Warum das Bilderbuchcafé Havelberg den Wirtschaftspreis Altmark verdient hat

Unternehmergeist und Göttersegen

Havelberg. Kaffee, Kuchen, gute Laune. Das Bilderbuchcafé, kurz BBC, ist mit seinem Angebot und seiner Premiumlage im Herzen Havelbergs ein Aushängeschild für die Hansestadt. Das Unternehmen wurde mit dem Wirtschaftspreis Altmark 2025 geehrt. Am Donnerstag überzeugten sich Carla Reckling-Kurz, Geschäftsführerin des Altmärkischen Regionalmarketing und Tourismusverbandes (ART) und Hendrik Stiller, Geschäftsführer der IHK aus Salzwedel, davon, dass es die richtige Entscheidung war.

„Obwohl Havelberg bekanntlich nicht zur Altmark gehört, sind wir als Region fest verbunden“, sagte Stiller. Reckling-Kurz lobte den unternehmerischen Mut und Erfolg des insgesamt zehnköpfigen Teams. Chefin Kerstin Maslow plauderte fröhlich aus dem Nähkästchen, erläuterte das Geschäftskonzept und ließ die Firmengeschichte Revue passieren. Die begann 2011 mit der Übernahme der traditionsreichen Geschäftsräume am Markt. Diese wurden zunächst von Grund an umgekrempelt und in ein modernes, gemütliches Café verwandelt.
Der Name lag dabei auf der Hand: „Wir möchten unserem Gast ein Erlebnis bescheren, wie aus dem Bilderbuch eben“, so die Chefin. Bilder spielen auch bei der Innengestaltung eine wichtige Rolle. In regelmäßigem Wechsel erhalten regionale Künstler die Gelegenheit, die Wände mit ihren Werken zu gestalten. Wie aus dem Bilderbuch ist auch das kulinarische Profil. Streusel-, Käse-, Altbierkuchen… Rund zwei Dutzend selbstgebackene Kuchen und Torten gehören abwechselnd zum Angebot. Bei „Mamas Käsekuchen“ rührt Kerstin Maslows Mama Ursula noch immer selbst den Teig. Es gibt auch Herzhaftes und natürlich verschiedene Kaffee-Spezialitäten.
„Was wir machen, machen wir gut und richtig“, sagt die Firmenchefin. Dass sie das macht, was sie macht, war ihr allerdings nicht vorgezeichnet. Eigentlich wollte sie Architektin werden. Das klappte aber nicht, da in ihrem Schulabschluss-Jahr Studien- und Ausbildungsplätze rar waren. Sie habe sich auf alles Mögliche beworben und sei eher zufällig durch Freunde in der Gastronomie gelandet. Nach der Ausbildung auf dem Restaurantschiff „Störtebecker“ in Tangermünde und Studium in Hamburg, arbeite sie in der Branche zunächst in der großen Hansestadt. Als sich der bisherige Betreiber des Cafés am Markt zur Ruhe setzen wollte, griff sie zu und kehrte in die Heimat zurück.
Allen Unkenrufen, dass sie damit nie auf einen grünen Zweig komme zum Trotz, laufe das Geschäft heute gut. Und es ist nicht beim Café geblieben. In der „Pension Markt 7“ laden seit 2019, nur eine Tür weiter, zwei schicke Doppelzimmer und drei Appartements Touristen und andere Gäste ein. Mit dem BBC-Späti startete im vergangenen Jahr ein für die Region völlig neues Verkaufskonzept. Der kleine Laden mit Sachen, die man zwischendurch mal braucht, funktioniert ohne Mitarbeiter. Kunden loggen sich an der Eingangstür ein, scannen die Ware selbst und bezahlen digital. Die Idee komme nicht nur bei jungen Leuten gut an. Sie habe auch eine Kundin 90+, die das Angebot gern nutzt, freut sich Kerstin Maslow.
„Da haben wir ja mit der Auszeichnung eine Punktlandung hingelegt“, sieht sich der IHK-Geschäftsführer bestätigt. Denn die Würdigung soll Lohn und Ansporn für regionale Geschäftsleute sein. Bei der Preisverleihung im November war die Ausgezeichnete allerdings nicht dabei. „Ich war in Japan, meinen Bruder besuchen, der dort lebt“, berichtet sie. In jedem Schrein, an dem sie dort vorbei kam, habe sie eine kleine Spende hinterlassen und dafür gebetet, dass es klappt. Offensichtlich mit Erfolg.
Autor: Christian Wohlt