Anerkennung von beruflichem Wissen ist Erfolgsprojekt

Viele Menschen arbeiten seit Jahren ähnlich wie eine Fachkraft, ohne je einen Berufsabschluss erworben zu haben. An sie richtet sich das berufliche Feststellungsverfahren, das es seit dem 1. Januar 2025 gibt. Die Niederrheinische IHK war mit dem Pilotprojekt „Valikom Transfer“ bereits Vorreiter. Für den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Matthias Wulfert bietet das Verfahren den Beschäftigten neue Chancen. Auch die Betriebe am Niederrhein und der gesamte Wirtschaftsstandort profitieren.
Herr Wulfert, das berufliche Feststellungsverfahren gibt es seit einem Jahr. Die Niederrheinische IHK hat aber vorher schon Personen validiert. Was steckt dahinter?
Wir haben einige Jahre bei „Valikom Transfer“ mitgemacht. Das war ein Pilotprojekt. Es richtete sich an Berufstätige, die nicht den klassischen Weg gegangen sind. Die Regel ist heute noch: Ich mache ein paar Jahre meine Ausbildung und am Ende steht eine standardisierte Prüfung. Aber es gibt Ausnahmen, die nicht in dieses System passen. Darauf haben wir mit unserem Angebot reagiert – und auch Erfolg gehabt. Der Gesetzgeber hat sich schließlich entschieden, daraus eine Aufgabe für die IHKs abzuleiten. Das ist für uns eine Auszeichnung. Wir haben am Niederrhein übrigens noch einen draufgesetzt.
Inwiefern?
Wir haben uns mit der IHK Dortmund zu einer Art Kompetenzzentrum zusammengeschlossen. Die anderen IHKs aus NRW können sich an uns wenden. Wir übernehmen dann deren Aufgaben beim Feststellungsverfahren. Die Dortmunder und wir haben durch unsere Pilotphase schon Erfahrung auf dem Gebiet gesammelt. Davon sollen auch andere profitieren. Die IHK Bonn und die IHK Essen haben von diesem Angebot bereits Gebrauch gemacht.
Blicken wir wieder an den Niederrhein. Warum ist das Thema Validierung gerade in diesem Bezirk so wichtig?
Unsere Umgebung ist stark von der Industrie und der Logistik geprägt. In den Bereichen arbeiten auch einige Menschen, die keinen Berufsabschluss im Lebenslauf stehen haben. Sie haben beispielsweise im Lager angefangen, um erstmal Geld zu verdienen. An dem Arbeitsplatz sind sie hängen geblieben. Das Thema Ausbildung hat für sie keine Rolle mehr gespielt. Ihnen möchten wir die Chance geben, einen Abschluss nachzuholen.
Wer profitiert von diesem Verfahren?
Wenn der Kandidat die Prüfung besteht, hat er ein Dokument in der Hand. Das steigert seine Chancen, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen oder sogar Karriere zu machen. Gleichzeitig ist das ein wichtiger Schritt, um Fachkräfte in der Region zu sichern.
Wie ist der Weg hin zu einem Feststellungsverfahren?
Interessenten erhalten bei der IHK eine umfassende Beratung. Dabei klopfen wir ab, was der Kandidat an Kompetenzen mitbringt. Und dann identifizieren wir einen Referenzberuf für die Prüfung. Ein Beispiel ist der Student, der einen Nebenjob als Kellner begonnen hat. Dann hat er sein Studium aus den Augen verloren und kellnert weiter. Im Laufe der Zeit hat der junge Mann aber die Kenntnisse einer Restaurantfachkraft erworben. Das kann er sich anerkennen lassen.
Es gibt auch festgeschriebene Kriterien für die Teilnahme. Was hat es damit auf sich?
Das Mindestalter beträgt 25 Jahre. Und auch eine gewisse Berufserfahrung muss vorhanden sein. Wir sprechen von der 1,5-fachen Dauer der regulären Ausbildungszeit. Das hat einen einfachen Hintergrund: Wir wollen mit dem Modell der dualen oder betrieblichen Ausbildung keine Konkurrenz machen. Das ist weiterhin der beste Weg eine qualifizierte Fachkraft zu werden. Wir richten uns an Menschen mit fachlichem Know-how und Fertigkeiten, die es aus irgendwelchen Gründen verpasst haben, einen Abschluss zu machen.
Warum sollte ein Unternehmen seine Mitarbeiter zur Teilnahme motivieren?
Arbeitsrechtliche und sicherheitstechnische Bestimmungen ändern sich ständig. In der Lagerlogistik oder in der Chemieindustrie gibt es sensible Bereiche. Da müssen bestimmte Kenntnisse vorhanden sein. Wenn meinem Mitarbeiter der entsprechende Nachweis fehlt, kann ich ihn dort nicht einsetzen. So hat eine erfolgreiche Validierung auch Vorteile für das Unternehmen.
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