IHK-Medieninformation

Niederbayerns Wirtschaft von Ukraine-Krieg besonders betroffen

Unternehmerbefragung zeigt wirtschaftliche Folgen deutlich über Bundesschnitt (18.03.2022)
In einer aktuellen Unternehmerbefragung hat die IHK-Organisation Betriebe aus ganz Deutschland nach den wirtschaftlichen Folgen und Auswirkungen des Ukraine-Kriegs gefragt. Im Ergebnis zeigt sich: Schon im Bundesschnitt sind diese Folgen tiefgreifend, aber in den Regionalergebnissen aus Niederbayern zeigt sich eine nochmals verschärfte Situation. Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, nimmt dazu Stellung.

Energiepreissteigerungen als zentrales Problem

„Die Regionalauswertung der niederbayerischen Ergebnisse der Umfrage belegt die Bedeutung der Industrie als Schüsselbranche für unseren Wirtschaftsraum. Bei allen abgefragten wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges – extremen Preissteigerungen bei Energie, Störungen in den Lieferketten, höheren Kosten für Rohstoffe sowie Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung – zeigen die niederbayerischen Ergebnisse eine deutliche höhere Betroffenheit als im bundesweiten Durchschnitt. So nennt beispielsweise mit 94 Prozent nahezu jeder befragte Betrieb die extremen Energiepreissteigerungen als das zentrale Problem, im Bund sind es 87 Prozent. Über drei Viertel der Befragten berichten von Preissteigerungen bei Rohstoffen, einen vergleichbar hohen Wert erreichen die Lieferschwierigkeiten.

Folgen: Investitionen reduziert, Produktion gedrosselt

Darauf müssen die regionalen Unternehmen reagieren, 88 Prozent haben daher bereits ihre Preise erhöht oder planen das. Sehr viel bedenklicher aber: 42 Prozent wollen ihre Investitionen reduzieren und 32 Prozent die Produktion drosseln, auch diese Werte liegen wieder deutlich über dem Bundesschnitt. Das wirkt sich auf die Gesamtwirtschaft im IHK-Bezirk aus, denn die niederbayerische Industrie ist mit vielen weiteren Branchen eng vernetzt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass von allen Umfrageteilnehmern aus unserer Region lediglich zwölf Prozent angegeben haben, sie seien vom Ukraine-Krieg und seinen Auswirkungen derzeit nicht betroffen.

Position gegen Energie-Embargo bestärkt

Für die Wirtschaft in Niederbayern sind das sehr besorgniserregende Ergebnisse, die zum Handeln auffordern. Die Unternehmen fordern der Umfrage zufolge jetzt von der Politik vor allem eine kurzfristige Stabilisierung und mindestens mittelfristige Reduktion der Energiepreise. Das Konzept der Energiewende stellen sie in Frage, der ehrgeizige Ausstieg aus Kernenergie und Kohleverstromung gehört den Betrieben zufolge sofort auf den Prüfstand. Und sie sprechen sich klar gegen ein Energie-Embargo aus. Diese Forderung hat auch die IHK bereits erhoben, denn die Folgen eines Embargos wären gewaltig und würden unsere Volkswirtschaft nachhaltig und für lange Zeit stark schädigen. Einen Ausfall der russischen Kohle-, Öl- und vor allem Gaslieferungen könnten wir nicht kompensieren, dafür sind wir Stand jetzt zu abhängig von Russland, auch und gerade in Bayern. Die Gasreserven sind auf einem sehr geringen Stand und kurzfristige, ausreichende Alternativen mit Blick auf den nächsten Winter sind nicht in Sicht. Die Folge wären Rationierungen und stillstehende Industriebetriebe. Neben einer eingeschränkten Versorgung wäre auch bei anderen Energieträgern und insbesondere beim Strom mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen, die für die Wirtschaft in ihrer ganzen Breite nicht mehr tragfähig sind.“