Steuern Finanzen Mittelstand

BMF-Schreiben zum Begriff der Werklieferung und Werkleistung in der Umsatzsteuer

BMF-Schreiben zum Begriff der Werklieferung und Werkleistung in der Umsatzsteuer

Die Finanzverwaltung hat mit BMF-Schreiben vom 1. Oktober 2020 die Definition der Werklieferung im Umsatzsteuer-Anwendungserlass neu gefasst. Durch die Anpassung reagiert das BMF auf die Rechtsprechung des BFH zum Aktenzeichen V R 37/10) aus dem Jahr 2013.

Bislang war nach Auffassung der Finanzverwaltung umsatzsteuerlich eine Werklieferung anzunehmen, wenn der Werkhersteller für das Werk selbstbeschaffte Stoffe verwendet, die nicht nur Zutaten oder sonstige Nebensachen sind.

Nach dem BMF-Schreiben greift eine zusätzliche Voraussetzung: Der Werkshersteller muss im Zusammenhang mit dem Werk auch einen fremden Gegenstand be- oder verarbeiten, vgl. Abschn. 3.8 Abs. 1 Satz 1 UStAE. Eine Be- oder Verarbeitung ausschließlich eigener Gegenstände könne die Annahme einer Werklieferung nicht mehr rechtfertigen.

Diese Anpassung ist für alle offenen Fälle zu berücksichtigen. Das BMF-Schreiben enthält jedoch eine Nichtbeanstandungsregelung: In allen Fällen vor dem 1. Januar 2021 entstandener gesetzlicher Umsatzsteuer können Unternehmer die Umsätze – auch für Zwecke des Vorsteuerabzugs und Fälle des § 13b UStG – entsprechend der bisherigen Fassung des Abschnitts 3.8 Abs. 1 Satz 1 UStAE behandeln.

In der Praxis stellt sich regelmäßig die Abgrenzungsfrage, ob eine reguläre Warenlieferung, eine Werklieferung oder eine Werkleistung vorliegt, da sich hieraus unterschiedliche Konsequenzen für die Besteuerung ergeben. Zumindest für Konstellationen, in denen der Leistende ausschließlich eigene Gegenstände be- oder verarbeitet, lässt sich eine Werklieferung nunmehr ausschließen.