27.07.2021

Brexit hemmt norddeutschen Außenhandel

Gut sechs Monate nach dem Austritt des Vereinigen Königreiches (UK) aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion haben einer aktuellen Erhebung zufolge viele norddeutsche Unternehmen ihr Großbritannien-Geschäft zurückgefahren oder sogar eingestellt.

Im Juni hatte die Arbeitsgemeinschaft der regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK Nord) ihre Mitgliedsunternehmen gefragt, wie sie ihre Handelsbeziehungen über den Ärmelkanal mit Blick auf das vergangene halbe Jahr bewerten und welche zukünftige Entwicklung sie erwarten.

Insgesamt 248 Unternehmen mit UK-Engagement aus Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein beteiligten sich. Aus ihren Antworten geht hervor, dass trotz der Post-Brexit-Regeln des Handels- und Kooperationsabkommens TCA bereits 37 Prozent der Befragten ihre Geschäfte mit Großbritannien seit dem 1. Januar 2021 heruntergefahren oder vorübergehend eingestellt haben. 58 Prozent spüren keine Auswirkungen, 3 Prozent haben die Beziehungen ausgebaut.

Eine Verbesserung scheint zumindest kurzfristig nicht in Sicht: 46 Prozent der Befragten erwarten auch für die kommenden zwölf Monate keine Erholung ihres UK-Geschäfts, 45 Prozent gehen von gleichbleibenden Verhältnissen aus, und lediglich 5 Prozent zeigen sich optimistisch. Weitere 4 Prozent konnten keine Einschätzung abgeben.

Den Handel mit Großbritannien belasten der Erhebung zufolge aktuell vor allem die neu hinzugekommenen Zollformalitäten sowie die gestiegenen Frachtraten – und dass, obwohl das Zollregime des Vereinigten Königreiches erst zum 1. Januar 2022 vollständig umgesetzt werden soll. Jedes dritte teilnehmende Unternehmen im Norden gibt zudem an, nicht von den im "Brexit-Deal" vereinbarten Vorteilen zu profitieren. Die in dem Abkommen vereinbarten Zollpräferenzen für Ursprungswaren nutzen immerhin rund 30 Prozent.

Diese und weitere Ergebnisse der Umfrage "6 Monate Brexit-Abkommen – Folgen für die norddeutsche Außenwirtschaft" finden Sie zum kostenlosen Download auf der Website von IHK Nord.