Standortpolitik

24.04.2026 Nach­halti­ge Flä­chen­ent­wick­lung in Ge­wer­be­ge­bie­ten

Der Flächenverbrauch in Deutschland soll in den nächsten Jahren stark reduziert werden. Dies trifft auch zukünftige Gewerbeflächen im Nordschwarzwald. Gesetzliche Auflagen, Bürgerproteste und andere Rahmenbedingen machen die Ausweisung von Gewerbe- und Industriegebieten zusätzlich nicht einfacher. Eine zukunftsfähige Wirtschaft benötigt aber moderne und nachhaltig ausgestaltete Flächen für Neuansiedlungen oder Betriebserweiterungen. Wie kann es also gelingen, die wenigen für Gewerbeentwicklung geeigneten Flächen sinnvoll, nachhaltig und effizient zu entwickeln? Die Praxis-Veranstaltungen der Allianz für Morgen gibt Denkanstöße und vermittelt Ideen.

Veranstaltungsreihe vom 27.03.2026 - 08.05.2026

Zielgruppe

Die kostenfreie Veranstaltungsreihe richtet sich an alle an der Planung von Gewerbegebieten Beteiligten, z. B. BürgermeisterInnen, Bauämter, Verwaltungen, Gemeinderatsmitglieder, Planungsbüros, Unternehmen, Projektierer, usw.

Inhalt und Ablauf

jeweils Get-Together ab 9.30 Uhr, Veranstaltung von 10 bis 12.30 Uhr
Inhaltsgleicher Einführungsvortrag bei allen drei Veranstaltungen:
Wie können nachhaltige Gewerbegebiete der Zukunft aussehen? Ideen und Beispiele
Oliver Laukel, IHK Nordschwarzwald
Termin 1: 27.03.2026, 09:30-12:30 Uhr im Landratsamt Enzkreis abgesagt

Termin 2: 24.04.2026, 09:30-12:30 Uhr im Campus Schwarzwald in Freudenstadt

Strategien zur Entwicklung der regionalen Wirtschaft - Umsetzungsbeispiel Handwerkerhöfe
Markus Epple, Geschäftsbereichsleitung Wirtschaftsförderung, Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim
Nachhaltige Gewerbegebiete als Ökosysteme gestalten
Dr. Christoph Soukup, Steinbeis-Beratungszentrum Circular Economy, Stuttgart
Kreislaufwirtschaft am Beispiel des Ressourcenzentrums Leinfelden-Echterdingen
Philipp Schwarz, Leiter Stadtplanungsamt Leinfelden-Echterdingen

Termin 3: 08.05.2026, 09:30-12:30 Uhr in der IHK-Geschäftsstelle Nagold

Erbbaurecht – Chancen für nachhaltiges Flächenmanagement?
Johannes Kneer, Ladenburger Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB, Pforzheim
INGpark Nagold Gäu – Gemeinsam stark ohne Grenzen im Kopf
Simone Hurtz, Sachgebietsleiterin Liegenschaften, Stadt Nagold & Geschäftsführerin INGpark

Anmeldung

Anmeldung zu den kostenfreien Veranstaltungen werden unter https://eveeno.com/Gewerbeflaechenentwicklung entgegengenommen.
2026

Ab­schluss von Vision PF2030+: Zu­kunfts­im­pul­se für Pforz­heim über­geben

IHK betont Bedeutung des zweijährigen Beteiligungsprozesses

Mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung im Atrium des Volksbank Hauses Pforzheim ist betontm Mittwochabend der mehr als zweijährige Zukunftsprozess Vision PF2030+ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald zu Ende gegangen. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Stadtgesellschaft wurden die gemeinsam entwickelten Impulse, Ideen und Maßnahmen an die Stadt Pforzheim übergeben.
In ihrem Grußwort betonte Tanja Traub, Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald, die Bedeutung des langen Beteiligungsprozesses: „Mit der Vision PF2030+ haben wir über zwei Jahre hinweg eine Plattform geboten, auf der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam an der Zukunft Pforzheims gearbeitet haben. Dieser Prozess hat gezeigt, wie viel Potenzial in einem offenen, konstruktiven Dialog steckt – und wie viele gute Ideen entstehen, wenn engagierte Menschen zusammenkommen.“

Vielfalt der Zukunftsthemen: Von Mobilität bis Innovation

Traub hob hervor, dass die IHK Nordschwarzwald bewusst Raum für Vernetzung, Austausch und konkrete Lösungsansätze geschaffen habe. Die Bandbreite der Themen – von Mobilität über Stadtentwicklung bis hin zu Infrastruktur, Bildung und Innovationskraft – zeige, wie komplex die Herausforderungen seien, aber auch, wie lösungsorientiert die Region diese angehe.

Stadt Pforzheim begrüßt Impulse für zukünftige Entwicklungen

Oberbürgermeister Peter Boch dankte der IHK Nordschwarzwald für die Initiative und die gute Zusammenarbeit: „Vision PF2030+ ist ein starkes Zeichen dafür, dass wir die Zukunft Pforzheims gemeinsam gestalten wollen – mutig, vernetzt und mit einem klaren Blick nach vorn. Die Ergebnisse des Prozesses decken sich in wesentlichen Zielsetzungen und Ideen mit den Ansätzen und Weichenstellungen, die seitens der Stadt verfolgt werden oder bereits auf den Weg gebracht wurden." Boch sei dankbar für wertvolle Impulse, die man gerne in künftige Überlegungen einfließen lassen werde.

Keynote von Prof. Dr. Pero Mićić zu Trends und Zukunftschancen

Der Zukunfts- und Strategieexperte Dr. Pero Mićić fasste in seiner Keynote zentrale Trends und Entwicklungsmöglichkeiten für Pforzheim zusammen. Anschließend moderierte er die Vorstellung der Ergebnisse aus den Veranstaltungen und Workshops, an denen in den vergangenen Monaten zahlreiche Vertreter:innen aus den relevanten Zukunftsfeldern teilgenommen hatten. Im Rahmen des Prozesses verständigten sich die Beteiligten auf ein gemeinsames Leitbild, das die Zukunftsvision prägnant zusammenfasst: „Das starke Herz der Kreativität und Präzision in Europa mit höchster Lebensqualität.“

Beispiele für Zukunftsideen und Leuchtturmprojekte

Die bei der Veranstaltung gezeigte Illustration verdeutlichte exemplarisch einige der gemeinsam erarbeiteten Ideen aus den vergangenen Monaten. Sie stellt bewusst nur einen kleinen Ausschnitt aus dem umfangreichen Beteiligungs- und Zukunftsprozess dar. Genannt wurden unter anderem Ansätze wie attraktive Freizeitangebote – etwa eine Zipline bzw. ein Flying Fox über die Enz –, vernetzte Mobilitätslösungen und eine Testumgebung für automatisierten Güter- und Personentransport im realen Straßenverkehr sowie kulturelle Impulse wie eine Design Week oder weitere Experimentierräume mit Strahlkraft. Diese Beispiele stehen stellvertretend für viele weitere Ergebnisse und unterstreichen, dass die Vision PF2030+ vor allem vom Gesamtbild lebt: dem gemeinsamen Ziel, Pforzheim mit Zukunftsfreude, Leuchtturmprojekten und schnellen umsetzbaren Maßnahmen voranzubringen. Eine abschließende Diskussionsrunde bot den Gästen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Perspektiven auszutauschen.
Zum Abschluss überreichte die IHK Nordschwarzwald die zusammengefassten Ergebnisse des Prozesses feierlich an Oberbürgermeister Boch. Das symbolische Übergabebild soll an die gemeinsame Arbeit der vergangenen zwei Jahre erinnern und gleichzeitig als Ansporn für die kommenden Schritte dienen. Abschließend sagte Traub: „Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Stadt die vielfältigen Impulse und Ergebnisse in ihre weiteren Planungen einfließen lässt – denn sie bieten viele Chancen für die Entwicklung Pforzheims.“

Ausblick: IHK Nordschwarzwald begleitet Transformation weiter

Die IHK Nordschwarzwald kündigte an, den Transformationsprozess der Stadt und Region auch künftig aktiv zu begleiten und die erarbeiteten Impulse weiterzuführen. „Wir bleiben verlässlicher Partner für die Entwicklung unseres Wirtschafts- und Lebensraums“, so Traub.
2025

IHK Nordschwarzwald fordert mehr Einstiegschancen für junge Fachkräfte

In der öffentlichen Debatte ist der Fachkräftemangel allgegenwärtig. Gleichzeitig berichten viele junge, gut ausgebildete Menschen aus der Region, dass sie trotz intensiver Suche keine passende Beschäftigung finden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald warnt vor dieser widersprüchlichen Entwicklung und fordert Politik und Unternehmen zum Handeln auf.

Menschen echte Einstiegschancen geben

Pforzheim, 27.08.2025. „Wer über Fachkräftemangel klagt, muss jungen Menschen auch echte Einstiegschancen geben. Wir brauchen jetzt Weitsicht und müssen junge Fachkräfte in den Arbeitsmarkt integrieren. Denn wenn diese jungen Fachkräfte trotz guter Ausbildung keine Perspektive bekommen, riskieren wir, dass sie ins Ausland abwandern – und dann fehlen sie uns erst recht. Das kann sich die deutsche Wirtschaft nicht leisten“, betont IHK-Präsidentin Claudia Gläser.
Auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub sieht dringenden Handlungsbedarf: „Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte, gleichzeitig werden Bewerberinnen und Bewerber abgelehnt, weil sie nicht hundertprozentig ins Profil passen oder noch nicht über die gewünschte Erfahrung verfügen. Gerade jetzt gilt es, jungen Menschen Chancen zu geben, sie zu qualifizieren und Schritt für Schritt aufzubauen. Nur so können wir den Standort Nordschwarzwald und die regionale Wirtschaft langfristig stärken.“

Einstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger bereitstellen

Die IHK Nordschwarzwald fordert deshalb:
  • Mehr Einstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger,
  • flexiblere Personalstrategien in Unternehmen, die jungen Fachkräften Entwicklungsmöglichkeiten bieten,
  • sowie politische Rahmenbedingungen, die den Übergang von Ausbildung und Studium in Beschäftigung erleichtern.
„Es reicht nicht, kurzfristig über Fachkräftemangel zu klagen. Wir brauchen Strategien, die den Nachwuchs langfristig binden und Perspektiven schaffen. Nur dann bleibt die Region wettbewerbsfähig“, so Traub weiter.

IHK untertstützt junge Talente

Die IHK Nordschwarzwald unterstützt Unternehmen und junge Talente mit einem breiten Spektrum an Maßnahmen, um Fachkräfte zu gewinnen, weiterzubilden und langfristig zu binden – unter anderem durch:
  • Vielfältige Weiterbildungsangebote: Die Akademien der IHK Nordschwarzwald bieten ein umfassendes Programm – von Tagesseminaren über Lehrgänge der höheren Berufsbildung bis hin zu Blended-Learning-Formaten. Themen reichen von digitalen Kompetenzen über kaufmännisches Wissen bis hin zu technischen Innovationen. Individuelle Weiterbildungsberatung unterstützt interessierte Fachkräfte und Unternehmen beim Einstieg.
  • Bildungszentrum Nagold: Mit dem Spatenstich im Juli 2023 läutete die IHK Nordschwarzwald die Bauphase für ihr neues Bildungszentrum in Nagold ein, im September 2024 wurde das Richtfest gefeiert. Geplant ist die Fertigstellung zum Jahreswechsel 2025/2026. Das Zentrum wird ein moderner, flexibler Lernort und integraler Bestandteil des Bildungscampus Nagold – und stärkt langfristig die berufliche Bildung und Innovationsfähigkeit der Region.
  • Beratung, Vernetzung, Service für Unternehmen: Die IHK Nordschwarzwald begleitet Unternehmen entlang des gesamten Lebenszyklus – von der Fachkräftesicherung über Existenzgründung bis hin zu Digitalisierung, Innovationsförderung, Internationalisierung und Personalentwicklung. Diese praxisnahe Begleitung unterstützt Unternehmen dabei, Fachkräfte erfolgreich anzuwerben, weiterzuqualifizieren und an den Standort zu binden.
Die IHK Nordschwarzwald wird sich auch in Zukunft mit Nachdruck dafür einsetzen, dass junge Menschen Perspektiven erhalten – und die Unternehmen der Region die Fachkräfte, die sie so dringend benötigen.
Volkswirtschaft und Konjunktur

Konjunktur­bericht Nord­schwarz­wald

Lage weiter­hin ernst - Talsohle scheint durch­schritten - zu hohe Arbeits­kosten belasten

Während das statis­tische Bundes­amt vor einigen Tagen für das Jahr 2025 ein bundes­weites Mini­wachs­tum von 0,2 Prozent des Brutto­inlands­produkts (BIP) fest­stellte und die Bundes­regie­rung für das Jahr 2026 ihre Wachs­tumspro­gnose mit 1,0 Prozent veröffent­lichte, deuten auch die Zahlen der Indus­trie- und Handelsk­ammer (IHK) Nord­schwarz­wald für die Region an, dass die kon­junk­turel­le Tal­sohle durch­schrit­ten sein könn­te.
Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass die aktuelle Geschäftslage im Nordschwarzwald branchenübergreifend leicht positiv bewertet wird. Bei den Auftragseingängen wird seit vier Jahren erstmals wieder ein positiver Saldo erreicht – das heißt, dass mehr Unternehmen die Auftragslage als besser werdend denn schlechter werdend angegeben haben. Und auch die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate bleiben positiv.
„Die Lage ist weiterhin ernst. Nunmehr weisen die meisten Zahlen aber darauf hin, dass wir die Talsohle durchschritten haben könnten“, betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. „Während sich die Umsatzlage – aus dieser Talsohle kommend – weiter positiv entwickelt, zeigen die Zahlen zur Ertragslage, dass es noch ein weiter Weg zurück in eine stabile Wirtschaftslage mit echtem Wachstum ist. Die Unternehmen stehen unter erheblichem Kostendruck mit zu hohen Arbeitskosten.“
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresbeginn im Nordschwarzwald: Sie ist auf 17.019 gestiegen. Das sind 815 beziehungsweise 5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026

Die IHK Nordschwarzwald hat im Januar rund 300 regionale Unternehmen zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt. Fast 26 Prozent der antwortenden Unternehmen berichten derzeit von einer guten Geschäftslage, verglichen mit 24 Prozent im Herbst 2025. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, ist mit 52 Prozent weiterhin hoch (Herbst 2025: 52 Prozent). 22 Prozent nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein positiver Saldo von fast vier festzustellen ist. Im Herbst 2025 lag der Saldo bei minus 0,5.
„Ein spürbarer Aufschwung ist in diesen Zahlen noch nicht abzulesen, zumal wir uns seit mehr als drei Jahren in einer kritischen Lage befinden“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. „Mut machen jedoch die positiven Veränderungen bei den sogenannten Frühindikatoren.“

Auftragseingänge und Geschäftserwartungen gehen langsam nach oben

„Seit dem Jahresbeginn 2022 berichten die Unternehmen von schlechter werdenden Auftragslagen. Nachdem sich vor drei Jahren viele gute Auftragsbestände reduzierten und die Kapazitäten eine schlechtere Auslastung erfuhren, haben wir nun erstmals wieder einen positiven Saldo bei den Auftragseingängen auf niedrigem Niveau“, so Traub.
Mehr als 23 Prozent der Unternehmen melden derzeit einen steigenden Auftragseingang, 56 Prozent geben einen gleichbleibenden Auftragseingang an (Herbst 2024: 52 Prozent). Gut 20 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Damit liegt der Saldo bei drei. Im Herbst 2025 lag er bei minus 16, im Vorjahreszeitraum bei minus elf.
Leicht positiv stimmen auch die Geschäftserwartungen: Gut 18 Prozent gehen von sich verbessernden Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus, elf von sich verschlechternden – ein Saldo von plus sieben, der einem Wert von minus zwei aus dem Vorjahreszeitraum gegenübersteht. Der gute Trend zeigt sich besonders in der Industrie: Hier liegt der Saldo bei plus 16, vor einem Jahr lag der Wert bei minus 0,1 Prozent.
„Die Industrie ist unsere Leitbranche. Im Bundes- wie Landesvergleich arbeiten in unserer Region überproportional viele Menschen im verarbeitenden Gewerbe. Diese Zahlen sind also für alle Branchen mittelfristig gute Signale“, betont IHK-Präsidentin Gläser.

Investitionsbereitschaft noch verhalten – weiter Vertrauensaufbau nötig

„Dass wir von einer stabilen Trendwende noch nicht ohne Einschränkungen sprechen können, zeigen die Zahlen zur Investitionsbereitschaft – dem dritten der sogenannten Frühindikatoren“, erläutert Tanja Traub. Seit mehr als zwei Jahren überwiegt die Zahl der Unternehmen, die nicht investieren wollen oder können, deutlich gegenüber denen mit Investitionsabsichten. Mit minus 13,3 bleibt der Saldo deutlich im negativen Bereich. „Gründe dafür sehen wir in der instabilen weltpolitischen Lage, noch nicht aufgebautem Vertrauen in die Politik sowie vor allem in einer schlechten Ertragslage“, führt Traub aus.

Umsatz- und Ertragslage werden deutlich unterschiedlich bewertet

Während über 36 Prozent steigende Umsätze angeben, etwas über 34 Prozent gleichbleibende verbuchen und nur noch etwas über 29 Prozent gefallene Umsätze angeben und sich damit ein positiver Saldo von sieben ergibt, liegt der Saldo zur Ertragslage bei minus 17. Nur knapp 16 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Ertragslage, 52 Prozent geben sie mit befriedigend an und fast 33 Prozent melden eine schlechte Ertragslage.
„Bis zum Jahr 2022 entwickelten sich die Kurven dieser beiden Salden fast parallel. Das zeigt den seither gestiegenen Kostendruck und wie die Unternehmen kämpfen müssen“, so Traub.

Zahlen zu Exporten und Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig

Demnach verwundert nicht, dass bei der regionalen Konjunkturbefragung die verhaltene Inlandsnachfrage (83 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (67 Prozent) noch deutlicher die Liste der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen anführen als bereits bei den letzten Erhebungen. Auf Platz drei der zehn Risikokategorien folgt mit großem Abstand die Angabe „geopolitische Spannungen“ mit knapp 44 Prozent.
„Unser Blick geht nach vorne. Die Zahlen sind allerdings eindeutig. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist einem starken Reformdruck ausgesetzt“, so IHK-Präsidentin Gläser. „Unsere leidende Wettbewerbsfähigkeit hängt deutlich mit zu hohen Arbeitskosten zusammen. 2026 muss der Bund daher die großen Reformvorhaben zu Rente, Gesundheitsversorgung und Sozialabgaben angehen. Aus Arbeitnehmersicht muss mehr Netto vom Brutto erreicht und die Lohn-Preis-Spirale eingebremst werden. Das ist gerade für uns – als starker Exportstandort – im Nordschwarzwald wichtig.“
Tanja Traub ergänzt: „Unsere Zahlen zu den Exporterwartungen gehen nun wieder spürbar nach oben. Vor diesem Hintergrund ist – neben den innenpolitischen Reformen – die weitere Vertiefung des europäischen Binnenmarkts und die Erschließung neuer Märkte durch das endlich abzuschließende Mercosur-Abkommen und das jüngst von der EU mit Indien abgeschlossene Freihandelsabkommen wichtig.“
32 Prozent der befragten Unternehmen erwarten steigende Exporte. Im Herbst 2025 waren es nur knapp über 17 Prozent. Der Saldo steigende zu fallende Exporterwartungen liegt nun bei 24,5 Prozent. Im Vorjahreszeitraum war der Wert bei nur 1,7 Prozent, davor sogar negativ.

Mittelstandsfreundliche Politik gefragt

„Das gute außenpolitische Engagement der Bundesregierung und die Verhandlungen der Europäischen Union mit neuen Partnern in der Welt müssen nun endlich Früchte tragen können, dann wird nach dem Durchschreiten der Talsohle auch echtes Wachstum möglich werden“, so Gläser und Traub abschließend. „Für die Landtagswahlen Anfang März hoffen wir auf eine stabile und wirtschaftsfreundliche Landesregierung mit klaren Mehrheiten, die sich an den Belangen des Mittelstands orientiert. Denn ohne Wirtschaft ist alles nichts.“

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Verarbeitendes Gewerbe

Etwas mehr als 18 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 15 Prozent), 53 von einer befriedigenden, etwas unter 30 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 53 beziehungsweise 32 Prozent. Knapp 31 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, 38 Prozent von gleichbleibenden, 31 Prozent von gefallenen. Die Werte im Vorjahreszeitraum (Jahresbeginn 2025) waren: 14, 23 und 63 Prozent.
Die Ertragslage bewerten 15 Prozent als gut, 47 Prozent als befriedigend und 38 Prozent als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren: 9, 47 und 44.

Gastgewerbe

60 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 59 Prozent), 27 Prozent sehen sie als befriedigend (Jahresbeginn 2025: 35 Prozent), nunmehr 13 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 6 Prozent). 57 Prozent stellen wachsende Umsatzzahlen fest (Jahresbeginn 2025: 29 Prozent), knapp 29 Prozent geben gefallene Umsätze an (Jahresbeginn 2025: etwas mehr als 29 Prozent). 40 Prozent bewerten die Ertragslage als gut, 47 als befriedigend, 13 als schlecht (Vorjahreszeitraum: etwas mehr als 29, gut 47 und 23,5 Prozent).

Handel & Dienstleistungen

34,5 Prozent der Unternehmen aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche sehen eine gute Geschäftslage, 50 Prozent bewerten sie als befriedigend, 15,5 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 32, 62 und etwas über fünf Prozent. Gestiegene Umsätze verbuchen immerhin 44 Prozent, bei knapp 28 Prozent bleiben sie gleich, etwas mehr als 28 Prozent sehen fallende Umsätze. Zum Jahresbeginn 2025 lagen die Werte bei 31, 51 und 18 Prozent.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: 17 Prozent sehen eine gute, 55 Prozent eine befriedigende und 28 Prozent eine schlechte Ertragslage. Vor einem Jahr lagen die Werte bei 27, 49 und 24 Prozent.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: nur 14 Prozent sehen eine gute, 63 Prozent eine befriedigende und 23 Prozent eine schlechte Ertragslage. Im Herbst 2024 lagen die Werte bei 16, 49 und 35 Prozent.
Wirtschaftspolitische Positionen

IHK lehnt kom­munale Ver­packungs­steuern ab

Wirtschaft warnt vor zusätzlicher Bürokratielast

Pforzheim, 18.03.2025. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald spricht sich gegen die Einführung kommunaler Verpackungssteuern aus. Die Vollversammlung – das Parlament der regionalen Wirtschaft – beschloss dazu einstimmig ein zweiseitiges Positionspapier (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 90 KB), das die möglichen Auswirkungen umfassend analysiert. Das Fazit: Verpackungssteuern könnten erhebliche Belastungen für die regionale Wirtschaft mit sich bringen und stehen im unkoordinierten Zusammenspiel mit bestehenden Umweltmaßnahmen.

Umweltschutz und Abfallvermeidung: Verpackungssteuer ist der falsche Weg

„Abfallvermeidung und Umweltschutz sind auch für uns zentrale Anliegen. Doch die Verpackungssteuer ist der falsche Weg“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. „Handel und Gastronomie sind bereits durch die nationale Umsetzung der EU-Einwegkunststoffrichtlinie sowie andere Vorschriften stark gefordert. Eine zusätzliche kommunale Verpackungssteuer würde die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe weiter verschärfen.“ Der Nutzen für die Müllvermeidung sei fraglich, im Gegenzug käme auf die ohnehin stark belasteten Betriebe eine Vielzahl an komplizierten Vorschriften zu. „Verpackungssteuern erweitern den Bürokratiedschungel“, warnt Traub.

Enorm hoher bürokratischer Aufwand

In der Tat wäre der bürokratische Aufwand enorm hoch: Die Abgrenzung zwischen steuerpflichtigen und nicht-steuerpflichtigen Verpackungen ist komplex, was zu Verwirrung bei Mitarbeitenden und Kunden führt. Ein Beispiel: Ein kalter Zwiebelkuchen wird beim Tübinger Modell nicht besteuert, der warme bei identischer Verpackung hingegen schon. Da der sofortige Verzehr aber das entscheidende Kriterium ist, müsste das Verkaufspersonal auch bei der Abgabe von kaltem Zwiebelkuchen rückfragen, ob dieses Stück sofort verzehrt wird. Bejaht der ehrliche Kunde die Frage, wäre Verpackungssteuer fällig. Diese penible Befragung gilt selbstverständlich auch fürs Fleischkäsweckle.

Verpackungssteuer führt zu höheren Preisen für Verbraucher

Für Kunden und Kommunen würde es jedenfalls teurer: Eine Verpackungssteuer führt zu höheren Preisen für Verbraucher. Doch auch die Kommunen selbst wären zusätzlich belastet: Die Erhebung und Kontrolle der Steuer erfordern erhebliche Ressourcen, die in vielen Kommunen bereits jetzt nicht ausreichend vorhanden sind. Dies könnte zu Ungleichheiten bei der Kontrolle und Durchsetzung führen.
Neben der Bürokratiebelastung spricht die fehlende Lenkungswirkung gegen die Steuer: „Verschiedene Studien zeigen, dass die Einführung einer Verpackungssteuer nicht zwangsläufig zu einer Verringerung des Abfallaufkommens führt. Das Verbraucherverhalten wird von vielen Faktoren beeinflusst“, macht Traub deutlich.

Regelungswirrwarr befürchtet

Nachdem die Kommunen, die eine Verpackungssteuer einführten, im Zuge einer Satzung selbst entscheiden, welche Einwegverpackung wie besteuert würde, könnte es über kommunale Grenzen hinweg zu einem aus Sicht der Kunden und Betriebe völligen Regelungswirrwarr kommen: „Das wäre Kleinstaaterei im 21. Jahrhundert. Eine weitere Steuer ist unzweckmäßig und führte zu Wettbewerbsverzerrungen. Es bestünde zudem die Gefahr eines Mülltourismus über kommunale Grenzen hinweg. Anstatt umweltpolitischer Symbolpolitik sollte der Fokus vor Ort vielmehr darauf liegen, wie wilder Müll tatsächlich vermieden und beseitigt werden kann. Hier sind intelligente Alternativen gefragt“, so Traub abschließend.
Events

Akteure der Wirtschafts­region Nord­schwarz­wald gründen „Allianz für morgen“

Rund 70 Unternehmensvertreter aus dem Nordschwarzwald kamen zur Auftaktveranstaltung der „Allianz für morgen“ ins Pforzheimer IHK-Haus. Unter dem Titel „Nachhaltiges Wirtschaften – Berichterstattungspflichten und Chancen“ widmeten sie sich den Anforderungen des europäischen „Green Deals“, informierten sich über die kürzlich von der Europäischen Kommission veröffentlichten Pläne des „Clean Industrial Deal“ und diskutierten praxisnahe Ansätze für eine wirtschaftlich nachhaltige Umsetzung der aktuellen Vorgaben.

Der Clean Industrial Deal der Europäischen Union

Die EU verfolgt mit dem Clean Industrial Deal drei wesentliche Ziele: die Bekämpfung des Klimawandels, die Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und die Reduzierung der Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen. Gleichzeitig wird eine Entlastung bei den Berichterstattungspflichten sowie beim CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) in Aussicht gestellt.

Starke regionale Allianz für nachhaltiges Wirtschaften

„Die bürokratischen Vorgaben bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung wirken allerdings bereits und die EU hält an den ambitionierten Zielen des Green Deals fest, wonach es bei der Reduktion der Netto-Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030 und dem für 2040 gesetzten Zwischenziel von 90 Prozent bleiben soll“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. „Umso wichtiger ist es, sich mit den Chancen nachhaltigen Wirtschaftens tiefer zu beschäftigen und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass das Engagement der Allianz für morgen dem Nordschwarzwald das Alleinstellungsmerkmal einer Region des nachhaltigen Wirtschaftens verleihen und Standortvorteile erarbeiten kann, “ so Traub beim Empfang der insgesamt zehn Partnerinstitutionen der Allianz für morgen.
Dazu zählen neben der IHK Nordschwarzwald die Handwerkskammer Karlsruhe, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald (WFG), der Regionalverband Nordschwarzwald, die drei Landkreise der Region, die Stadt Pforzheim inklusive des Zentrums für Präzisionstechnik, die Hochschule Pforzheim und der Campus Schwarzwald in Freudenstadt. „Es ist in konjunkturell herausfordernden Zeiten ein starkes Zeichen, dass wir die Kräfte so fest bündeln für gemeinsame bedarfsgerechte neue Angebote in den Bereichen Information, Beratung und Qualifizierung“, erklärte Carl Christian Hirsch, Mitglied der IHK-Geschäftsführung.

Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor

Calws Landrat und WFG-Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger betonte: „Viele Unternehmen in unserem Landkreis stehen vor der Herausforderung, wirtschaftliche Rückgänge zu bewältigen und gleichzeitig nachhaltige Strategien zu implementieren. Hierbei benötigen sie unser aller Unterstützung.“ Auch Regionalverbandsdirektor Sascha Klein unterstrich die Bedeutung nachhaltigen Wirtschaftens: „Für uns gehört dazu auch die Planung zukunftsfähiger Gewerbegebiete.“
Die Allianz für morgen wird als Schlüsselinitiative zur Umsetzung der regionalen Entwicklungsstrategie 2030+ betrachtet, die von IHK, WFG und Regionalverband unter breiter Beteiligung entwickelt wurde. „Als Region möchten wir Vorreiterin sein. Wir möchten mit dem Fokus Nachhaltigkeit eine Marke aufbauen und etablieren“, ergänzten für den Enzkreis Landrat Bastian Rosenau und der Wirtschaftsförderer des Landkreises Freudenstadt, Ralf Bohnet.
„Bereits bei der Gründung unseres Zentrums für Präzisionstechnik, dem ZPT, war klar: Eine nachhaltige Produktion wird zu einem immer wichtigeren Verkaufsargument“, ergänzte Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch. Auch die Hochschule Pforzheim sieht in Nachhaltigkeit einen Innovationsmotor: „Nachhaltigkeit kann oft als Katalysator für Innovationen dienen. Die Integration in die Kreislaufökonomie ist derzeit eines der zentralen Themen in der Wirtschaft“, betonte Prorektorin Prof. Dr. Ingela Tietze. Neben Stefan Bogenrieder, Geschäftsführer des Campus Schwarzwald, der mit der IHK und der Hochschule bereits gemeinsame Weiterbildungsangebote vorhält, unterstrich der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe, Walter Bantleon, die wichtige Rolle seines Hauses bei der Qualifizierung der Fachkräfte: „Aktuell planen wir den Bau einer neuen Bildungsakademie mit einem Investitionsvolumen von etwa 130 Millionen Euro, um Fachkräfte für zukünftige Herausforderungen auszubilden. Dabei legen wir großen Wert auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Diese Kompetenzen möchten wir auch in die neue Allianz einbringen.“

Fachimpulse und praxisnahe Lösungen

In der sich an den Gründungsempfang anschließenden und von Stefan Hammes moderierten Infoveranstaltung beleuchtete Dr. Sebastian Bolay von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) die aktuellen rechtlichen Vorgaben der EU und des Bundes. Prof. Dr. Jan Greitens von der Westfälischen Hochschule stellte mit VSME („Voluntary Small and Medium Enterprises Standard“) einen freiwilligen, KMU-freundlichen Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung vor. Greitens betonte in seinem Vortrag, dass die Berichtserstattungspflichten aktuell zwar viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) noch nicht betreffen. Als Lieferanten größerer Unternehmen seien sie hingegen oftmals bereits mittelbar betroffen oder sie werden gegenwärtig schon bei Finanzierungen zu den Nachhaltigkeitsaspekten ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten im Zuge der EU-Taxonomieverordnung befragt.
Oliver Laukel präsentierte mit „EcoCockpit“ ein kostenfreies Tool der IHKs, das Unternehmen hilft, ihren CO2-Fußabdruck zu berechnen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Andrea Bobak von der Richard Wolf GmbH berichtete aus der Praxis, wie ihr Unternehmen durch nachhaltiges Management den Berichterstattungspflichten gerecht wird. Den Abschluss bildete Prof. Dr. Ingela Tietze mit ihrem Impuls „Jenseits der Berichterstattungspflicht – wo sind die Chancen klimaneutralen Wirtschaftens?“, in dem sie praxisnahe Ansätze zur Kostensenkung und Innovationsförderung durch Nachhaltigkeitsstrategien aufzeigte.

Zukunftsweisende Kooperation

Die Veranstaltung führte den Teilnehmenden klar vor Augen, wo der Schwerpunkt der Arbeit der Allianz für morgen liegen wird: „Unsere Allianz soll insbesondere dem Mittelstand konkrete Hilfestellungen bieten, damit er sich auf die Chancen klimafreundlichen Wirtschaftens konzentrieren kann“, resümierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub.

GEWERBE­GEBIETE
DER ZUKUNFT

Unternehmen benötigen attraktive Möglichkeiten für Wachstum und Veränderung. Zehn Argumente für die Akzeptanz einer nachhaltigen gewerblichen Entwicklung.

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Presse

IHK-Magazin März/April 2026

Presse

Schwerpunktthema: Politische Öffnung – strategische Chancen: Japan sucht Technologiepartnerschaften

2025

Wirtschafts­politisches Jahres­gespräch: IHK Nord­schwarz­wald fordert Büro­kratie­abbau und bes­sere Stand­ort­be­ding­un­gen

Die Wirtschaft im Nordschwarzwald steht unter Druck. Beim „Wirtschaftspolitischen Jahresgespräch" der IHK Nordschwarzwald diskutierten Politik und Wirtschaft über Bürokratieabbau, Infrastruktur und Fachkräftesicherung. Als Gastredner begrüßte die IHK Nordschwarzwald den Vorsitzenden der FDP-/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, der sich gemeinsam mit Vertreter:innen aus der Wirtschaft den drängenden Fragen der Region stellte.

Begrüßung und Lage der Wirtschaft

Claudia Gläser eröffnete den Abend im IHK-Haus Pforzheim mit einem klaren Appell: „Wir erleben Unsicherheit, strukturelle Veränderung und neue Herausforderungen – umso wichtiger ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik.“ Sie machte deutlich, wie ernst die Lage für die Unternehmen im Nordschwarzwald ist: Auftragsrückgänge und Insolvenzen belasten viele Betriebe. Gleichzeitig suchen andere Unternehmen händeringend Personal, während zu viele junge Menschen ohne Ausbildung bleiben. Hinzu kommen gestiegene Arbeitskosten, fehlender Wohnraum und schleppende Verwaltungsdigitalisierung.
Gläser betonte die Rolle der IHK: „Als größter Anbieter beruflicher Bildung in der Region unterstützen wir Betriebe und begleiten Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung. Wir schaffen Orientierung, vernetzen Schulen und Unternehmen und bieten praxisnahe Weiterbildung für Transformation und Digitalisierung.“ Ihr Fazit: „Die Herausforderungen sind groß. Aber sie sind lösbar, wenn wir gemeinsam handeln.“

Impuls von Dr. Rülke: Bürokratieabbau und Reformen

In seinem Impulsvortrag widmete sich Dr. Hans-Ulrich Rülke vor allem den Themen Bürokratieabbau, Transformation, Infrastruktur und Bildungspolitik. „Ohne Wirtschaft ist unser Wohlstand nicht zu erhalten“, sagte Rülke und forderte Investitionen in Infrastruktur sowie eine konsequente Verwaltungsreform.
Mit Blick auf die Landespolitik sagte Rülke: „Wir werden das ganz große Rad nicht drehen können […], aber was die Landespolitik tun kann: eine Verbesserung der Infrastrukturen – schnelles Internet, Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Transformation.“
Zu seinen zentralen Forderungen gehörten:
  • Technologieoffenheit in der Energiepolitik, da Sonnen- und Windenergie im Nordschwarzwald nicht ausreichen werden, sowie Energiepartnerschaften für die Transformation zu Wasserstoff.
  • Verwaltungsreform: Regierungspräsidien und Regionalverbände zusammenlegen oder abschaffen.
  • Digitalisierung der Verwaltung und das Ziel:
    „Wir sollten so weit kommen wie Estland: Dort ist es möglich, innerhalb von drei Tagen ganz digital ein Unternehmen zu gründen. Das müssen wir auch schaffen.“
Beim Thema Bildung forderte Rülke einen Mentalitätswechsel: „Wir brauchen wieder den Leistungsgedanken in dieser Gesellschaft und Bildung. Junge Menschen wollen Wettbewerb, sie wollen sich messen.“ Er sprach sich für die Stärkung der Realschule und die Rückkehr zur Werkrealschule aus und betonte: „Wir sind eine Leistungsgesellschaft, auch für die Unternehmen.“

Konjunkturbericht: Lage bleibt angespannt

Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald, Tanja Traub, zeigte mit den aktuellen Ergebnissen der regionalen Konjunkturbefragung die angespannte Lage der Wirtschaft: „Das Bruttoinlandsprodukt ist im Jahr 2023 deutschlandweit um 0,9 % zurückgegangen. Im Jahr 2024 ist es nochmals um 0,5 % geschrumpft. Diese Zahlen sind eindeutig. Die Lage ist ernst.“
Die Geschäftslage im Nordschwarzwald bleibt herausfordernd: 24 % der Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage, 24 % von einer schlechten, 52 % von einer befriedigenden. Auch der Auftragseingang mit einem Saldo -16 (Vorjahr -30) und die Geschäftserwartungen mit einem Saldo +6 (Vorjahr -11,5) sprechen Bände. Traub fasste zusammen: „Gestiegene Arbeitskosten und überbordende Bürokratie. Das offenbart, wie dringend eine spürbare und dann messbare Wende in der Wirtschaftspolitik nötig ist.“ Und sie warnte: „Geduld und Zuversicht sind gefragt – aber Geduld ist endlich.“

Podiumsdiskussion: Was muss sich ändern?

Unter Moderation von Dr. Julia Hagel diskutierten Dr. Hans-Ulrich Rülke, IHK-Präsidentin Claudia Gläser, IHK-Vizepräsident Dr. Kurt Schmalz und Unternehmer Dr. Philipp Reisert mit den Gästen die Frage, wie das Vertrauen der Wirtschaft in Baden-Württemberg gestärkt werden kann.
Claudia Gläser betonte, dass Bürokratieabbau oberste Priorität haben müsse: „Es muss Erleichterungen bringen – bei Gewerbesteuer, Infrastruktur oder Digitalisierung. Nur so bleiben Unternehmen hier, statt Investitionen ins Ausland zu verlagern.“
Dr. Kurt Schmalz hob hervor, dass mehrere Themen gleichzeitig angegangen werden müssten. „Arbeitskosten, Flexibilität und Bürokratie – und klare Technologiepfad, wie z.B. Robotik. Das Land muss auch bei Energie- Speichertechnologien vorausgehen und wegweisend sein, damit die Wirtschaft spürt: Es passiert etwas.“
Dr. Philipp Reisert forderte, dass die Politik mit gutem Beispiel vorangeht: „Walk the talk. Als effizienzorientierter Unternehmer fragt man sich: Braucht es elf Ministerien in Baden-Württemberg? Hier könnte man sagen: Wir reduzieren im Verwaltungsapparat.“
Dr. Rülke erwiderte, dass Bürokratie das erste Thema sei, das angegangen werden müsse: „Die Unternehmen sagen klar: Bürokratie ist die größte Benachteiligung für die Wirtschaft. Das müssen wir ändern.“ Er sprach sich zudem dafür aus, Regierungspräsidien, Regionalverbände und Landkreise zu einer Ebene zusammenzulegen, und für eine Verschlankung des Ministerienapparats.
Ein zentrales Anliegen der Wirtschaft bleibt der Abbau von Bürokratie. Die Diskussion zeigte, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, um Unternehmen wieder mehr Freiräume für Innovation und Wachstum zu geben. Weitere Themen der Diskussion waren die Digitalisierung der Verwaltung, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Investitionen in Infrastruktur und Energie sowie eine Bildungspolitik, die Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt stellt.

Fazit: Dialog fortsetzen

„Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch hat erneut gezeigt: Der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik ist unverzichtbar. Die IHK Nordschwarzwald wird diesen Dialog weiter intensivieren, um die Interessen der Unternehmen zu vertreten und konkrete Verbesserungen anzustoßen“, fasste Claudia Gläser zusammen. „Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Raum für Innovation und eine verlässliche Standortpolitik – nur so bleibt Baden-Württemberg wettbewerbsfähig.“
2025

IHK Nordschwarzwald fordert mehr Einstiegschancen für junge Fachkräfte

In der öffentlichen Debatte ist der Fachkräftemangel allgegenwärtig. Gleichzeitig berichten viele junge, gut ausgebildete Menschen aus der Region, dass sie trotz intensiver Suche keine passende Beschäftigung finden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald warnt vor dieser widersprüchlichen Entwicklung und fordert Politik und Unternehmen zum Handeln auf.

Menschen echte Einstiegschancen geben

Pforzheim, 27.08.2025. „Wer über Fachkräftemangel klagt, muss jungen Menschen auch echte Einstiegschancen geben. Wir brauchen jetzt Weitsicht und müssen junge Fachkräfte in den Arbeitsmarkt integrieren. Denn wenn diese jungen Fachkräfte trotz guter Ausbildung keine Perspektive bekommen, riskieren wir, dass sie ins Ausland abwandern – und dann fehlen sie uns erst recht. Das kann sich die deutsche Wirtschaft nicht leisten“, betont IHK-Präsidentin Claudia Gläser.
Auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub sieht dringenden Handlungsbedarf: „Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte, gleichzeitig werden Bewerberinnen und Bewerber abgelehnt, weil sie nicht hundertprozentig ins Profil passen oder noch nicht über die gewünschte Erfahrung verfügen. Gerade jetzt gilt es, jungen Menschen Chancen zu geben, sie zu qualifizieren und Schritt für Schritt aufzubauen. Nur so können wir den Standort Nordschwarzwald und die regionale Wirtschaft langfristig stärken.“

Einstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger bereitstellen

Die IHK Nordschwarzwald fordert deshalb:
  • Mehr Einstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger,
  • flexiblere Personalstrategien in Unternehmen, die jungen Fachkräften Entwicklungsmöglichkeiten bieten,
  • sowie politische Rahmenbedingungen, die den Übergang von Ausbildung und Studium in Beschäftigung erleichtern.
„Es reicht nicht, kurzfristig über Fachkräftemangel zu klagen. Wir brauchen Strategien, die den Nachwuchs langfristig binden und Perspektiven schaffen. Nur dann bleibt die Region wettbewerbsfähig“, so Traub weiter.

IHK untertstützt junge Talente

Die IHK Nordschwarzwald unterstützt Unternehmen und junge Talente mit einem breiten Spektrum an Maßnahmen, um Fachkräfte zu gewinnen, weiterzubilden und langfristig zu binden – unter anderem durch:
  • Vielfältige Weiterbildungsangebote: Die Akademien der IHK Nordschwarzwald bieten ein umfassendes Programm – von Tagesseminaren über Lehrgänge der höheren Berufsbildung bis hin zu Blended-Learning-Formaten. Themen reichen von digitalen Kompetenzen über kaufmännisches Wissen bis hin zu technischen Innovationen. Individuelle Weiterbildungsberatung unterstützt interessierte Fachkräfte und Unternehmen beim Einstieg.
  • Bildungszentrum Nagold: Mit dem Spatenstich im Juli 2023 läutete die IHK Nordschwarzwald die Bauphase für ihr neues Bildungszentrum in Nagold ein, im September 2024 wurde das Richtfest gefeiert. Geplant ist die Fertigstellung zum Jahreswechsel 2025/2026. Das Zentrum wird ein moderner, flexibler Lernort und integraler Bestandteil des Bildungscampus Nagold – und stärkt langfristig die berufliche Bildung und Innovationsfähigkeit der Region.
  • Beratung, Vernetzung, Service für Unternehmen: Die IHK Nordschwarzwald begleitet Unternehmen entlang des gesamten Lebenszyklus – von der Fachkräftesicherung über Existenzgründung bis hin zu Digitalisierung, Innovationsförderung, Internationalisierung und Personalentwicklung. Diese praxisnahe Begleitung unterstützt Unternehmen dabei, Fachkräfte erfolgreich anzuwerben, weiterzuqualifizieren und an den Standort zu binden.
Die IHK Nordschwarzwald wird sich auch in Zukunft mit Nachdruck dafür einsetzen, dass junge Menschen Perspektiven erhalten – und die Unternehmen der Region die Fachkräfte, die sie so dringend benötigen.