Bericht aus Brüssel

Wasserstoff: DIHK-Vorstand verabschiedet Positionspapier

Plädoyer für technologieneutrale H2-Definition

Der Vorstand des DIHK hat am 17. Juni politische Handlungsempfehlungen für die Schaffung eines Wasserstoff-Marktes verabschiedet. In seinem Positionspapier vertritt der DIHK die Auffassung, dass der Einsatz von CO2-neutralem Wasserstoff in den Unternehmen zur Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele Deutschlands und der EU notwendig sein wird.

Zudem bietet die Wasserstoff-Technologie enorme Zukunftschancen für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer, deren führende Position auf den Weltmärkten ausgebaut werden könnte.

Damit die Betriebe Wasserstoff in Zukunft einsetzen können, plädiert der DIHK in seinem Papier für die Schaffung eines Markts, auf dem CO2-neutraler Wasserstoff als qualitativ hochwertiges, verständliches und sicher handhabbares Produkt angeboten wird.

Zentrale Voraussetzung für die Nutzung von Wasserstoff ist die preisliche Konkurrenzfähigkeit mit fossilen Alternativen. Um diese zu erreichen, bedarf es nach Ansicht des DIHK eines kosteneffizienten und nachfrageorientierten Markthochlaufs, dessen zentrale Triebfedern die explizite CO2-Bepreisung sowie eine technologieneutrale Definition von CO2-neutral erzeugtem Wasserstoff sind.

Insbesondere in der Anfangsphase kann nicht ausschließlich auf mit erneuerbarem Strom erzeugten Wasserstoff zurückgegriffen werden. Um die Herstellungskosten zu senken, empfiehlt der DIHK darüber hinaus eine Senkung der Stromnebenkosten.

Eine stetige Nachfrageentwicklung ist laut DIHK-Beschluss die beste Voraussetzung für Investitionen in Anlagen zur Produktion und zum Transport von Wasserstoff. Um die Wasserstoffnachfrage anzukurbeln, müsse auch ein Wasserstoffeinkauf über Zertifikate möglich sein. So könnten Betriebe, die noch nicht an die entsprechende Wasserstoff-Infrastruktur angeschlossen sind, bilanziell bereits klimaneutralen Wasserstoff beziehen. Maßnahmen wie Beimischungsquoten oder spezifische Zielvorgaben auf nationaler oder EU-Ebene (im Sinne einer "Grüngasquote") bewertet der DIHK hingegen kritisch.

Die Europäische Kommission plant, ihre EU-Wasserstoffstrategie am 8. Juli zu verabschieden. Der DIHK hat begleitend zum Positionspapier ein Faktenpapier veröffentlicht.

Julian Schorpp