Bericht aus Brüssel

Bewältigung der Corona-Krise: EU-Kommissar Schmit fordert Stärkung der Beruflichen Bildung und Investitionen in berufliche Qualifikationen

Austausch mit dem DIHK-Bildungsausschuss

Der für Berufliche Bildung zuständige luxemburgische EU-Kommissar Nicolas Schmit hat am 10. Juni mit dem DIHK-Bildungsausschuss die großen bildungs- und beschäftigungspolitischen Herausforderungen der EU und auch Deutschlands bei der Bewältigung der Corona-Krise sowie durch die Digitalisierung der Arbeitswelt diskutiert. Dazu will der Kommissar die Ausbildungsbetriebe unterstützen und auch die Berufliche Bildung in Europa stärken.

Angesichts der Tatsache, dass 25 Prozent der Arbeitnehmer in der EU derzeit in Kurzarbeit sind und die mit über 15 Prozent (Stand: April 2020) bereits hohe Jugendarbeitslosigkeit weiter ansteige, müsse die EU starke Signale an die Menschen und Unternehmen geben, um eine langwierige Beschäftigungskrise zu verhindern, so der Kommissar. Dazu werde er Anfang Juli Vorschläge für eine Weiterentwicklung der EU-Jugendgarantie von 2013 vorlegen, die auch Prämien für Ausbildungsbetriebe vorsieht, damit sie Ausbildungsplätze anbieten beziehungsweise weiter halten.

Die Lern- und Arbeitswelt stehe vor den Herausforderungen, das digitale Lernen und den Erwerb digitaler Qualifikationen voranzubringen und dazu auch die notwendige berufliche Weiterqualifizierung und Umschulung der Arbeitskräfte zu gewährleisten. Die EU-Kommission will daher bis Mitte Juli eine neue EU-Skills Agenda und eine Empfehlung zur Zukunft der Beruflichen Bildung in Europa vorlegen, die eine Beschleunigung bei der Digitalisierung der Berufswelt und auch ökologische Nachhaltigkeit vorsehe. Dazu sollen auch die mögliche Schaffung individueller Lernkonten und der Aufbau öffentlich-rechtlicher Patenschaften geprüft werden. Um ein koordiniertes Vorgehen der Mitgliedstaaten zu erreichen, soll im November in Berlin unter deutscher Ratspräsidentschaft ein europäischer "Pact for Skills" ins Leben gerufen werden.

Der Kommissar betonte auch die Notwendigkeit einer modernen und innovativen Wirtschaft für Europa mit starken Investitionen in industrielle Schlüsselsektoren wie die Automobil- und Flugzeugbauindustrie. Hierbei wolle die Kommission starke Investitionen in die Fachkräftesicherung durch eine sektorale "Skills Alliance" fördern.

Nicolas Schmit hatte zudem am 9. Juni einen Austausch mit der Vollversammlung des europäischen Kammerdachverbandes EUROCHAMBRES zu den Themen Wirtschaft und Berufliche Bildung. Der DIHK wird die angekündigten Vorschläge der Kommission mit seiner Expertise und auch über EUROCHAMBRES konstruktiv-kritisch begleiten.

Barbara Fabian