Das Salz der Erde vom Niederrhein
Die K+S Minerals & Agriculture GmbH fördert im niederrheinischen Borth Salz aus der Tiefe. Sie veredeln es zu hochwertigen Produkten für die verschiedensten Branchen – von der Pharma- und Lebensmittelindustrie bis zum Winterdienst. Das ist einzigartig in NRW.
Es ist viel los in 1.000 Metern Tiefe. Bagger mit gigantischen Schaufeln, die hier unten erst zusammengesetzt werden, sind ständig unterwegs. Ebenso wie die offenen Geländewagen. Ihre Scheinwerfer strahlen in alle Richtungen, auch nach oben. Die grau-weißen Wände, von unzähligen Bohrstangen stabilisiert, reflektieren das Licht. Heiß ist es, über 30 Grad, und sehr trocken. Die Menschen, die hier für die K+S Minerals & Agriculture GmbH arbeiten, nennen sich Kumpel. Sie grüßen einander mit einem „Glück auf“. Ihre Schichten beginnen und enden mit der Seilfahrt. Was sie abbauen, ist unverzichtbar. Denn hier, in und unterhalb von Borth bei Rheinberg, dreht sich alles um eines: Salz.
Salzpaket ist 200 Meter dick
Und das bereits seit fast 120 Jahren – und auch in den kommenden Jahrzehnten. „Im Bergbau denkt man in langen Zeitspannen“, erklärt Werkleiter Dr. Jürgen Choné. Das gilt für die Salzgewinnung ganz besonders. Denn während zum Beispiel Braunkohle für die Energiegewinnung auf Dauer verzichtbar ist, wird Salz immer gebraucht. Die Menschen nutzen es etwa seit der Jungsteinzeit. Und tief unter der Oberfläche von Borth ist es in großen Mengen vorhanden. Es entstammt dem Zechsteinmeer, das vor rund 250 Millionen Jahren verdunstete. So verwandelte es sich in eine Salzwüste, die nach und nach mit Sedimenten überdeckt wurde. Das so entstandene Salzpaket ist rund 200 Meter dick. Der Schatz, den dieses birgt, ist von enormer Reinheit. Je nach Abbaustelle besteht es aus 97 bis 99 Prozent reinem Natriumchlorid. Gewonnen wird es bergmännisch, durch Bohrungen und Sprengungen.
Die hochmoderne Förderlogistik bringt das Salz zu Tage. 370 Mitarbeiter bauen, warten und steuern das System. Manche der Fachkräfte haben früher im Kohlebergbau gearbeitet. Andere kommen aus dem Straßen- oder Hochbau und haben umgeschult. Bergbautechnologen gehören ebenso zum Team. K+S bildet am Standort Borth zudem für den eigenen Bedarf aus, unter anderem Chemikanten sowie Elektroniker und Industriemechaniker. Salzbergbau ist sehr maschinenintensiv, und die Sicherheit der Mitarbeiter steht an erster Stelle. Deshalb müssen Technik und Material maximalen Ansprüchen an Qualität, Performance und Haltbarkeit gerecht werden.
Qualität mehrfach zertifiziert
Knapp 1,5 Millionen Tonnen des wertvollen Rohstoffes werden in Borth jedes Jahr abgebaut. Das Unternehmen verarbeitet das Salz direkt vor Ort. Sie mahlen und sieben es, sodass verschieden große Körnungen entstehen. Was dabei ebenfalls entsteht, ist feines Pudersalz. Es wird zu hochreinem Siedesalz weiterverarbeitet. Die Qualität dieser Produkte ist mehrfach zertifiziert und entspricht den höchsten Anforderungen der Lebensmittelsicherheit.
Verschiedene Branchen nutzen das Salz aus Rheinberg. In der Pharmaindustrie kommt es beispielsweise in Natriumoder Dialyselösungen zum Einsatz. Salz aus Borth war auch im Covid-Impfstoff Comirnaty enthalten. Die Chemieindustrie stellt damit zudem Chlor und Natronlauge her. Die Bauindustrie braucht das Salz, weil sie in den Kellern von Neubauten Geräte zur Wasserenthärtung installiert und dafür Salztabletten benötigt. Und natürlich: die Lebensmittelindustrie, wo es im Salzstreuer für das Sonntags-Ei landet.
Auftausalz mit spezieller Mischung
Nicht zu vergessen: das Auftausalz für die Winterdienste in ganz NRW. Wer bei null Grad und starkem Schneefall auf dem Weg ins Büro oder zu einem Kunden ist, freut sich über eine frisch gestreute Straße. Doch wer ahnt wohl, was für ein Hightechprodukt da gerade aus dem orangefarbenen Lkw fliegt, der vorneweg fährt? „Auftausalz wird aus einer speziellen Mischung hergestellt, die feine und grobe Körnungen enthält. Dadurch können Schnee und Eis schnell und nachhaltig zugleich abtauen. Und dank der hohen Reinheit des Salzes reduziert sich die benötigte Menge. Das schont die Umwelt“, erklärt Dr. Choné.
Apropos Umweltschutz: K+S legt Wert darauf, das Salz so ressourcenschonend wie möglich abzubauen und zu produzieren. Die Energie für die Siedesalzproduktion in Borth erzeugt das Unternehmen seit neuestem mit einer Biomasseanlage. „Damit reduzieren wir den CO2-Fußabdruck am Standort um 40 Prozent“, verdeutlicht der Werkleiter. Die Logistik ist auf maximale Effizienz und kurze Wege ausgerichtet. Denn das Salzgeschäft ist ein regionales. Aus der Grube in die Produktion, von dort auf die Lkw, weiter Richtung A3 und A57 sowie zum Rheinhafen Wesel – und zurück, für die nächste Runde.
Das Auftausalz für die Winterdienste kommt vor allem in einem Umkreis von rund 200 Kilometern in den Verkauf. Aber auch in Nordeuropa. So weitsichtig man bei K+S auch denkt und plant – der nächste Winter kommt garantiert sehr überraschend. Und dann ist das Salz aus Borth schon da.
Text: Daniel Juhr, Juhrmade
Foto: K+S Minerals & Agriculture GmbH
Foto: K+S Minerals & Agriculture GmbH
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