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Rekapitalisierung des Mittelstands: Für eine mittelstandsfreundlichere Ausgestaltung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds

Rekapitalisierung des Mittelstands: Für eine mittelstandsfreundlichere Ausgestaltung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds

Die Finanzierungsbedingungen der deutschen Wirtschaft haben sich in der Krise deutlich ver-schlechtert: Zwei von drei Unternehmen spüren negative Auswirkungen. Über 40 Prozent haben Liquiditätsengpässe, besonders ausgeprägt ist allerdings der Rekapitalisierungsbedarf: Fast jedes zweite Unternehmen meldet einen Eigenkapitalrückgang (47 Prozent) und damit als größte Herausforderung bei den Finanzierungsbedingungen. Hier könnte der am 8. Juli 2020 von der EU-Kommission genehmigte Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) Abhilfe schaffen – wenn er erst einmal seine operative Tätigkeit aufgenommen hat und zudem mit-telstandsfreundlicher ausgestaltet wird.

Die Corona-Pandemie bedeutet aus Sicht der Unternehmen einen unmittelbaren Wegfall von Umsätzen. Ohne Umsätze fehlt den Unternehmen der Geldeingang zur Deckung laufender Kosten. Die hieraus entstehenden Liquiditätsengpässe konnten und können vor allem Dank der Corona-Kredite der KfW, der Bürgschaftsbanken sowie den Sofort- bzw. Überbrückungshilfen temporär überbrückt werden. Die 4. DIHK-Blitzumfrage vom Juni 2020 zeigt, dass 77 Prozent aller befragten Unternehmen Umsatzeinbußen für 2020 erwarten. Davon geben immerhin 21 Prozent (im März: 27 Prozent) an, Umsatzeinbrüche von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu erleiden.

Die in Teilen abgearbeiteten Auftragsbücher und die immer noch rückläufigen Auftragseingänge werden zu einer weiteren Eigenkapitalabschmelze beitragen. Das schränkt zusätzlich die Investitionen in neue Technologien, Produkte und in die Erschließung neuer Märkte ein. Und das wiederum lässt drauf schließen, dass es womöglich viel länger dauern wird als ursprünglich gehofft, bis die Unternehmen wieder ihre alte Stärke zurückgewinnen. Deshalb brauchen wir Rekapitalisierungsmaßnahmen in der Breite der Wirtschaft. Hierfür ist der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der geeignete Hebel.

Im Schatten der Rettungsmaßnahmen für die Lufthansa werden derzeit die Durchführungsverordnungen, Merkblätter, FAQs u. ä. finalisiert. Bisher richtet sich der WSF im Regelfall an Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz, das sind ca. 14.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.

Wichtig ist als nächster Schritt nach Aufnahme des operativen Geschäfts daher eine mittelstandfreundlichere Ausgestaltung des WSF. Auch Betriebe in der Größenklasse von 10-50 Mio. Euro Jahresumsatz, das sind ca. 44.600 weitere Unternehmen, sind auf Eigenkapitalhilfen besonders angewiesen. Nach Auslaufen der Überbrückungshilfen Ende August sollte der WSF zudem auch den Eigenkapitalbedarf von Unternehmen mit weniger als 10 Mio. Euro Jahresumsatz finanzieren können.

Selbstverständlich spricht ein relativ hohes Volumen bei Rekapitalisierungsmaßnahmen zuallererst für eine Stärkung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) – gerade auch, um den betroffenen Unternehmen schnell Eigenkapital zuführen zu können. Wegen des erwartbaren Anstiegs bei den Fallzahlen ist allerdings bereits parallel ein Ausbau des WSF geboten.

Wegen der absehbar hohen Fallzahl ist eine Erweiterung des WSF zu einem Mittelstandsstabilisierungsfonds (MSF) angezeigt. Eine entsprechende Fondsstruktur würde direkte Beteiligungen von institutionellen Investoren (Kapitalsammelstellen) ermöglichen. Zudem sollte eine staatlich garantierte Anleihe ausgereicht werden, um weitere (auch ausländische) Investoren für die Finanzierung des MSF erreichen zu können. Darüber hinaus ermöglicht die Ausgabe standardisierter, eigenkapitalähnlicher Finanzierungsinstrumente (insbesondere Genussscheine) durch den MSF den Aufbau von Verbriefungsstrukturen. Hierüber lassen sich weitere Investoren bzw. privates Kapital für die Rekapitalisierung von mittelständischen Unternehmen ansprechen. Damit ließen sich die Finanzierungsbedingungen der deutschen Wirtschaft in der Breite verbessern.