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BMF-Schreiben an BDI und DIHK zur Anwendungsfrage der Elektromobilität

BMF-Schreiben an BDI und DIHK zur Anwendungsfrage der Elektromobilität

Das BMF hat zu einer Anwendungsfrage bezüglich der Rz. 26 des BMF-Schreibens zur steuerlichen Förderung der Elektromobilität vom 29. September 2020 Stellung genommen.

Mit dem BMF-Schreiben vom 29. September 2020 wurde die Pauschalierungsregelung zur Vereinfachung des Auslagenersatzes für das elektrische Aufladen eines Dienstwagens nach § 3 Nr. 50 EStG und zur Anrechnung von selbst getragenen individuellen Kosten des Arbeitnehmers für Ladestrom auf den Nutzungswert bis 31. Dezember 2030 verlängert. Zudem wurden die Pauschalen ab 1. Januar 2021 angehoben. In Rz. 26 wurde außerdem die folgende Erläuterung aufgenommen:

"Durch den pauschalen Auslagenersatz sind sämtliche Kosten des Arbeitnehmers für den Ladestrom abgegolten. Ein zusätzlicher Auslagenersatz der nachgewiesenen tatsächlichen Kosten für den von einem Dritten bezogenen Ladestrom ist nicht zulässig.“

Diese Formulierung hat in der Praxis zu einer Anwendungsfrage bezüglich des folgenden Sachverhalts geführt:

Ein Arbeitnehmer hat für seinen Elektro- bzw. Hybridelektro-Dienstwagen eine Tankkarte, mit der er auch Strom bezahlen kann (z. B. an Ladesäulen im Stadtgebiet). Der Anbieter dieser Karte rechnet direkt mit dem Arbeitgeber ab. In bestimmten Situationen muss der Arbeitnehmer jedoch das Aufladen zunächst selbst bezahlen (z. B. weil die Tankkarte an bestimmten Ladesäulen nicht akzeptiert wird) und bekommt dafür einen Beleg (z. B. über 10 Euro). Weiterhin lädt der Arbeitnehmer das Fahrzeug zu Hause. Hier bezahlt er die Rechnung für den Strom an seinen Stromversorger. Der Arbeitgeber zahlt an den Arbeitnehmer für das Laden zu Hause die Auslagenpauschale gem. des o. g. Schreibens.

Fraglich ist nun, ob die o. g. Formulierung in Rz. 26 des BMF-Schreibens die Erstattung des zusätzlichen Belegs (über 10 Euro) als Auslagenersatz nach § 3 Nr. 50 EStG ausschließt.

Das BMF trifft dazu folgende Aussagen:

  • Trägt der Arbeitgeber mittels einer Stromtankkarte die Kosten für den von bestimmten Dritten betriebenen ladesäulenbezogenen Ladestrom unmittelbar, handelt es sich insoweit um originäre eigene Aufwendungen des Arbeitgebers und nicht um einen Auslagenersatz.

  • Ein Nebeneinander von steuerfreiem Auslagenersatz nachgewiesener tatsächlicher Kosten einerseits und Pauschalen andererseits ist nicht zulässig. Eine zusätzliche steuerfreie Erstattung für nachgewiesene tatsächliche Kosten würde ggf. zu Verlagerungen führen, die die Zulässigkeit der typisierenden Pauschalen in Frage stellen könnten.

  • Durch den pauschalen Auslagenersatz sind daher sämtliche Kosten des Arbeitnehmers für den Ladestrom abgegolten. Ein zusätzlicher Auslagenersatz der nachgewiesenen tatsächlichen Kosten für den von einem Dritten bezogenen Ladestrom ist nicht zulässig.

  • Übersteigen die vom Arbeitnehmer in einem Kalendermonat getragenen Kosten für den von einem Dritten bezogenen Ladestrom die maßgebende Pauschale, kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer anstelle der maßgebenden Pauschale auch die anhand von Belegen nachgewiesenen tatsächlichen Kosten (einschließlich der nachgewiesenen tatsächlichen Stromkosten für das Aufladen am Wohnsitz des Arbeitnehmers) als steuerfreien Auslagenersatz nach § 3 Nr. 50 EStG erstatten.