Wir Unternehmen.
Herz über Kopf
Auf der Stadtinsel von Havelberg hat Kerstin Maslow einen Ort geschaffen, der ihren Träumen entsprungen ist: das »Bilderbuchcafé«. Beim Schritt in die Selbstständigkeit folgten sie und ihr Mann einfach ihren Herzen, ihrer Begeisterung. »Die Glückshormone ließen keine Zweifel zu«, sagt sie.
Kerstin Maslow, Inhaberin des Bilderbuchcafés in Havelberg
Lange bevor Kerstin Maslow ihr eigenes Café eröffnete, wusste sie, welchen Namen es tragen würde: das »Bilderbuchcafé«. Das heißt nicht etwa so, weil man hier neben Kaffee auch Bilderbücher kaufen kann, sondern »weil es ein Ort wie aus dem Bilderbuch ist«, erklärt sie.
Auch dessen Entstehungsgeschichte könnte Stoff für ein solches sein. Nach der Schule, Mitte der 1990er-Jahre, ließ sich Kerstin Maslow zur Restaurantfachfrau ausbilden, später studierte sie Hotelbetriebswirtschaft in Hamburg. Dort jobbte sie in einer Coffeeshop-Kette und entdeckte ihr Herz für die moderne Kaffeekultur. Ein richtungsweisender Moment, denn jene Kette übertrug ihr bald mehr Verantwortung. Sie wechselte nach Berlin, kletterte die Karriereleiter hoch und war schließlich als Gebietsleiterin für mehrere Filialen zuständig. »Ich habe viel gelernt, aber der Job war mit enormem Druck verbunden. Irgendwann zog ich die Reißleine und ging zurück in das Restaurant, in dem ich gelernt hatte«, erzählt sie.
Als in ihrer Heimatstadt Havelberg das einstige Eiscafé schloss, rückte ihr »Bilderbuchcafé« in greifbare Nähe. »Wir nahmen einen Kredit auf und eröffneten im November 2011. Über Zahlen und Zweifel haben wir uns nicht den Kopf zerbrochen. Wenn du so ein Vorhaben umsetzen willst, musst du an deine Idee glauben.« Ihr Mann Thomas Friedrich ist der Inhaber, sie das Gesicht des Cafés.
Heute, 15 Jahre später, ist das »Bilderbuchcafé« für viele Menschen aus der Region ein Glücksort. Die Gäste loben neben den Kaffeespezialitäten vor allem das Frühstück, das hausgemachte Eis und die kunstvollen Eistorten, die daraus
entstehen.
entstehen.
Das Unternehmertum freilich ist nicht immer ein Genuss. »Der Spruch, dass man selbst und ständig ist, stimmt. Es ist ein permanentes Rechnen, Abwägen und Entscheiden«, beschreibt die 48-Jährige. »Reicht der Umsatz für Löhne, Krankenkasse, laufende Kosten? Gerade in einer Zeit, in der die Gastronomie zu kämpfen hat, ist das anstrengend.« Um Phasen mit weniger Umsatz abzufedern, hat das Paar 2019 direkt über dem Café eine Pension eröffnet und 2025 nebenan den »BBC Späti« mit regionalen Produkten und App-Zugang.
»Ich habe noch immer jeden Tag Lust, hierher zu kommen«, sagt Kerstin Maslow. Antrieb und Motivation sind die Gäste, die ihr ein Dankeschön zurufen und das siebenköpfige Team, auf das sie sich verlassen kann. »Wenn man dann noch einen Preis wie den Altmärkischen Wirtschaftspreis verliehen bekommt, macht das stolz. Es ist wie ein Schulterklopfen, das mir neue Energie gibt.«