Wir Unternehmen.

Einfach machen

Sichere Karriere im öffentlichen Dienst – oder doch der Sprung ins Unternehmertum? Martina Findling hat sich für den mutigeren Weg entschieden. Heute entwickelt sie
mit ihrem Team bei Inflotec in Wolmirstedt Technologien, um stark verschmutztes Wasser zu reinigen. Was sie antreibt, ist der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.
Anerkennung, Geld, Sicherheit – Martina Findling hatte in ihrem Job im öffentlichen Dienst eigentlich alles, was man sich wünschen kann. Aber eben nur eigentlich. »Mir fehlte etwas. Ich wollte mitdenken, erleben, dass mein Tun wirklich von Bedeutung ist, einen Sinn hat«, sagt sie. Mit Abschlüssen in Erziehungs- und Sportwissenschaften, Psychologie und Betriebswirtschaft standen ihr viele Wege offen. Doch der, der sie letztlich an den Ort führte, an dem sie heute voller Leidenschaft arbeitet, war nicht vorauszusehen.
Sie folgte ihrem Bauchgefühl, als sie Martin Drewes kennenlernte, einen ehemaligen Bundeswehrsoldaten mit einer ungewöhnlichen Idee. Er hatte ein Wasserrad entwickelt, das Energie aus fließendem Wasser gewann. Die Effizienz ließ zu wünschen übrig. Dafür brachte ihn eine Folge der »Sendung mit der Maus« auf eine andere Spur: Aus dem Wasserrad wurde eine mobile Anlage zur Wasseraufbereitung. »Martins Idee hatte Potenzial. Doch um etwas marktreif zu machen, braucht es auch betriebswirtschaftliches Wissen. Wir waren von Anfang an ein starkes Team«, sagt Martina Findling.
2016 begannen die beiden an der Vision zu arbeiten – zunächst neben ihren festen Jobs. Sie entwickelten das Konzept weiter, knüpften Netzwerke zu wissenschaftlichen Einrichtungen, beteiligten sich an Forschungsprojekten und suchten Fördermöglichkeiten. »Wir hatten mehr schlechte als gute Phasen«, sagt sie rückblickend. »Aber wir zweifelten nie. Als Gründer musst du mutig sein und an deiner Idee dranbleiben. Du gehst Risiken ein, versinkst in Arbeit und stehst nach Niederlagen wieder auf.«
2020 setzten sie alles auf eine Karte und gründeten ihr Startup Inflotec. Ihre innovative und nachhaltige Technologie, die auf beschichteten Keramikfiltern basiert, kann Wasser aufbereiten, das andere nicht sauber kriegen: Sickerwasser von Deponien, Industrieabwässer voller Öle, Fette, Pestizide oder Medikamentenrückstände.
Heute hat die Inflotec GmbH 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Ingenieure, Biologen und Techniker. Gemeinsam tüfteln sie an Lösungen für Industrie und Umwelt und wurden für ihr Tun mehrfach ausgezeichnet. »Das, woran ich glaube, in die Welt tragen zu können, ist mein Motor«, sagt Martina Findling. Als Mutter von vier Kindern weiß sie: Nicht alles ist planbar. »Unser Unternehmensprinzip ist Machen. Nicht zu lange nachdenken. Aus Angst vor Fehlern gar nichts zu tun, bringt dich nicht weiter.«
Autorin: Dana Toschner