Wir Unternehmen.

Jetzt oder nie

Olaf Prüßner war 21 Jahre alt, als er sein Unternehmen gründete — mit einer Kaufmannslehre und dem Zuspruch des Großvaters im Rücken. Heute, 35 Jahre später, hat der einstige Ein-Mann-Betrieb 70 Mitarbeitende, und Tochter Annik schaukelt längst nicht mehr in Papas Büro. Sie führt sein Lebenswerk, die Prüßner GmbH, fort.
Als sich Olaf Prüßner kurz nach der Wende selbstständig machte, gab es kein Geländer, an dem er sich festhalten konnte. Es gab nur den Rat des Großvaters und den eigenen Mut, diesem zu folgen. »Olaf, jetzt oder nie!«, hatte der Opa gesagt, dessen früherer Eisenwarenhandel in Bad Suderode zur Initialzündung für den Enkel wurde. Olaf Prüßner schaute sich bei einem westdeutschen Händler an, wie das Geschäft funktioniert, und gründete am 1. Mai 1991 sein eigenes Unternehmen. Der Start verlangte ihm viel ab: Tagsüber öffnete er das Ladengeschäft, besuchte Betriebe, nahm Wünsche auf, abends fuhr er viele Kilometer gen Westen, um die Ware zu holen. Gefragt waren vor allem Elektrowerkzeuge.
Noch heute sind diese Bestandteil des Portfolios der Prüßner GmbH, die ihren Sitz in Aschersleben hat. »Wir beliefern Industrie-, Handwerks- und Gewerbebetriebe in ganz Deutschland mit Werkzeugen, Maschinen, Betriebseinrichtung, Arbeitsschutz- und Hygieneprodukten«, umreißt Markus Krull das Geschäftsfeld. Seit 2023 steht er Olaf Prüßner als zweiter Geschäftsführer zur Seite. »Nach gut drei Jahrzehnten, in denen ich für das Unternehmen gelebt habe, stand ich an einem Punkt, an dem ich mich leer fühlte. Ich holte junge, talentierte Menschen ins Boot, um mich zu entlasten und Freiräume zu schaffen«, sagt Olaf Prüßner.
Dass er wenig später zusätzlich aus ganz anderer Richtung Unterstützung bekommen würde, war nicht abzusehen: Tochter Annik ist seit Anfang 2026 ebenfalls Teil der Geschäftsführung. »Ich hatte das nicht vor«, sagt die 24-Jährige. »Ich habe Bauingenieurwesen studiert und wollte eigene Wege gehen.« Doch die Frage, was aus dem Unternehmen des Vaters in Zukunft werden würde, beschäftigte sie immer stärker – bis sie sich entschloss, sein Lebenswerk weiterzuführen. »Die Firma trägt unseren Namen. Sie ist Familie. Ich habe als Kind hier Geburtstag gefeiert und hatte eine Hängematte in Papas Büro.« Heute knüpft sie als IHK-Wirtschaftsjuniorin Kontakte zur nächsten Unternehmergeneration.
Den Vater rührt die Entscheidung seiner Tochter zutiefst – und sie löst einen Motivationsschub aus: »Gerade macht es mehr Spaß als je zuvor. Und wenn Annik mir eines Tages das Signal gibt, dass sie mich hier nicht mehr braucht, werde ich mich glücklich und zufrieden zurücknehmen.« Bis dahin gibt er seiner Tochter Wissen und Erfahrung mit, aber vor allem jene Werte, auf denen der Erfolg gründet. »Beständigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen. Daran glaube ich zu 100 Prozent«, sagt Olaf Prüßner