die Selbständigkeit für mich sicherer und stabiler an. Die beiden Tätigkeiten ergänzen sich wunderbar und schaffen ein abwechslungsreiches und vielseitiges Doing.
Erzähle uns mehr über deinen Schritt in die Selbständigkeit. Welche Herausforderungen sind dir dabei begegnet?
WATERKANT existiert seit 2012 und ist langsam und stetig gewachsen. Daher war die Herausforderung hier eher, mehr Sichtbarkeit für die Marke zu erreichen und somit auch mehr Verkäufe zu generieren. Ladengeschäfte gibt es ja keine, es läuft alles über den OnlineShop und seit 2024 auch über Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Juwelieren sowie dem Verkauf bei Pop-Up Aktionen. Bei der Visuellen Kommunikation war die Herausforderungen einerseits die Kaltaquise und andererseits der finanzielle Aspekt. Der Verzicht auf ein festes und möglicherweise höheres Gehalt war eine Entscheidung, die man wagen muss, wenn man Freiheit genießen möchte. Da ich sehr proaktiv an Dinge herangehe, ist es mir relativ schnell gelungen, erste Aufträge zu bekommen. Die Arbeit als freie Redakteurin bei der Wirtschaftskraft und PZ macht mir enorm viel Spaß! Ich liebe es, neue Menschen und Firmen kennenzulernen, darüber zu schreiben und zu fotografieren.
Wie hat du den Gründungsprozess der visuellen Kommunikation “eingefädelt”?
Aufgrund der Klingel-Insolvenz stand ich plötzlich vor der Frage: „Was will ich eigentlich wirklich tun? Welche Arbeit macht mich glücklich?“ Vom Schmuck allein war es schwierig, zu leben. Nach einigen Bewerbungsgesprächen und intensiven Überlegungen war für mich klar, dass ich mein eigenes Ding machen wollte. Durch meine kreativen Skills aus den Bereichen Grafik-Design, Fotografie und dem Schreiben bin ich breit aufgstellt. Der Weg in die Freiberuflichkeit fühlte sich an wie eine Befreiung – als würde ich endlich in meine wahre Komfortzone zurückkehren, um selbst Verantwortung zu übernehmen und meine Stärken wirklich auszuleben.Ich habe mich bewusst für die Freiheit und Selbstbestimmung entschieden, um meine eigene Chefin sein zu dürfen.
Wie hast du die finanzielle Unsicherheit während der Gründung erlebt, und was hat dir dabei geholfen, diese Phase zu überwinden?
Ich plane vorausschauend und setze die nächsten Schritte frühzeitig in die Wege. Diese vorausschauende Herangehensweise gibt mir die Möglichkeit, Herausforderungen rechtzeitig zu erkennen und zu bewältigen. Zudem haben mir Kooperationen bei WATERKANT geholfen, der Marke mehr Sichtbarkeit zu geben. Durch eine größere Reichweite werden auch mehr Kunden auf die Marke aufmerksam. Bei der Visuellen Kommunikation half mir meine offene Art und mein Netzwerk, das ich stetig ausbaue. Durch den Austausch von Ideen und Ressourcen auch bei Netzwerktreffen konnte ich neue Impulse mitnehmen und mein Angebot weiterentwickeln. Dadurch dass man sich mit Gleichgesinnten austauscht und präsent ist, gibt es auch hier Synergien, durch die sich möglicherweise wieder Jobs ergeben. Schön fand ich hier vor allem auch die Fempreneur-Lounge.
Der Gewinn des German Design Awards für die Kollektion WATERKANT de Luxe war ein bedeutender Moment für dich. Was hat sich durch diese Auszeichnung für deine Schmuckmarke verändert?
Der Gewinn des German Design Awards für die WATERKANT De Luxe Kollektion war sicherlich ein wichtigerMeilenstein in der Entwicklung der Marke und auch ein Game Changer. So ergab sich zum Beispiel eineZusammenarbeit mit Juwelier Leicht und den Sea Cloud Cruises. Auch verschiedene Pop-Up Aktionen konnten so generiert werden.
Welche Rolle hat deine Gründungsberaterin in deinem Gründungsprozess gespielt, und welche Ratschläge waren für dich besonders wertvoll?
Ich hatte eine tolle Unterstützung von meiner Gründungsberaterin Sandra Volz von der FCC Karrierefabrik. Sie hat mir geholfen, meine eigenen Werte als Unternehmerin zu definieren und meine Stärken und Talente gezielt einzusetzen. Sie gab mir auch wertvolle Tipps hinsichtlich PR in eigener Sache. Zudem habe ich die Hilfe der IHK in Anspruch genommen. Nicole Wengler hat mir bestmöglich geholfen, einen Businessplan zu erstellen und auch den Gründungszuschuss zu beantragen.
Wie gehst du mit Rückschlägen um, und was hast du aus diesen Erfahrungen gelernt?
Rückschläge sind ein natürlicher Teil jedes Business, und ich habe gelernt, dass es entscheidend ist, dranzubleiben und weiterzumachen. Auch wenn ein Projekt nicht wie geplant verläuft, bedeutet das nicht, dass die Grundidee weniger wertvoll ist. Vielmehr sehe ich Rückschläge als Gelegenheit zum Überdenken und neue Lösungsansätze zu finden. Es ist wichtig, den momentanen Standpunkt zu analysieren und zu verstehen, was vielleicht noch nicht reif oder passend war. Diese Reflexion hilft mir, die nächsten Weichen richtig zu stellen und neue Strategien zu entwickeln. Mein wichtigstes Learning war, wie entscheidend ein gutes Netzwerk für den persönlichen und beruflichen Erfolg ist. Durch ein starkes Netzwerk kann man wertvolle Synergien nutzen, die extrem hilfrein sein können. Zudem habe ich festgestellt, wie wertvoll die Kontakte sind, die ich über die Jahre aufgebaut habe. Und wie wichtig es ist, dieses Netzwerk kontinuierlich auszubauen. Die Beziehungen, die man pflegt, können nicht nur Unterstützung bieten, sondern auch neue Möglichkeiten eröffnen, die man alleine vielleicht nicht erreichen könnte.
Welche Dinge und Eigenschaften sind bei einer Gründung essentiell, und was rätst du anderen Gründerinnen und Gründern?
Als Gründer:in würde ich empfehlen, das Geschäftsmodell sorgfältig zu durchdenken. Es ist entscheidend, die Mitbewerber zu analysieren und herauszufinden, wie man sich von ihnen abgrenzen kann. Ganz wichtig ist das eigene WARUM zu definieren. Ein starkes, einzigartiges Angebot ist der Schlüssel, um die Zielgruppe zu überzeugen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Als Gründer:in sind Mut, Zuversicht und Ausdauer unverzichtbare Eigenschaften. Zuversicht hilft dabei, auch in schwierigen Zeiten optimistisch zu bleiben und an den eigenen Zielen festzuhalten. Der Glaube an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten ist der Antrieb, der einen motiviert. Diese Eigenschaften bilden das Fundament für jeden erfolgreichen Gründer und sind essenziell, um im unternehmerischen Umfeld zu bestehen. Mein Erfolgsrezept lautet: Do what you love! – denn echte Leidenschaft ist der beste Antrieb – und oft auch das, was andere am meisten inspiriert. Begleitet den Beitrag gern mit einem meiner Lieblingszitate: Never stop exploring! Es spiegelt meine Leidenschaft für ständiges Lernen und Entdecken wider.
Vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg.