Wir Unternehmen.
Zuversicht macht Schule
Der Schritt aus der sicheren Anstellung in die Selbstständigkeit war für Mechthild Bleuel eine Entscheidung für mehr Gestaltungsspielraum. In Stendal hat sie eine Sprachschule aufgebaut. »Hier werden aus Zuwanderern Nachbarn«, sagt sie. »Und Sprache öffnet Türen in die Unternehmen der Region.«
Mechthild Bleuel, Inhaberin der inlingua Sprachschule Stendal
Mechthild Bleuel will Menschen voranbringen. Das gelingt – davon ist sie überzeugt – am besten durch Bildung. Knapp 20 Jahre arbeitete sie in der Erwachsenenbildung in Fulda, dann zog sie 2015 der Liebe wegen nach Stendal in Sachsen Anhalt – und musste selbst erstmal lernen, wie die Region tickt. »Ein Türöffner waren für mich die Wirtschaftsjunioren der IHK. Ich habe junge Unternehmerinnen und Führungskräfte kennen gelernt und schnell Kontakte geknüpft. Das hat mir das Ankommen leichter gemacht«, sagt sie. In Stendal fühlt sie sich inzwischen heimisch: »Wenn du dich einbringst, etwas gestalten willst, erkennen die Menschen das an. Als Macherin erfährst du hier Akzeptanz.«
Das Wort »Macherin« trifft ihr Naturell gut. Als Mechthild Bleuel nach Stendal zog und kurz da rauf begann, eine Zweigstelle des Sprachschul Netzwerks inlingua aufzubauen, hatte sie ein konkretes Ziel vor Augen: »Ich wollte die Altmark internationalisieren, also die Leute in den Unternehmen durch Sprachkurse fit für den internationalen Austausch machen.« Doch statt Business-Englisch waren und sind vor allem Integrationskurse für Zuwanderer gefragt. »Am Tag nach der Eröffnung standen drei Syrer in der Tür, die Deutsch lernen wollten. Zuerst brachten sie ihre Freunde, dann ihre Eltern mit.« Das Projekt wuchs Mechthild Bleuel, Inhaberin der extrem schnell, die Sprachschule wurde zum festen Bildungsort in der Region. »Heute sitzen pro Woche bis zu 450 Schüler in unseren Kursen, ich beschäftige 30 Mitarbeitende und habe das Schulgebäude gekauft«, fasst Mechthild Bleuel die rasante Dynamik zusammen.
Dass ihr das gelungen ist, liegt nicht zuletzt daran, dass sie sich etwas zutraut. »Egal, in welche Richtung sich die Rahmenbedingungen verändern, wir verändern uns mit. Es wird immer einen Bedarf für Bildung und Weiterbildung geben«, ist die 48-Jährige überzeugt. Pandemie, Krieg in der Ukraine, wechselnde Integrationsbedarfe – immer wieder passte sie Angebote an, eröffnete neue Kurse, reagierte auf gesellschaftliche Entwicklungen. Ihre Zuversicht als Unternehmerin schöpft sie aus dem Vertrauen in die se Anpassungsfähigkeit.
Das gilt auch beim Blick auf die Künstliche Intelligenz. »Die KI verändert die Sprachvermittlung, ist aber keine Bedrohung.« KI könne unterstützen und ergänzen, doch das soziale Lernen ersetze sie nicht. »Wir haben die Chance, unseren Unterricht zum Erlebnis zu machen. Ich habe eine riesige Ideenschublade. Für mich gibt es nichts Schöneres, als zu sehen, wie Sprache die Tür ins Leben öffnet – auch ins Arbeitsleben.« inlingua Sprachschule Stendal
Autorin: Dana Toschner