Wir Unternehmen erfolgreich

Zukunft gießen

Sein Lebensweg folgt keinem festen Plan. Stattdessen setzt Johannes Feibig auf Neugier, Zufall und die Lust am Ausprobieren. Nach Jahren im Ausland kehrte er in seine Heimat Sachsen-Anhalt zurück. Hier führt er heute ein Traditionsunternehmen: die Walzengießerei & Hartgusswerk Quedlinburg GmbH.
Eigentlich wollte Johannes Feibig nur weg. Raus aus Quedlinburg, hinaus in die Welt. Als Schüler verbrachte er ein Austauschjahr in Kana da, studierte später in Paris, machte einen Master im Fach European Business, arbeitete in Berlin und Luxemburg. Dass er eines Tages die Walzengießerei & Hartgusswerk Quedlinburg GmbH führen würde, stand nicht auf seinem Plan. »Der rote Faden ist, das es keinen roten Faden gibt«, sagt der 39-Jährige. »Ich halte nichts von großen Zielen. Stattdessen mag ich die Idee, zu schau en, welche Möglichkeiten sich ergeben. Der Weg entsteht beim Gehen.«
Als ihn sein Großvater, Hauptgesellschafter des Unternehmens, fragt, ob er sich einen Einstieg in die Walzengießerei vorstellen kann, lehnt Feibig zunächst ab. Dann sagt er doch zu. 2014 be ginnt er im Vertrieb, drei Jahre später steigt er in die Geschäftsführung ein und stellt sich da mit einer Herausforderung. Schließlich gilt es, ein Traditionsunternehmen, dessen Wurzeln bis 1865 zurückreichen, in die Zukunft zu führen.
Der 39-Jährige sieht das Unternehmen heute trotz schwieriger Umstände auf sicheren Füßen. »In der Schwerindustrie sind Planungsunsicher heit und Zukunftssorgen aktuell das vorherrschende Gefühl. Auch wir müssen uns Problemen wie dem Fachkräftemangel und dem Energie wandel stellen, aber Angst habe ich nicht. Wir sind in der glücklichen Lage, in einer Nische zu arbeiten – und in der sind wir wirklich gut«, sagt Johannes Feibig.
Die Eisengießerei stellt einbaufertige, hochpräzise und extrem verschleißbeständige Walzen für verschiedene Industriezweige her. »Was uns aus zeichnet, sind das Know-how um den Werkstoff, das tiefgreifende Prozesswissen und das Upcyc ling«, fasst Feibig zusammen. Hauptrohstoff für die Produktion ist Schrott, der eingeschmolzen wird. In den Öfen wird der Eisenguss mit einer Legierung versetzt – ein Geheimrezept.
Im Auftrag gefertigte Walzen, Walzenringe und Kolben aus Quedlinburg sind weltweit in mehr als 150 Industrieunternehmen im Einsatz. Die Partner schätzen nicht nur die Qualität, sondern auch die Betreuung. Deshalb reist das Verkaufsteam regelmäßig zu Kunden in aller Welt, kennt die Produktionsprozesse und Herausfor derungen vor Ort.
Was ihn antreibt? »Freiheit, das Streben nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung«, sagt er. Die Verantwortung für 100 Mitarbeitende habe ihm zwar frühzeitig erste graue Haare beschert, ihm aber auch gezeigt, wie man Krisen bewältigt. »Erfolg ist, dass das Unternehmen fortbesteht, liquide bleibt. Nichts anderes zählt.«