Entwicklungsbanken
Nachhaltige Beschaffung: Kriterien
Finanzierung und Beschaffung durch Entwicklungsbanken
Internationale Entwicklungsbanken wie die Weltbank oder die KfW Entwicklungsbank investieren jährlich Milliardenbeträge in Projekte, die von Partnerinstitutionen in den Empfängerländern umgesetzt werden. Diese nationalen Stellen sind für den Einkauf von Waren, Dienstleistungen und Bauleistungen verantwortlich und müssen dabei die von den Banken vorgegebenen Beschaffungsregeln sowie Umwelt- und Sozialstandards einhalten.
Wandel hin zu qualitativen und nachhaltigen Vergabekriterien
Während früher der Preis das ausschlaggebende Kriterium bei Ausschreibungen war, werden seit über einem Jahrzehnt zunehmend Qualitäts- und Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Ziel ist es, Angebote nicht nur nach Kosten, sondern auch nach ihrem Beitrag zu ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Zielen zu bewerten.
Die Weltbank definiert nachhaltige Beschaffung als eine Beschaffungspraxis, die den gesamten Lebenszyklus eines Produkts betrachtet und dabei ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis erzielt, das gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen bringt.
Chancen und Herausforderungen für deutsche Unternehmen
Für deutsche Firmen ergeben sich durch diese Entwicklung neue Marktchancen, da sie häufig über hohe Nachhaltigkeitsstandards, technische Kompetenz und Erfahrung in der Lebenszykluskostenbetrachtung verfügen. Zudem fördern Entwicklungsbanken die frühe Einbindung von Unternehmen in Markterkundungen, was Möglichkeiten eröffnet, innovative und klimafreundliche Lösungen zu präsentieren.
Herausforderungen bestehen jedoch, wenn lokale Wertschöpfung bevorzugt wird oder komplexe Regularien kleine und mittelständische Unternehmen überfordern. Eine gute Dokumentation von Umwelt- und Sozialleistungen – etwa durch CO₂-Bilanzen, Zertifikate oder Angaben zur Energieeffizienz – ist daher entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Parallelen zum europäischen Vergaberecht
Die Anforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit ähneln zunehmend den europäischen und deutschen Regelungen zur nachhaltigen Beschaffung, die ebenfalls Umwelt- und Sozialkriterien stärker in den Fokus rücken.
Gemeinsame Ziele, unterschiedliche Regelwerke
Die großen multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs) haben 2023 ein gemeinsames Statement zur nachhaltigen Beschaffung veröffentlicht. Sie verfolgen das Ziel, ökologische, soziale, wirtschaftliche und institutionelle Nachhaltigkeit in den Partnerländern zu stärken und Innovationen zu fördern.
Trotz gemeinsamer Grundprinzipien hat jede Bank eigene Richtlinien und Standards. Die Weltbank etwa regelt im Environmental and Social Framework Themen wie Arbeitsrechte, Geschlechtergerechtigkeit, Umweltauflagen und Sicherheit.
Integration von Nachhaltigkeit im gesamten Projektzyklus
Nachhaltigkeitsaspekte werden heute systematisch in alle Phasen der Projektplanung und -umsetzung eingebunden – von der Konzeptentwicklung bis zum Vertragsabschluss. Dabei unterscheiden die Banken zwischen verpflichtenden Mindestkriterien und qualitativen Auswahlmerkmalen.
Instrumente wie Lebenszykluskostenanalysen, Nachhaltigkeitschecks oder Value-Engineering-Ansätze unterstützen die Berücksichtigung nachhaltiger Lösungen.
Beispielhaft hat die KfW Entwicklungsbank hierfür eine Toolbox für nachhaltige Beschaffung entwickelt; auch Weltbank, Asiatische und Afrikanische Entwicklungsbank bieten eigene Leitfäden an.
In dem GTAI-Artikel Weltbank und Co. setzen auf Nachhaltigkeit in der Vergabe finden Sie weiterführende Informationen, u.a. zu Nachhaltigkeitsstellschrauben im Vergabeprozess.