Landtagswahl 2026

leistungsfähiger Arbeitsmarkt

Welche konkreten Maßnahmen plant Ihre Partei zur Sicherung und Gewinnung von in- und ausländischen Fachkräften, die gezielt die Bedarfe der Wirtschaft Sachsen-Anhalts berücksichtigen?

AfD

Die Sicherung des Fachkräftebedarfs in Sachsen-Anhalt erfordert nach unserer Auffassung zunächst die konsequente Ausschöpfung der im eigenen Land vorhandenen Potenziale. Vorrangig müssen deshalb junge Menschen im Land gehalten, berufliche Ausbildung gestärkt, Erwerbslose qualifiziert sowie erfahrene Fachkräfte (auf eigenen Wunsch auch nach der Altersrente) länger im Arbeitsleben gehalten werden. Ziel ist es, insbesondere dem Mittelstand, dem Handwerk, der Industrie, dem Gesundheitswesen sowie technischen und ingenieurwissenschaftlichen Berufen verlässlich qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine deutliche Aufwertung der beruflichen Bildung. Geplant sind unter anderem eine intensivere Berufsorientierung an Schulen, die stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen und regionalen Unternehmen, ein freiwilliges Handwerksjahr sowie gezielte Anreize für Ausbildungsberufe mit besonderem Fachkräftemangel. Ergänzend sollen Meisterausbildung und berufliche Aufstiegsfortbildungen stärker unterstützt werden. Vorgesehen sind hierfür unter anderem eine kostenfreie Meisterausbildung, Meisterprämien sowie Förderprogramme zur Unternehmensnachfolge im Handwerk und Mittelstand. Darüber hinaus soll die Abwanderung junger Fachkräfte aus Sachsen-Anhalt durch bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen begrenzt werden. Hierzu zählen insbesondere wettbewerbsfähige Energiepreise, der Abbau bürokratischer Belastungen, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie die Stärkung ländlicher Räume als attraktive Arbeits- und Lebensstandorte. Die Anwerbung kulturfremder Fachkräfte zur Lösung von Engpässen auf dem Arbeitsmarkt führt zu unerwünschten Folgeproblemen. Sie sprechen häufig kein ausreichendes Deutsch. Ihre Ausbildung entspricht oftmals nicht den deutschen Standards. In Branchen wie dem Gesundheits- und Pflegesektor wird dadurch das Wohl der Patienten gefährdet. Der Fall des saudi-arabischen Psychiaters Taleb A, der Weihnachten 2024 mit einem Auto in den Magdeburger Weihnachtsmarkt raste, zeigt aufs Neue, dass Fachkräfte aus fremden Kulturkreisen zu einem Risiko für die Innere Sicherheit werden können. Diese sicherheitspolitischen Folgeprobleme lassen sich weder durch Integrationskurse, noch durch sogenannte „Integrationslotsen“ lösen. Letztlich tragen kulturfremde Fachkräfte sogar zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels bei. Grundlegend lässt sich das Problem des Fachkräftemangels nur durch eine Geburtenwende und das Ende des deutschen „Brain Drain“ lösen. Abschließend sei erwähnt, dass aus ethischer Sicht der Versuch der Altparteien, Fachkräftemärkte in Entwicklungs- und Schwellenländern abzugrasen, nicht vertretbar ist. Schließlich fehlen die in diesen Ländern rar gesäten Fachkräfte nach ihrer Abwerbung vor Ort.

Bündnis 90/Die Grünen

Wir setzen auf bessere Berufs- und Studienorientierung, starke Ausbildung, Weiterbildung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Gleichzeitig wollen wir die Anerkennung ausländischer Abschlüsse deutlich beschleunigen und eine echte Willkommens- und Ankommenskultur etablieren. Sprachförderung, schnelle Verfahren und gute Integrationsangebote sind entscheidend, um Fachkräfte langfristig im Land zu halten.

BSW

Das BSW setzt auf eine stärkere Fachkräftesicherung im Inland sowie auf eine gezielte Gewinnung qualifizierter internationaler Fachkräfte. Dazu gehören eine stärkere berufliche Bildung, die Sicherung dualer Ausbildungsstrukturen sowie bessere Rahmenbedingungen für Weiterbildung und berufsbegleitende Qualifizierung. Gleichzeitig müssen Unternehmen bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte stärker unterstützt werden.
Wichtig sind aus unserer Sicht schnellere und transparentere Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse sowie digitalisierte und zentralisierte Verwaltungsprozesse. Langwierige Visa- und Anerkennungsverfahren stellen für viele Unternehmen weiterhin ein erhebliches Problem dar. Angebote wie das beschleunigte Fachkräfteverfahren oder Projekte zur internationalen Fachkräftegewinnung sollten deshalb stärker unterstützt und ausgebaut werden.

CDU

Die CDU Sachsen-Anhalt will Fachkräfte vor allem durch eine enge Verzahnung von Schule, Ausbildung, Weiterbildung und Wirtschaft sichern. Dazu gehören frühere und bessere Berufsorientierung, Praxislerntage, finanziell geförderte Praktika, mehr Kooperationen zwischen Schulen, Unternehmen und Kammern sowie eine klare Aufwertung der beruflichen Bildung, der Meisterausbildung und des Handwerks. Ziel ist, junge Menschen schneller und passgenauer in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen und die Bedarfe der Betriebe stärker zum Maßstab zu machen.
Für bereits Beschäftigte wollen wir Quereinstiege, berufliches Auf- und Umsteigen sowie Weiterbildung erleichtern, insbesondere mit Blick auf Digitalisierung, KI und Industrie 4.0. Gleichzeitig hat die Unternehmensnachfolge hohe Priorität, damit Betriebe nicht wegen fehlender Nachfolger schließen und Arbeitsplätze verloren gehen.
Internationale Fachkräftegewinnung ist für uns ausdrücklich Teil der Lösung. Wir wollen qualifizierte Zuwanderung unbürokratischer, klar geregelt und arbeitsmarktorientiert ermöglichen und aktiv mit den Standortvorteilen Sachsen-Anhalts werben. Entscheidend ist, dass Zuwanderung in Arbeit, Ausbildung und Integration führt und gezielt dort ansetzt, wo Unternehmen, Handwerk, Gesundheitswesen und Industrie Fachkräfte brauchen.

FDP

Im Inland wollen wir die berufliche Bildung stärken, die duale Ausbildung attraktiver machen und die Berufsorientierung früher und verbindlicher ausgestalten. Schulen, Berufsschulen und Betriebe müssen enger zusammenarbeiten, damit junge Menschen die Chancen in Handwerk, Industrie, Mittelstand und Dienstleistungssektor besser kennenlernen und der Übergang in Ausbildung und Beruf gelingt.
Ergänzend braucht Sachsen-Anhalt eine moderne Fachkräfteeinwanderung. Die FDP unterscheidet dabei klar zwischen Asyl und Arbeitsmigration. Das Asylrecht dient dem Schutz Verfolgter; die Einwanderung in den Arbeitsmarkt muss sich an Qualifikation, Beschäftigungsperspektive und eigenständiger Lebensunterhaltssicherung orientieren. Wer gebraucht wird, arbeiten will und für sich selbst sorgen kann, soll schnell, rechtssicher und unbürokratisch in Beschäftigung kommen.
Dafür wollen wir Visa-, Anerkennungs- und Aufenthaltsverfahren beschleunigen, digitalisieren und Zuständigkeiten bündeln. Ausländische Abschlüsse sollen pragmatischer anerkannt, Nachqualifizierungen möglichst beschäftigungsbegleitend ermöglicht und Zugänge auch für beruflich qualifizierte Fachkräfte erleichtert werden. So schaffen wir Ordnung in der Migration, mehr Offenheit für Fachkräfte und spürbare Entlastung für die Unternehmen in Sachsen-Anhalt.

Die Linke

Den Fachkräftemangel lösen wir durch drei parallele Hebel: Sachsen-Anhalt muss attraktiver Arbeits- und Lebensort werden, vorhandene Potenziale im Inland sollen dabei konsequenter erschlossen und Zuwanderung fair, schnell und vor allem menschlich würdevoll gestaltet werden. Gleichzeitig brauchen wir ein eigenständiges Landeskonzept zur Zuwanderung mit zentralen Anlaufschnellen, beschleunigten Anerkennungsverfahren und aktiver Willkommenskultur sowie einen qualifizierten und Bedarfsgerecht ausgestatteten Personalkörper um Verfahren schnell, effizient und fair zu bearbeiten. Denn bürokratische Hürden und fehlende Integration kosten und qualifizierte Menschen.

SPD

Die drei Fragen zum Arbeitsmarkt werden von der SPD zusammen beantwortet.
Um regional passgenaue Angebote der Beschäftigungs- und Qualifizierungspolitik vorzuhalten, setzen wir weiter auf eine regionalisierte Arbeitsmarktpolitik und den Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds.
Bei der Einstellung von Mitarbeitern insbesondere aus dem Nicht-EU-Ausland stehen Unternehmen immer noch vor zu großen Hürden. Wir wollen daher die Abläufe von der Anwerbung bis zur Arbeitsaufnahme deutlich bürokratieärmer ausgestalten. Wir werden das Welcome Center zu einer Agentur zur Gewinnung und Integration für ausländische Fachkräfte weiterentwickeln. Interkulturelle Kompetenzen in Verwaltung, Bildungseinrichtungen und Betrieben werden gestärkt. Die Ausländerbehörden sollen neben der rechtssicheren Umsetzung des Aufenthaltsrechts vermehrt Beratungsfunktionen wahrnehmen. Frühzeitig verfügbare Sprachlernangebote werden mit zusätzlichen landeseigenen Programmen ermöglicht. Da Arbeit ein wichtiger Schlüssel zur Integration ist, lehnen wir Arbeitsverbote für Asylbewerber ab.
Qualifizierte Fachkräfte, deren bisherige Tätigkeiten durch Strukturwandelprozesse gefährdet sind, wollen wir durch Investitionen in Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen unterstützen und im Land halten. Weiterbildung gewinnt angesichts von Digitalisierung, technologischem Wandel und neuen Arbeitsformen weiter an Bedeutung. Die Förderung individueller und betrieblicher Weiterbildung wird fortgesetzt. Den Weiterbildungsagenturen sowie der Landesinitiative „Fachkraft im Fokus“ kommt dabei eine zentrale Rolle zu; ihre Arbeit wird verstetigt.
Zu viele potentiell für den allgemeinen Arbeitsmarkt geeignete Menschen arbeiten zudem in Behindertenwerkstätten. Übergänge auf den ersten Arbeitsmarkt sollen daher rechtlich und organisatorisch erleichtert und assistiert werden.
Alle der genannten Maßnahmen sollen spätestens bis zum Ende der 9. Legislatur umgesetzt sein.