IHK-Konjunkturumfrage Jahreswechsel 2017/2018
Konjunktur im IHK-Bezirk Limburg
Heimische Wirtschaft zum Jahresanfang in sehr guter Verfassung
1. Februar 2018 - Der heimischen Wirtschaft geht es zum Jahresbeginn 2018 ausgezeichnet. Die Unternehmen im IHK-Bezirk Limburg schätzen ihre momentane Geschäftslage zusammengefasst sehr gut ein und blicken optimistisch in die Zukunft. Das zeigt die Umfrage der Industrie- und Handelskammer Limburg (IHK) zur wirtschaftlichen Lage zum Jahreswechsel 2017/2018. Der Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen abbildet, erreicht derzeit 132 Punkte.
Die Konjunktur in der heimischen Region steht aktuell unter Volldampf. Nach 125 Punkten zum Jahresbeginn 2017 und einem leichten Rückgang im Herbst des Vorjahres auf 124 Punkte, steigt der Konjunkturklimaindex auf einen neuen Höchstwert. Auch der Hessentrend zeigt wieder nach oben und erreicht derzeit 130 Punkte. Die Umfrage für den IHK-Bezirk Limburg bestätigt zudem die sehr gute Ausgangslage Deutschlands insgesamt für 2018. Die Prognosen gehen im Durchschnitt von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent aus, so wie im Vorjahr. War in den vergangenen Jahren der Konsum die treibende Kraft gewesen, kam es 2017 durch das verbesserte weltwirtschaftliche Umfeld zusätzlich zu verstärkten außenwirtschaftlichen Impulsen.
Für 2018 sieht die IHK-Organisation eine breite Basis für einen weiteren Aufschwung in Deutschland. „Den Rückenwind der gegenwärtig guten Konjunktur sollte eine neue, hoffentlich bald handlungsfähige Bundesregierung nutzen, um strukturell gute Grundlagen für die Wirtschaft von morgen zu schaffen“, ist die Erwartung von IHK-Präsident Ulrich Heep. „Nur so kann Deutschland auch in Zukunft als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig bleiben. Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, einen größeren Freiraum für Unternehmen sowie mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Zu einem guten Wirtschaftspaket gehören auch Entlastungen für die Unternehmen, in keinem Fall jedoch Steuererhöhungen“, so Heep.
In den Branchen der heimischen Wirtschaft hat sich der Konjunkturwert durchweg verbessert: Bei den Industrieunternehmen ist er gegenüber der letzten Umfrage im Herbst 2017 um 13 Punkte auf sehr gute 139 Punkte gestiegen. Im Bereich der Dienstleister gab es eine Verbesserung um acht Punkte auf sehr gute 132 Punkte. Auch der Konjunkturwert des heimischen Einzelhandels ist gegenüber der letzten Umfrage um drei Punkte gestiegen und erreicht nun gute 114 Punkte.
Diese Entwicklung wirkt sich positiv auf die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der heimischen Unternehmen aus. Zugleich wird die Verfügbarkeit von Fachkräften immer stärker zu einem problematischen Faktor für die Geschäftsentwicklung.
Gegenwärtige und zukünftige Lage aller Unternehmen
Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage wird von mehr als der Hälfte (54 Prozent) aller Unternehmen als gut befunden und von 43 Prozent als befriedigend. Nur drei Prozent der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als schlecht. Das ist eine insgesamt außergewöhnlich gute Beurteilung. Die zukünftigen Geschäftserwartungen schätzen die heimischen Unternehmen gegenüber 2017 insgesamt optimistisch ein: 26 Prozent rechnen in 2018 mit einer Verbesserung, zehn Prozent befürchten eine ungünstigere Entwicklung. Der größte Teil der Unternehmen (64 Prozent) erwartet eine gleichbleibende Entwicklung.
Produzierendes Gewerbe
In der Industrie ist der Klimaindex von 126 Punkten zum Herbst 2017 auf jetzt 139 Punkte deutlich gestiegen. Ihre gegenwärtige Lage bezeichnen aktuell 64 Prozent der Industrieunternehmen als gut, nur zwei Prozent als schlecht, 34 Prozent sind zufrieden. Damit zeigt sich für den Industriebereich eine weiterhin besonders gute Entwicklung. Dazu beigetragen hat trotz stärkerem Euro auch die gute konjunkturelle Entwicklung auf wichtigen Absatzmärkten im Ausland.
Die Auftragseingänge aus dem Inland und Ausland sind in den letzten vier Monaten deutlich gestiegen: per Saldo bei den Aufträgen aus dem Ausland um 17 Prozent und aus dem Inland sogar um 29 Prozent. Aufgrund der besser laufenden Weltwirtschaft nahmen deutschlandweit in 2017 die Ausfuhren in EU- Länder wie auch in Drittländer zu. Besonders bei den heimischen Industriegüterproduzenten stiegen die Auftragseingänge aus dem Ausland in den letzten vier Monaten noch einmal kräftig, per Saldo um 36 Prozent. Im Inlandsgeschäft hatten vor allem die Vorleistungsgüterproduzenten hohe Zuwächse bei den Auftragseingängen mit einem Anstieg von 39 Prozent. In der gesamten Industrie wird für 2018 mit einem weiteren Exportwachstum gerechnet.
Mit Blick auf die zukünftige Geschäftslage erwarten 23 Prozent der Unternehmen der Branche insgesamt eine weitere Verbesserung in 2018, vier Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung in diesem Jahr, der Rest (74 Prozent) geht von einer stabilen Entwicklung auf hohem Niveau aus.
Der Klimaindex im heimischen Baugewerbe erreicht zum Jahresanfang einen Spitzenwert mit sehr guten 140 Punkten, nach 131 Punkten im Herbst 2017. Dem Ausbaugewerbe (Installationen, Fußböden, Fensterbau, Dämmung etc.) geht es gut, dem Bauhauptgewerbe (Industriebau, Tiefbau, Straßenbau etc.) ausgezeichnet. Die gegenwärtige Lage wird von 77 Prozent aller Bauunternehmen als gut bezeichnet, 23 Prozent sind insgesamt zufrieden, keinem geht es schlecht.
Der Klimaindex im heimischen Baugewerbe erreicht zum Jahresanfang einen Spitzenwert mit sehr guten 140 Punkten, nach 131 Punkten im Herbst 2017. Dem Ausbaugewerbe (Installationen, Fußböden, Fensterbau, Dämmung etc.) geht es gut, dem Bauhauptgewerbe (Industriebau, Tiefbau, Straßenbau etc.) ausgezeichnet. Die gegenwärtige Lage wird von 77 Prozent aller Bauunternehmen als gut bezeichnet, 23 Prozent sind insgesamt zufrieden, keinem geht es schlecht.
Bezüglich der weiteren Entwicklung in 2018 wird im Baugewerbe insgesamt mit einer stabilen Entwicklung gerechnet. Dabei stößt der weiterhin große Bedarf vor allem im Straßenbau auf gut ausgelastete Kapazitäten. Die Reichweite im Auftragsbestand hat sich hier bei den Bauunternehmen jedenfalls weiter erhöht. Es liegt für die Jahreszeit eine ungewöhnlich gute Auftragslage vor.
Handel
Die Stimmung im heimischen Einzelhandel ist gut. Der Klimaindex erreicht mit 114 Punkten einen für die Branche hohen Wert und hat sich damit gegenüber dem vergangenen Herbst (111 Punkte) leicht verbessert. 38 Prozent der befragten Einzelhändler bezeichnen ihre gegenwärtige Lage als gut, nur drei Prozent als schlecht, 59 Prozent sind zufrieden. Die Umsätze sind in den letzten vier Monaten per Saldo um 18 Prozent gestiegen. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung erwarten die Konsumenten aufgrund eines stabilen Arbeitsmarktes steigende Einkommen und sind in bester Kauflaune. Die gescheiterten Jamaika-Sondierungen und die langwierige Sondierung zur Regierungsbildung hätten die Konsumstimmung bisher nicht negativ beeinflusst.
Die heimischen Einzelhändler sind beim Blick auf das weitere Jahr 2018 jedoch eher verhalten. Elf Prozent erwarten für die kommenden zwölf Monate zwar eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 14 Prozent jedoch eine Verschlechterung. Drei Viertel der Einzelhändler (75 Prozent) rechnen mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung. Zu Beginn des Jahres 2017 waren die Einzelhändler ähnlich vorsichtig gestimmt.
Sehr viel positiver sind, wie bereits in den vorherigen Umfragen, die Rückmeldungen aus dem Großhandel. Der Klimaindex steigt gegenüber dem vergangenen Herbst von 131 auf nun sehr gute 138 Punkte. Die gegenwärtige Lage wird von 58 Prozent der Großhändler und Handelsvermittler als gut und von 38 Prozent als befriedigend bezeichnet. Nur vier Prozent urteilen „schlecht“. Die Umsatzentwicklung der letzten vier Monate verlief per Saldo sehr erfreulich: 39 Prozent der Großhändler konnten steigende Umsätze verzeichnen, nur elf Prozent fallende Umsätze. Bei der Hälfte der Großhändler waren die Umsätze konstant.
Bezüglich der zukünftigen Geschäftsentwicklung ist man im Großhandel insgesamt optimistisch. 38 Prozent der Unternehmen erwarten für die kommenden zwölf Monate eine günstigere Geschäftsentwicklung, nur 10 Prozent eine Abschwächung. 52 Prozent der Großhändler rechnen mit einer eher gleichbleibenden Entwicklung.
Dienstleister
Die Stimmung im Dienstleistungsgewerbe ist insgesamt sehr gut. Der Wert des Klimaindexes hat sich auf aktuell 132 Punkte verbessert, nach 124 Punkten im vergangenen Herbst und 125 Punkten zum Beginn des letzten Jahres. Die aktuelle Geschäftslage wird von 49 Prozent der Unternehmen als gut bewertet und nur von drei Prozent als schlecht; der Rest (48 Prozent) ist zufrieden.
Im Blick auf die Geschäftserwartungen überwiegt der Optimismus: 32 Prozent der Dienstleister gehen von einer günstigen Entwicklung für das Jahr 2018 aus, 13 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren. Der Rest erwartet eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung.
Zu den Dienstleistern gehören unter anderem die folgenden drei Branchen:
Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern hat sich der Klimaindex gegenüber dem vergangenen Herbst auf sehr gute 139 Punkte noch leicht verbessert. Den Unternehmen aus den Bereichen Information und Kommunikation, Immobilienwirtschaft, Public-Relations, Werbung und Marktforschung sowie Unternehmensberatung geht es aktuell besonders gut: 53 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, 47 Prozent sind zufrieden, niemand bewertet die Geschäftslage als schlecht. Für das Jahr 2018 sind die Erwartungen ebenfalls überwiegend optimistisch – noch stärker als zu Beginn 2017.
Im Gastgewerbe hat sich der Klimaindex seit vergangenem Herbst auf sehr gute 130 Punkte verbessert. 42 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 50 Prozent als zufriedenstellend, acht Prozent sind unzufrieden. Die Auslastung ist zuletzt per Saldo gestiegen. Bezüglich der Zukunftsaussichten ist man im Beherbergungsgewerbe und in der Gastronomie optimistisch.
Im Verkehrsbereich ist die Lage gut. Der Klimaindex erreicht 121 Punkte und liegt zum Jahresanfang besser als im vergangenen Herbst. 53 Prozent der Unternehmen des Transportgewerbes bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 40 Prozent als zufriedenstellend und sieben Prozent sind unzufrieden. Für 2018 wird mit einer stabilen Entwicklung gerechnet.
Investitions- und Personalpläne
Aus der Geschäftslage und den erwarteten Rahmenbedingungen leiten sich die Investitions- und Personalpläne für 2018 ab.
Bei den Investitionsplanungen sind die Unternehmen insgesamt expansiver ausgerichtet als Anfang 2017: 26 Prozent wollen in 2018 mehr, 16 Prozent weniger, 58 Prozent etwa gleich viel investieren. Mehr aufwenden wollen per Saldo vor allem folgende Branchen: Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten, Baugewerbe, Großhandel, Gastgewerbe, Kredit- und Versicherungsgewerbe. Ihre Investitionen konstant halten wollen Vorleistungsgüter und Investitionsgüterproduzenten, Einzelhandel, Verkehrsgewerbe und unternehmensbezogene Dienstleister.
Dominierendes Motiv für Investitionen ist für 60 Prozent der Unternehmen der Ersatzbedarf, gefolgt von Kapazitätserweiterung (29 Prozent) und Produktinnovation (27 Prozent). Außerdem planen die Unternehmen Investitionen in die Rationalisierung (24 Prozent) und aus Umweltschutzgründen (zehn Prozent).
Dominierendes Motiv für Investitionen ist für 60 Prozent der Unternehmen der Ersatzbedarf, gefolgt von Kapazitätserweiterung (29 Prozent) und Produktinnovation (27 Prozent). Außerdem planen die Unternehmen Investitionen in die Rationalisierung (24 Prozent) und aus Umweltschutzgründen (zehn Prozent).
Bei den Personalplänen sehen die heimischen Unternehmen für das Jahr 2018 ähnlich wie im Vorjahr per Saldo zusätzlichen Bedarf: 21 Prozent wollen Personal aufstocken, elf Prozent abbauen, 68 Prozent wollen ihren Personalbestand in etwa gleich halten. Mehr Personal benötigt wird per Saldo in der Industrie vor allem bei den Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten. Auch der Großhandel benötigt deutlich mehr Personal. Ein leichter Personalaufbau ist auch im Bau und im Verkehrsbereich vorgesehen. Die übrigen Branchen wollen ihren Personalbestand eher halten.
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung
Das größte Geschäftsrisiko aus Sicht der heimischen Unternehmen ist inzwischen der Fachkräftemangel. Immer stärker rückt bei den Umfragen der letzten Jahre und insbesondere seit Anfang 2017 dieses Risiko in den Vordergrund. Im langjährigen Durchschnitt nannten 36 Prozent den Fachkräftemangel als Risiko. Im Frühjahr 2017 sahen 45 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftsentwicklung durch den Fachkräftemangel beeinträchtigt, im Herbst 2017 55 Prozent und zum Jahresanfang 2018 aktuell sogar 61 Prozent.
Als zweitgrößtes Risiko beunruhigt die Unternehmen die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen (39 Prozent), wozu sicherlich auch der lange Findungsprozess für eine neue Bundesregierung beiträgt. Die Sorge um die Entwicklung der Inlandsnachfrage wird von 33 Prozent der Unternehmen genannt. Die heimische Wirtschaft ist von ihr am direktesten abhängig. Diese Sorge ist gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (40 Prozent) aber aufgrund gut ausgelasteter Kapazitäten etwas zurückgetreten. Außerdem beunruhigt die Unternehmen die weitere Entwicklung der Arbeitskosten (27 Prozent) und die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise (25 Prozent). Etwas weniger häufig werden von Unternehmen als Risiken die Finanzierung, die Auslandsnachfrage und der Wechselkurs genannt.
Resümee
Für den IHK-Bezirk Limburg zeigt sich zum Jahresanfang 2018 eine sehr erfreuliche konjunkturelle Lage. Der IHK-Konjunkturklimaindex erreicht einen Spitzenwert. Die aktuelle Geschäftslage wurde in den letzten zehn Jahren noch nie so positiv bewertet und die Unternehmen blicken auch dem weiteren Jahresverlauf insgesamt mit Optimismus entgegen. Insgesamt dürfte auch die heimische Wirtschaft in 2018 weiter wachsen.
Für die Konjunkturumfrage werden dreimal im Jahr rund 250 Antworten von Mitgliedsunternehmen der IHK Limburg aus den verschiedenen Branchen ausgewertet. Der Konjunkturklimaindex setzt sich zusammen aus der Beurteilung der aktuellen und der zukünftigen Geschäftslage. Bei einem Wert unter 100 kann man von einer negativen Gesamtstimmung sprechen, ab 100 Punkten von einer befriedigenden Beurteilung, ab 120 Punkten von einer guten, ab 130 Punkten von einer sehr guten Beurteilung.