Bericht aus Brüssel

COVID-19: Auswirkungen auf die berufliche Kompetenz- und Laufbahnberatung in der EU

Pandemie verstärkt Digitalisierung in der Berufs- und Karriereberatung

Nach einem aktuellen Bericht des Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) ist für die Mitgliedstaaten die Bedeutung der lebenslangen Berufs- und Karriereberatung in der Corona-Krise wichtiger denn je.

Die Beratung könne Beschäftigungsverschiebungen auf dem Arbeitsmarkt bei einem extremen Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie beim Bedarf an Höherqualifizierungen und Umschulungen positiv beeinflussen.

Bemerkenswert ist laut des Berichts die aufgrund der Pandemie verstärkte Digitalisierung in der Kompetenz- und Karriereberatung. Nach einem anfänglichen Schock und der Einstellung der Beratungsaktivitäten bei Ausbruch der Pandemie haben sich die Mitgliedstaaten rasch den neuen Realitäten angepasst.

Der physische Kontakt wurde eingestellt und die Beratung online, unter anderem über webbasierte interaktive Beratungs-Tools, ausgeweitet. Besonders Online-Plattformen mit allgemeinen Lern- und Beratungsangeboten, zum Beispiel zu aktuellen Trends bei der Arbeits- und Qualifikationsnachfrage, hätten sich bewährt.

Auch die IHK-Organisation stellt in der Corona-Krise digitale Informationsangebote wie zum Beispiel Azubi-Speed-Dating zur Verfügung. Hierbei haben Schulabgänger die Gelegenheit, sich per Skype in einem etwa zehnminütigen Gespräch bei Betrieben für einen Ausbildungsplatz zu empfehlen. 

Die Bereitstellung von Informationen erfolgt jedoch über eine Mehrzahl von Kanälen (per Telefon, E-Mail, Videochat oder Webinare). Dagegen sind Gruppenbesuche in Karrierezentren, Arbeitsplatzbesuche, Gruppenberatungen in Schulen oder Universitäten und die Veranstaltung von Jobmessen derzeit nicht möglich.

Allerdings kommen dem Expertenbericht zufolge benachteiligte Gruppen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind, in der Corona-Krise zu kurz. Hier zeigten sich Grenzen für ein kontinuierliches, auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittenes Beratungsangebot auf. Daher sollte laut des Berichts das Potenzial für eine maßgeschneiderte Unterstützung in der Kompetenzbildung unter Einsatz digitaler Technologien und unter Berücksichtigung der Erfahrungen in den Mitgliedstaaten einer Prüfung unterzogen werden, um eine Vertiefung von sozialen Nachteilen zu vermeiden.

Barbara Fabian