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Aktualisierung der Änderungen zum Jahreswechsel

Aktualisierung der Änderungen zum Jahreswechsel

Im letzten Newsletter zum Jahreswechsel haben wir über anstehende steuerliche Änderungen berichtet. Hierzu gab es nach Redaktionsschluss des Newsletters noch folgende Änderungen.

Nachfolgend finden Sie die wesentlichen Änderungen gegenüber dem Dezember-Newsletter, die final im Jahressteuergesetz 2020 beschlossen wurden. Das Gesetz ist mittlerweile auch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.  

Einkommensteuer 

Corona Zuschuss nach § 3 Nr. 11a EStG – Zahlungsfrist verlängert 

Gemäß § 3 Nr. 11a EStG und BMF-Schreiben vom 26.10.2020 kann der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern Sachlohn oder Barlohn bis zu einem Betrag von 1.500,00 Euro steuerfrei gewähren. Die Steuerfreiheit hat die Voraussetzung, dass die Zuwendung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt. Dieses Kriterium wird in § 8 Abs. 4 EStG nunmehr erstmalig definiert. Mit dem Jahressteuergesetz wurde die ursprüngliche Zahlungsfrist bis zum 31.12.2020 auf den 30.06.2021 verlängert. Der Höchstbetrag von 1.500,00 Euro bleibt jedoch bestehen. Der mögliche Zahlungs- oder Zuwendungszeitraum begann am 1.3.2020. Das Kriterium der „Zusätzlichkeit“ wird in § 8 Abs. 4 EStG nunmehr erstmalig definiert. 

Anhebung Ehrenamtsfreibeträge  

Der Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG steigt ab Jahresbeginn 2021 von bisher 2.400 Euro auf nun 3.000 Euro pro Jahr – im Ergebnis können somit zukünftig bei einer nebenberuflichen, besonders begünstigten Tätigkeit im gemeinnützigen Bereich (z. B. Sportverein) Beträge bis zu 250 Euro monatlich steuer- und sozialversicherungsfrei ausgezahlt werden. Gleichzeitig wurde auch die so genannte Ehrenamtspauschale von bisher 720 Euro auf 840 Euro jährlich nach § 3 Nr. 26a EStG mit Wirkung ab 2021 erhöht. 

Verlängerung der Steuerfreiheit des Arbeitgeber-Zuschusses zum Kurzarbeitergeld in § 3 Nr. 28a EStG 

Nach § 3 Nr. 28a EStG ist nunmehr in den Monaten März 2020 – Dezember 2021 eine Arbeitgeber-Aufstockung zum Kurzarbeitergeld steuerfrei, soweit 80 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem Soll- und dem Ist-Entgelt nach § 106 SGB III nicht überschritten werden. Die ursprüngliche Befristung bis zum 31.12.2020 wurde im Jahressteuergesetz 2020 bis zum 31.12.2021 verlängert. 

Änderungen beim Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG  

Bei § 7g EStG werden die maximalen Investitionsabzugsbeträge auf 50 Prozent der voraussichtlichen Investition erhöht. Die einheitliche Gewinngrenze (ursprünglich im Entwurf 150.000 Euro) wurde auf 200.000 Euro festgelegt.  

Bewertungsabschlag von Wohnungen für Mitarbeiter im Verbund 

Vorteile, die der Arbeitgeber oder ein Dritter dem Arbeitnehmer auf Grund des Dienstverhältnisses in Form einer unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung von Wohnraum gewährt, stellen einen steuerpflichtigen Sachbezug dar (§ 19 Abs. 1 i. V. m. § 8 Abs. 1 EStG). Ab dem Kalenderjahr 2020 ist bei der Bewertung von bestimmten Mietvorteilen ein Bewertungsabschlag nach § 8 Abs.2 Satz 12 EStG zu berücksichtigen. Dieser beträgt ein Drittel des ortsüblichen Mietwerts (max. 25 Euro je qm). Die nach Anwendung des Bewertungsabschlags ermittelte Vergleichsmiete ist dann Bemessungsgrundlage für die Bewertung der Mietvorteile. 

Bisher galt der Bewertungsabschlag nur für Mietvorteile aus einer dem Arbeitnehmer vom lohnsteuerlichen Arbeitgeber überlassenen Wohnung. Durch die neue Ergänzung im § 8 Abs. 2 Satz 12 EStG wurde der Anwendungsbereich auf verbundene Unternehmen ausgeweitet. Nicht begünstigt ist weiterhin die verbilligte Überlassung von Wohnungen durch Dritte oder die Zahlung von Zuschüssen zur Wohnung. 

Werbungskostenabzug für Home-Office 

Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor oder wird auf einen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer verzichtet, kann der Arbeitnehmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 EStG für jeden Kalendertag, an dem er seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine außerhalb der häuslichen Wohnung belegene Betätigungsstätte aufsucht, für seine gesamte betriebliche und berufliche Betätigung einen Betrag von 5 Euro abziehen. Es ist aber höchstens ein Wert von 600 Euro im Kalenderjahr als Werbungskosten abziehbar.  

Der pauschale Abzugsbetrag für die Nutzung des Arbeitsplatzes in der Wohnung des Arbeitnehmers wird nur für die Kalendertage gewährt, an denen der Steuerpflichtige seine betriebliche/berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine andere betriebliche/berufliche Betätigungsstätte aufsucht. Zur Betätigungsstätte gehören jede Tätigkeitsstätte, ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet oder auch ein fester Ort (Sammelpunkt), den der Arbeitnehmer aufsucht. Fährt der Arbeitnehmer an einen einem Tag zusätzlich z. B. zur ersten Tätigkeitsstätte, kann die Tagespauschale von 5 Euro nicht abgezogen werden, sondern nur die abziehbaren Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte/erster Tätigkeitsstätte oder, wenn er auswärtig betrieblich/beruflich tätig wird, Fahrtkosten nach Reisekostengrundsätzen. 

Die Pauschale wird nicht zusätzlich zur Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro gewährt, sondern ist in der Pauschale enthalten. Das heißt sie entfaltet nur Auswirkungen bei Arbeitnehmern, die die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro, z. B. durch Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte oder Fortbildungsaufwendungen, überschreiten.  

Eine steuerfreie Erstattung durch den Arbeitgeber ist nicht möglich.  

Die Pauschale gilt befristet für den Zeitraum 2020 bis 2021. 

Outplacement-Beratungen steuerfrei  

Mit einer Änderung in § 3 Nr. 19 EStG wird klargestellt, dass auch Beratungsleistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung von einem Dritten zur beruflichen Neuorientierung (sog. „Outplacement“-Beratung, „Newplacement“-Beratung) für ausscheidende Arbeitnehmer steuerfrei sind. Diese Klarstellung war nötig, weil mit der Neuregelung des § 3 Nr. 19 EStG zum 1.1.2020 diese nicht eindeutig festgelegt wurde. 

 
Abgabenordnung 

Zudem wurde die Freigrenze für die im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb einer gemeinnützigen Körperschaft erzielten Einnahmen von 35.000 Euro auf 45.000 Euro angehoben und diese Einnahmen im Ergebnis von der ein Körperschaft- und Gewerbesteuerpflicht verschont.  Zu beachten ist jedoch, dass gem. § 55 AO die aus den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben erwirtschafteten Mittel für die eigentlichen gemeinnützigen Zwecke zu verwenden sind.  

Auch wurde der Katalog für gemeinnützige Zwecke in § 52 Abs. 2 AO erweitert und z. B. neben dem Umwelt- und Naturschutz auch der Klimaschutz aufgenommen und die Ortsverschönerung besonders benannt. Aufgenommen wurden nun auch sog. Freifunk-Initiativen, welche als nicht kommerzielle Veranstaltungen die lokale Kommunikation sowie den Aufbau und Betrieb von lokalen freien Funknetzen (§ 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 23 AO) fördern. 

Die Vorgaben für die Mittelverwendung wurden nach § 55 Abs. 1 Nummer 5 Satz 4 AO dahingehend vereinfacht, dass bei jährlichen Einnahmen unter 45.000 Euro die Beschränkung auf einen Einsatz innerhalb zweier Jahre entfällt. Damit werden im Ergebnis die sog. Mittelverwendungsüberprüfungen bei kleineren Vereinen unterhalb einer Grenze von 45.000 Euro obsolet. 

Bei der Abzugsfähigkeit von Spenden ist zu beachten, dass ab dem 1.1.2021 ein einfacher Zahlungsnachweis (z. B. Bankauszug) für eine geleistete Zuwendung bis 300 Euro ausreichend ist (bis 2020: 200 Euro), § 50 Abs. 4 EStDV. Erst oberhalb dieses Betrages wird eine Spendenbescheinigung nach amtlichem Vordruck erforderlich. 

Ab 2024 soll ein neu zu errichtendes „Zuwendungsempfängerregister“ einsatzbereit sein (§ 60b AO). Das Bundeszentralamt für Steuern wird dort Informationen über alle Körperschaften, die zum Empfang von Spenden berechtigt sind, sammeln.