Presse/Publikation
IHK zu Essen fordert beschleunigte Sanierung der Schienenanbindung des Essener Hafens
Die aktuelle Sperrung der einzigen Schienenanbindung des Essener Hafens gefährdet die Logistik zahlreicher Unternehmen.
Die Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK) fordert deshalb von der DB InfraGO AG, die sanierungsbedürftige Eisenbahnbrücke an der Strecke 2253 über die Emscher mit höchster Priorität instand zu setzen und den Hafen schnellstmöglich wieder an das Schienennetz anzubinden.
Nach derzeitigen Informationen weist die Fachwerkbrücke erhebliche Korrosionsschäden an tragenden Bauteilen auf. Sie ist deshalb für sämtliche Schienengüterverkehre gesperrt. Als vorläufiges Ende der Sperrung wird offensichtlich Mitte November 2026 angestrebt.
Die IHK hat sich wegen der erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen an den Vorstand der DB InfraGO AG gewandt. Sie zeigt Verständnis dafür, dass die Sicherheit des Eisenbahnbetriebs Vorrang haben muss. Gerade deshalb müssen Planung, Vergabe und Bau nun mit höchster Priorität erfolgen. „Aus einer notwendigen Sofortmaßnahme darf keine längerfristige Abkopplung eines bedeutenden Hafen- und Industriestandorts werden“, erklärt Benedict Kerbstadt, stellv. Hauptgeschäftsführer.
Die IHK fordert deshalb von der DB InfraGo AG
- eine sofortige Priorisierung des Projektes,
- einen verbindlichen und beschleunigten Maßnahmenplan mit belastbaren Meilensteinen,
- eine verlässliche Aussage zur Wiederinbetriebnahme, spätestens Mitte November 2026,
- die Prüfung sicherheitsverträglicher Zwischenlösungen und logistischer Alternativen sowie
- eine technische Bewertung weiterer Bauwerke entlang der Strecke und eine transparente Information der betroffenen Unternehmen.
Die Strecke zwischen Essen-Vogelheim und Oberhausen-Osterfeld ist die einzige schienenseitige Anbindung des Essener Hafens an das überregionale Güterverkehrsnetz. Eine alternative Schienenroute steht nicht zur Verfügung. Die gesperrte Brücke ist damit ein systemkritischer Engpass für den gesamten Hafen- und Industriestandort.
Der Hafen ist als trimodaler Logistikstandort auf das Zusammenspiel von Wasserstraße, Schiene und Straße angewiesen. Fällt die Schiene aus, sind insbesondere Transporte von Massengütern, Stahl, Aluminium, Chemie- und Mineralölprodukten sowie schweren Industriegütern betroffen. Eine Verlagerung auf den Lkw ist aus Sicht der IHK keine tragfähige Ersatzlösung und widerspricht dem häufig politisch geforderten Zielbild, Güterverkehre auf Schiene und Wasserstraße verlagern zu wollen. Das Straßennetz im Hafenumfeld ist bereits durch Einschränkungen auf der A42, die Ablastung der Brücke über den Rhein-Herne-Kanal und zusätzliche Umleitungsverkehre stark belastet. Weitere Lkw-Verkehre führen zu höheren Transportkosten, längeren Laufzeiten, zusätzlichem Verschleiß der Infrastruktur sowie mehr Stau, Lärm und Emissionen.
Bei den betroffenen Unternehmen entstehen bereits zusätzliche Transport- und Umschlagkosten, höhere Dispositionsaufwände und Risiken für die Termintreue. Hinzu kommen mögliche Vertragsfolgen, steigende Lagerkosten und im ungünstigsten Fall Versorgungsengpässe oder Produktionsunterbrechungen. Besonders betroffen sind Betriebe, die im Vertrauen auf eine dauerhaft verlässliche Schienenanbindung erhebliche Investitionen am Standort vorgenommen haben. „Wer den Hafen stärken will, muss seine trimodale Erreichbarkeit sichern. Die aktuelle Sperrung ist der konkrete Prüfstein dafür, aus politischen Bekenntnissen verlässliches Handeln werden zu lassen“, so Kerbstadt.
Erst beim Essener Hafentag Ende Mai hatten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung die Bedeutung des Hafens für den Industriestandort hervorgehoben. Die IHK erwartet nun, dass diesem gemeinsamen Bekenntnis auch ein entschlossenes Handeln folgt.
Zusätzlichen Anlass zur Sorge geben der IHK Hinweise auf den Instandsetzungsbedarf weiterer Bauwerke entlang der Strecke. Sie fordert deshalb eine kurzfristige technische Bewertung der gesamten für den Hafen relevanten Schienenverbindung sowie eine koordinierte Instandhaltungsstrategie. „Die Wiederherstellung der Schienenanbindung ist keine gewöhnliche Instandsetzung. Sie entscheidet über die Funktionsfähigkeit eines gesamten Hafen- und Industriestandorts. Die regionale Wirtschaft braucht jetzt Verlässlichkeit, einen verbindlichen Zeitplan und eine schnellstmögliche Wiederinbetriebnahme", betont Kerbstadt.
Stand: 10. August 2026.
