IHK-Medieninformation

Russland-Ukraine-Krise: Verständnis für Sanktionen, aber nicht für Energie-Embargo

Große Betroffenheit und Hilfsbereitschaft in Niederbayerns Wirtschaft (07.03.2022)
Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern, nimmt aus Sicht der regionalen Wirtschaft Stellung zum Russland-Ukraine-Konflikt: „Die niederbayerische Wirtschaft ist tief betroffen über die kriegerische Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits zu spüren, zuallererst steht aber die große Sorge um die Menschen in dem umkämpften Land sowie um die vielen Tausenden, die sich auf der Flucht befinden. In der niederbayerischen Wirtschaft gibt es großes Verständnis für die verhängten Sanktionen, die letztlich auch unsere international eng verflochtenen Betriebe treffen. Umso wichtiger ist daher für mich jetzt das Einstehen der Wirtschaft für eine politische Lösung und für ein Ende des Kriegs.“ Einen Dank richtet Leebmann an alle Unternehmen, die sich für die notleidenden Menschen einsetzen, sei es durch konkrete Hilfe vor Ort, durch Geld- und Sachspenden oder etwa bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Er verweist dazu auf eine Auflistung von Hilfsmöglichkeiten unter dem Motto „Wirtschaft hilft“ auf der IHK-Website: www.ihk-niederbayern.de/ukraine

Rohstoffe werden knapper und teurer

Die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs und der Sanktionen werden in der niederbayerischen Wirtschaft zunehmend greifbar, führt Leebmann weiter aus: „Internationale Lieferketten reißen ab, der Rohstoffmangel nimmt zu, Preise steigen massiv, die Produktion muss in einzelnen Bereichen bereits gedrosselt oder sogar ganz eingestellt werden.“ So fallen einerseits etwa Zulieferungen aus dem Kriegsgebiet der Ukraine aus, erläutert der IHK-Präsident – ein Beispiel dafür sind aktuell fehlende Kabelbäume und Bordnetze im Automobilbereich. Mit Blick auf Russland andererseits sind unter anderem weitere Preissteigerungen und ein verschärfter Mangel an Rohstoffen zu erwarten, sagt Leebmann: „Die Bandbreite ist groß und der Bezug zum Wirtschaftsraum Niederbayern sehr direkt. Russland ist beispielsweise ein bedeutender Exporteur für Nickel, ein wichtiger Rohstoff in der Stahlveredelung oder auch für Akkus in der E-Mobilität. Palladium wird für Industrie- und Autokatalysatoren gebraucht. Aluminium steckt in vielen Produkten und Komponenten, von Fahrzeugen über Gebäuden bis zu Verpackungen. Bei diesen und weiteren Rohstoffen ist Russland als Produzent weltweit mit führend.“

Klare Position gegen ein Energie-Embargo

Noch größere Sorgen macht sich der IHK-Präsident um Energiepreise und Energieversorgung. „Beim Thema Energie schlägt der Krieg in der Ukraine voll auf die niederbayerische Wirtschaft durch, auf Unternehmen aller Branchen und Größen. Die Preissteigerungen sind extrem. Die Gaspreise beispielsweise waren schon im vergangenen Jahr sehr hoch, erreichen jetzt aber nie dagewesene Höchststände. Ein Energie-Embargo gegen Russland lehnt die Wirtschaft daher klar ab. Einen Ausfall der russischen Kohle-, Öl- und vor allem Gaslieferungen könnten wir nicht kompensieren. Die deutschen Reserven reichen nicht einmal annähernd aus und kurzfristige Alternativen sind nicht in Sicht“, betont Leebmann. Wird etwa Erdgas rationiert, würden große Teile der niederbayerischen Industrie stillstehen, warnt der IHK-Präsident. „Die Politik muss sich vehement für die Versorgungssicherheit unserer Betriebe einsetzen. Der ehrgeizige Ausstieg aus Kernenergie und Kohleverstromung gehört jetzt auf den Prüfstand, der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der damit verbundene Netzausbau sollten beschleunigt werden. Auf mittlere und lange Sicht muss Deutschland die Abhängigkeit vom Ausland bei der Energieversorgung zurückfahren, von Erdgas bis Strom“, fordert Leebmann.