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Wichtige steuerliche Änderungen zum Jahreswechsel 2020/2021

Wichtige steuerliche Änderungen zum Jahreswechsel 2020/2021

Wie jedes Jahr werden zum Jahreswechsel steuerliche Regelungen geändert oder sie treten erstmalig in Kraft. Als eines der wichtigsten Jahreswechselgesetze ist das Jahressteuergesetz 2020 zu nennen. Hier werden notwendige Änderungen und Anpassungen, z. B. aufgrund höchstrichterlicher Rechtsprechung vorgenommen. Aber auch andere Gesetze und BMF-Schreiben beinhalten zum Teil Änderungen zum Jahreswechsel. Wir geben Ihnen einen Überblick über die wesentlichen Änderungen.

Die Änderungen zur Einkommensteuer im Überblick:

Anhebung Grundfreibetrag 

Aufgrund der Ergebnisse des 13. Existenzminimumberichts wird der in den Tarif integrierte Grundfreibetrag in zwei Schritten von bisher 9.408 Euro auf 9.744 Euro (2020) und 9.984 Euro (2021) angehoben. Zudem wird der Einkommensteuertarif für die Jahre 2021 und 2022 aktualisiert. Darüber hinaus werden zum Ausgleich der kalten Progression die übrigen Eckwerte des Einkommensteuertarifs nach rechts verschoben. 

Änderungen beim Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG 

Bei § 7g EStG werden die maximalen Investitionsabzugsbeträge auf 50 Prozent der voraussichtlichen Investition erhöht. Darüber hinaus wird es zukünftig eine einheitliche Gewinngrenze von 150.000 Euro geben. Künftig können Investitionsabzugsbeträge auch für vermietete Wirtschaftsgüter in Anspruch genommen werden.  

Zukünftig gilt zusätzlich als Anspruchsvoraussetzung, dass das begünstigte Wirtschaftsgut zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme der Investitionsabzugsbeträge noch nicht angeschafft oder hergestellt worden ist. Hiervon betroffen sind ausschließlich nachträglich beantragte Investitionsabzugsbeträge, die nach Eintritt der Unanfechtbarkeit der erstmaligen Steuerfestsetzung, also nach Ablauf der Einspruchsfrist, in Anspruch genommen werden. 

Steuerrechtliche Berücksichtigung von Aufwendungen bei der verbilligten Wohnraumvermietung nach § 21 Abs. 2 Satz 1 EStG 

Durch die Änderung in § 21 EStG bleibt trotz unterbliebener Mieterhöhung  
oder moderater Miethöhe ein vollumfänglicher Abzug der Werbungskosten von den Mieteinnahmen möglich. 

Die Grenze in § 21 Abs. 2 Satz 1 EStG für die generelle Aufteilung der Wohnraumüberlassung in einen entgeltlich und in einen unentgeltlich vermieteten Teil wurde auf 50 Prozent der ortsüblichen Miete gemindert. Zugleich bleibt die in § 21 Abs. 2 Satz 2 EStG geregelte Vollentgeltlichkeitsgrenze, nach der die Einkünfteerzielungsabsicht von Gesetzes wegen vermutet wird und nicht überprüft werden muss, bei einem vereinbarten Mietzins von mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete in unveränderter Höhe bestehen.  

Zukünftig ist bei Vermietungen, in denen die Miete 50 Prozent oder mehr, jedoch weniger als 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt, eine Totalüberschussprognoseprüfung vorzunehmen. Fällt diese Prüfung der Totalüberschussprognose positiv aus, ist für die verbilligte Wohnraumüberlassung eine Einkünfteerzielungsabsicht zu unterstellen und der volle Werbungskostenabzug möglich. Führt die Totalüberschussprognoseprüfung hingegen zu einem negativen Ergebnis, ist von einer Einkünfteerzielungsabsicht nur für den entgeltlich vermieteten Teil auszugehen. Dies gilt erstmals für den Veranlagungszeitraum 2021. 

Anhebung Behinderten-Pauschbeträge und Pflege-Pauschbeträge 

Die Behinderten-Pauschbeträge nach § 33b Abs. 3 EStG werden ab 2021 angehoben:  

Grad der Behinderung                 Pauschbetrag 

            20                                                   384 Euro 

            30                                                   620 Euro 

            40                                                   860 Euro 

            50                                                1.140 Euro 

            60                                                1.440 Euro 

            70                                                1.780 Euro 

            80                                                2.120 Euro 

            90                                                2.460 Euro 

          100                                                2.840 Euro 

wenn hilflos oder blind                   7.400 Euro 


Anhebung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende 

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (Steuerklasse II) wird für die Jahre 2020 und 2021 von 1.908 Euro auf 4.008 Euro angehoben (§ 24b Abs. 2 Satz 3 EStG).  

Der Anhebungsbetrag von 2.100 Euro wird für 2020 mit je 1/6 auf die Monate Juli bis Dezember verteilt (= 350 Euro monatlich). Dadurch werden Rückrechnungen für die Monate 01-06/2020 vermieden. Ist ein Arbeitnehmer bis zum 30. Juni 2020 ausgeschieden und hat danach keine neue Beschäftigung aufgenommen, wirkt sich der höhere Entlastungsbetrag nur im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung aus. 

Für 2021 beträgt der Freibetrag monatlich 1/12 der Erhöhung (= 175 Euro monatlich). 

Ab 2022 entfällt die Erhöhung und damit dieser zusätzliche Freibetrag. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt dann wieder 1.908 Euro.