IHK-Medieninformation

Niederbayerns Tourismuswirtschaft vor neuen Herausforderungen

IHK-Fachausschuss zu den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Tourismusbranche (16.03.2022)
Nach langen Monaten des Lockdowns hatte die niederbayerische Tourismusbranche zuletzt wieder einen Aufwärtstrend bei den Buchungen vermeldet. Überschattet werden die positiven Signale nun aber von der tiefen Sorge und Verunsicherung wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine. Das zeigte sich bei einer virtuellen Tagung des IHK-Fachausschusses Tourismus. Steigende Waren- und Energiepreise sowie Lieferengpässe sind die derzeit beherrschenden Themen in Hotellerie, Gastronomie, bei Brauereien und im Freizeitbereich. Auch der Fachkräftemangel belastet die niederbayerischen Unternehmen mehr denn je, wie zahlreiche Ausschussmitglieder bestätigten. „Die Branche steht erneut vor großen Herausforderungen. Wir werden also weiter Stärke beweisen müssen“, sagte der Ausschussvorsitzende Kai Tiemer.
Welche weitreichenden Konsequenzen die Pandemie und der Krieg für die niederbayerischen Unternehmer haben, schilderten die Teilnehmer der Versammlung. Es sei wegen der Personalnot teilweise schwer, die Funktionen aller Abteilungen überhaupt aufrechtzuerhalten. Nachdem es schon vor Kriegsausbruch Preissteigerungen in allen Sortimenten gegeben hatte, komme nun dazu, dass etwa Lebensmittel-Container aus Asien verspätet oder gar nicht eintreffen. Es fehle in der Warenlogistik an Fahrern, an Verpackungsmaterial sowie an ausreichend Kapazitäten, wodurch sich die Krise ebenfalls weiter verschärfe. Der Appell eines Unternehmers an seine Kollegen lautete, Hamsterkäufe unbedingt zu unterlassen, denn nur wenn unter den Großkunden Vernunft herrsche, könnten schwerwiegende Engpässe vermieden werden. Stark steigende Kosten für Öle, Fette, Milch und Fleisch bestimmen darüber hinaus das Thema Versorgung in der Gastronomie. Positiv bewertet die Branche, dass Produkte aus Süddeutschland, aus Bayern und der Region verfügbar seien und das Liefersystem zumindest hier weitgehend intakt ist. Ein weiterer Punkt aus der Diskussion: Mancher werde es sich vielleicht bald gar nicht mehr leisten können, Urlaub zu machen. „Die Buchungslage im Moment ist aber noch zufriedenstellend und vielleicht wird 2022 wieder ein Deutschlandjahr“, zeigte sich ein Hotelbesitzer zuversichtlich. Klaus Jaschke als Vertreter der IHK-Geschäftsführung konnte die Eindrücke aus der Branche bestätigen: „Wir werden durch diesen Konflikt weitere Verschärfungen erleben und die Unsicherheit verlässt uns nicht. Die Industrie- und Handelskammern sprechen sich deshalb gegen ein Energie-Embargo gegen Russland aus, um die regionale Wirtschaft funktionsfähig zu halten.“ Die IHK stehe den Unternehmern außerdem beratend zur Seite, wenn es beispielsweise um wichtige Förderungen gehe.
Um Sichtbarkeit und Qualität des Niederbayern-Tourismus weiter zu stärken, hatte Bayerns Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger vor einem Jahr die Kompetenzstelle Digitalisierung der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH in Waldkirchen eröffnet. Deren Leiter Markus Garnitz stellte den Ausschussmitgliedern die Arbeit der Kompetenzstelle vor. Digitale Konzepte sollen hier erarbeitet und umgesetzt werden, um Besuchern ein noch besseres Reiseerlebnis im Freistaat zu bieten. Eines der wichtigsten Projekte ist die Umsetzung und Betreuung der „BayernCloud Tourismus“. Dort sollen künftig alle notwendigen Daten für Tourismusmarketing und Destinationsmanagement zur Verfügung gestellt und gemanagt werden. Anbieter touristischer Dienstleistungen können diese Informationen bei geringem Aufwand auch als Basis für innovative Anwendungen und Geschäftsmodelle nutzen.