Landtagswahl 2026

starkes Bildungssystem

Welche zentralen Reformen plant Ihre Partei, um unser Schulsystem strukturell und inhaltlich zukunftsfähig zu machen? Wie sollen Unterrichtsstrukturen und Lehrpläne modernisiert werden, damit Schulen besser auf digitale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen reagieren können?

AfD

Das Bildungssystem wirkt äußerlich intakt, erfüllt jedoch seine zentrale Aufgabe – Bildung – nur noch unzureichend. Schüler verfügen nicht mehr über grundlegende Kompetenzen, das Abitur verliert an Aussagekraft, und das Handwerk findet immer weniger qualifizierte Auszubildende. Die Krise ist nicht primär infrastrukturell oder finanziell, sondern inhaltlich und durch eine verfestigte pädagogische Fehlentwicklung geprägt. Das Problem ist eine um sich greifende Leistungsmüdigkeit und eine Form der Kuschelpädagogik, die nicht mehr zu Anstrengungen motiviert und die Leistungsbereiten entmutigt. Ideologische Bildungsziele verdrängen Fachwissen und Leistungsprinzipien. Hinzu kommt, dass die Schule systematisch mit nicht-schulischen Aufgaben überfordert wird. Eine echte Wende erfordert eine Bildungspolitik mit Fokus auf Inhalte, Leistung, Fleiß und Disziplin – nicht nur Symptombekämpfung wie beim Lehrermangel. Die AfD setzt der ungebildeten Bildungspolitik der Altparteien eine gebildete Bildungspolitik entgegen, die sich zur guten pädagogischen Tradition bekennt und die Schule von allen nicht-schulischen Aufgaben befreit. Weder soziale und psychologische Betreuung noch Integration und Inklusion dürfen in den Mittelpunkt schulischer Kernaufgaben rücken, sondern die Schule muss sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren: die Vermittlung von Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) sowie grundlegender Bildungsgüter.

Bündnis 90/Die Grünen

Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem gestärkt wird. Dafür sind auch strukturelle Änderungen dringend notwendig. Internationale Studien wie die PISA-Studie zeigen, dass die in Deutschland vorherrschende Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft kein Naturgesetz ist. Im internationalen Vergleich wird auf längeres gemeinsames Lernen gesetzt, anstatt wie bei uns auf möglichst frühe Aufteilung auf unterschiedliche Schulformen.
Konkret fordern wir zur Stärkung der Chancengerechtigkeit im Schulsystem:
• Längeres gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse in der Grundschule
• Zweigliedriges weiterführendes Schulsystem bestehend aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Sekundarschulen schaffen wir ab
• Kleine Schulen im Schulnetz zu erhalten
• Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt durch ein Landesprogramm zu verstetigen und perspektivisch an allen Schulen im Land zu etablieren
• Inklusive Bildung in Sachsen-Anhalt zu stärken und gemeinsames Lernen in den Vordergrund stellen. Als ersten Schritt wollen wir dafür die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen abschaffen. Danach sollen so viele wie möglich Förderschulen in Regelschulen aufgehen
• Ganztagsangebote an allen Schulformen flächendeckend und qualitativ auszubauen und sie pädagogisch sinnvoll an den Schulalltag anpassen, Angebote von Volkshochschulen, Musikschulen, Sportvereinen und Ehrenamt sollen sinnvoll in den Ganztag integriert werden, damit der Zugang zu kultureller Bildung, sportlicher Bewegung und ehrenamtlicher Tätigkeit nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt
• Mehr Möglichkeiten schaffen, zum Abitur nach 13 anstatt 12 Schuljahren zurückzukehren. Durch die Wiedereinführung von G9 erhalten Schüler*innen mehr Zeit für individuelles Lernen, Persönlichkeitsentwicklung und Engagement im sozialen und kulturellen Bereich
• Schulbau- und Sanierungsoffensive für Sachsen-Anhalt

BSW

Das BSW will Schulen stärker auf die Anforderungen von Wirtschaft, Digitalisierung und Gesellschaft ausrichten. Dafür sollen Berufs- und Studienorientierung verbindlich in den Schulprogrammen verankert und die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Unternehmen, Kammern und Hochschulen deutlich ausgebaut werden. Praxisnahe Lehrerfortbildungen, Coaching-Formate sowie digitale Informationsangebote sollen Schülerinnen und Schüler frühzeitig auf Ausbildung, Studium und Beruf vorbereiten. Die Verstetigung der Schulsozialarbeit halten wir dabei für wichtig.
Gleichzeitig sehen wir Handlungsbedarf bei Digitalisierung, Informatikbildung, Ganztagsangeboten und den Betreuungsbedingungen. Sachsen-Anhalt weist Defizite bei der ITAusbildung, bei vorzeitig gelösten Ausbildungsverträgen sowie bei der Integration auf. Auch der Anteil an Ganztagsangeboten im Sekundarbereich I liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Wir setzen weiterhin auf eine Schulpflicht und schulische Inklusion. Gleichzeitig halten wir mehr Eigenverantwortung der Schulen bei Ressourcen und Bildungsinhalten für sinnvoll, damit Schulen flexibler auf regionale Herausforderungen reagieren können.
Das BSW ist deshalb für längeres gemeinsames Lernen bis zur 8. Klasse. Regelungen, wonach Kinder nicht die wohnortnahe Schule besuchen dürfen, sondern eine entfernte Schule, weil sie in ihrem Landkreis liegt, sind aufzuheben.
Schulen mit eigenverantwortlichen Finanzmitteln so ausstatten, dass Projekte, kurzfristige Maßnahmen und der betriebliche Ablauf der Schule gewährleistet sind.

CDU

Die CDU Sachsen-Anhalt verfolgt mit der Einführung der neuen Oberschule das Ziel, das Bildungssystem strukturell zukunftsfähig auszurichten. Die neue Schulform führt die bisherigen Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zusammen und entwickelt sie weiter. Beide Schulformen vergeben bereits heute dieselben Abschlüsse der Sekundarstufe I. Künftig sollen ihre jeweiligen Stärken gezielt berücksichtigt und gebündelt werden. Damit schaffen wir für Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Schulträger eine verlässliche und transparente Orientierung. Die neue Oberschule ermöglicht sowohl inhaltliche als auch organisatorische Differenzierungen. Die Berufsorientierung wird konsequent an die Anforderungen der Arbeitswelt ausgerichtet. Praxisnahe Lernangebote, informatische Grundbildung und ökonomisches Verständnis sind dabei ebenso zentral wie die Förderung von Basiskompetenzen, sozialem Verhalten und Selbstorganisation. Auf diese Weise schärfen wir das Profil der Schulform und entwickeln die bisherige Sekundar- und Gemeinschaftsschule zu einer Schule der Praxis weiter.
Die CDU Sachsen-Anhalt setzt sich dafür ein, die Verantwortung für Bildung in einer Hand zu bündeln. Bildung endet nicht mit dem Schulabschluss, sondern begleitet Menschen ein Leben lang. Daher verfolgen wir einen ganzheitlichen Bildungsansatz und werden die Zuständigkeiten von der frühkindlichen Bildung über Schule, Ausbildung und Studium bis hin zur Wissenschaft in einem gemeinsamen Ressort zusammenführen. Dadurch schaffen wir klare Strukturen, stärken die Kohärenz der Bildungsbiografien und ermöglichen eine abgestimmte, durchgängige Bildungsstrategie.
Um Unterrichtsstrukturen und Lehrpläne so zu modernisieren, dass Schulen flexibel auf digitale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen reagieren können, wollen wir die bestehenden Lehrpläne aller Schulformen systematisch entschlacken und neu ausrichten. Inhalte mit geringer Praxis- und Zukunftsrelevanz sollen reduziert werden, während moderne Schlüsselkompetenzen deutlich gestärkt werden. Dazu zählen insbesondere Wirtschaft,
Berufsorientierung, Digitalisierung, sowie grundlegende Alltagskompetenzen.
Der Unterricht soll sich stärker an der realen Berufs- und Lebenswelt orientieren und Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Anforderungen einer sich wandelnden Arbeits- und Gesellschaftsstruktur vorbereiten. Durch klare, verbindliche und zeitgemäße Rahmenvorgaben schaffen wir ein leistungsfähiges und anschlussfähiges Bildungsangebot in Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass die bundesweite Anerkennung der Abschlüsse uneingeschränkt erhalten bleibt.

FDP

Für die FDP steht die Modernisierung unseres Bildungssystems im Zentrum der Aufgaben für Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren. Nur, wenn sich die alamierenden Trends der jüngsten Bildungsstudien umkehren lassen können wir den Wohlstand in unserem Land langfristig und generationenübergreifen sicherstellen. Unser Fokus liegt hierbei auf der Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen. Bildung wollen wir nicht aus Sicht eines Verwaltungsapparats, sondern entlang des Bildungserfolgs jedes einzelnen denken. Lehrer, Eltern, Schulleitungen und alle Bildungspartner vor Ort sind bereits jetzt motiviert, unseren Kindern die beste Zukunft zu ermöglichen. Zu oft blockieren sich die verschiedenen Ebenen unseres Bildungssystems aber gegenseitig. Deshalb schlagen wir vor, die Aufgaben zwischen Land, Schulamt, Schulträger und Schule neu zu verteilen. Mit einem System der einheitlichen Schülerkostensätze wollen wir die Finanzierung der Schule dauerhaft auf selbstverwaltete Budgets, orientiert an den tatsächlichen Kosten von Schülerinnen und Schülern, umstellen. Schulen entscheiden künftig selber über den Einsatz der Mittel für Personal, Organisation und Projekte. Statt auf kleinteilige Förderprogramme angewiesen zu sein kann so vor Ort schnell und flexibel auf die Bedarfe des jeweiligen Schulstandorts eingegangen werden. Das Landesschulamt wollen wir für diese Aufgabe entsprechend zu einer Service- und Beratungsagentur umbauen. Dem Land obliegt weiterhin die Rolle der Schulaufsicht durch evidenzbasiertes, datengestütztes Monitoring.
Neben der Schulstruktur wollen wir die Schulen inhaltlich dazu befähigen, mündige, selbstwirksame Bürger zu erziehen, die den Herausforderungen der modernen Welt selbstbestimmt entgegentreten können. Pauschale Verbote und das Schüren von Ängsten vor der Zukunft werden keinen Schüler digital souveräner machen. Wir wollen deshalb den Umgang mit KI, Medienkompetenz und Desinformation früh in die Lehrpläne integrieren. Und: Bildung muss auf das Leben lang gedacht werden. Alle Bildungsbereiche wollen wir deshalb in einem Ministerium bündeln.

Die Linke

Ein zukunftsfähiges Schulsystem braucht längeres gemeinsames Lernen, mehr individuelle Förderung statt Sitzenbleiben und Förderschulverweisungen und Lehrpläne, die digitale Kompetenzen, kritisches Denken und praktische Anwendung gleichwertig neben Fachwissen verankern. MINT-Bildung beginnt für uns in der Kita, nicht als Pflichtprogramm, sondern als spielerische Förderung der Neugier die Kinder unabhängig von sozialer Herkunft erreicht. Durch einen freiwilligen Übergang sollen flächendeckend Erweiterte Gemeinschaftsschulen als gleichwertige Schulform neben den Gymnasien entstehen, in denen in einer Fachoberstufe (Klassen 11 und 12) die Fachhochschulreife erworben werden kann.

SPD

Zuvorderst darf Bildungserfolg nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind aufwächst. Gleiche Chancen sind für uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Kern unseres politischen Handelns. Wir wollen daher eine Initiative der Kultusministerkonferenz um Lehrpläne und Prüfungsstandards so anzupassen, dass Abschlüsse vergleichbar und die föderalen Strukturen unseres Landes nicht zur Bildungsfalle werden.
Ziel ist eine Schulstruktur, die alle Schulabschlüsse überall und für alle zugänglich macht. Mittelfristig streben wir ein System mit zwei weiterführenden Schulformen an: Gymnasium und Gemeinschaftsschule.
Für den Lernerfolg unserer Kinder und Jugendlichen setzen wir auf multiprofessionelle Teams: Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, (förder-)pädagogische Fachkräfte sowie Fachkräfte für Verwaltung und digitale Ausstattung. Bei einem Wegfall der EU-Mittel wird ab 01.08.2028 Schulsozialarbeit mit ihren Netzwerkstrukturen dauerhaft über Landesmittel finanziert.
Ein langfristiges Bildungsmonitoring zur Erhebung vergleichbarer Daten wird eingeführt. Wir wollen die Unterrichtsqualität und die Leistungsdaten unserer Schülerinnen und Schüler regelmäßig beginnend mit der Grundschule ermitteln und vergleichen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in gezielte Unterstützungsangebote für Schulen ein. Verwaltungsstrukturen werden gebündelt und konzentriert.
Digitalisierung unterstützt Lernen und Organisation, ersetzt aber keine pädagogische Beziehung. Digitale Lernmittel, Medienbildung und barrierefreie Systeme werden weiter ausgebaut. Medienbildung erhält in allen Fächern einen festen Stellenwert. Digitale Werkzeuge sollen Lehrkräfte entlasten, individuelle Förderung ermöglichen und Bildungsbiografien besser begleiten. Datenschutz, pädagogische Qualität und Zugänglichkeit bleiben Maßstab.
Demokratie ist keine „Erwachsenensache“; ihr Wert muss schon früh vermittelt werden. Die schulische Mitbestimmung, Gedenkstättenarbeit und politische Bildung wollen wir daher stärken.