IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2018

Für die heimische Wirtschaft läuft es weiterhin gut

25. Mai 2018 - Die besonders gute Entwicklung der heimischen Wirtschaft hält auch im Frühjahr 2018 weiter an. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im IHK-Bezirk Limburg insgesamt hervorragend beurteilt. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate schätzen die Betriebe weiter optimistisch ein. Sie wollen mehr investieren und nach wie vor Beschäftigte einstellen, allerdings setzt ihnen der Fachkräftemangel Grenzen. Das sind die Ergebnisse der Umfrage zur wirtschaftlichen Lage im Frühjahr 2018 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg.
Die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Limburg-Weilburg hält nach einem starken Jahresbeginn ihr hohes Niveau. Der Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen bündelt, legt um einen Punkt zu und erreicht nun 133 Punkte. Dies spiegelt die gegenwärtig gute Konjunkturlage in ganz Deutschland.
Die derzeitige wirtschaftliche Lage wird von mehr als der Hälfte (53 Prozent) aller heimischen Unternehmen als gut befunden und von 42 Prozent als befriedigend. Nur fünf Prozent der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als schlecht. Das ist wie zu Jahresanfang eine insgesamt außergewöhnlich gute Beurteilung.
Die zukünftige Geschäftsentwicklung schätzen die heimischen Unternehmen insgesamt weiterhin optimistisch ein: 26 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, sechs Prozent befürchten eine ungünstigere Entwicklung. Der größte Teil der Unternehmen (68 Prozent) erwartet eine auf hohem Niveau gleichbleibende Entwicklung.
„Der Konjunkturmotor läuft in der heimischen Wirtschaftsregion weiter rund. Die Vorzeichen für die weitere Entwicklung sind grundsätzlich gut, auch wenn sich außenwirtschaftlich einiges ins Negative wendet. Die Unternehmen investieren und wollen weiter Beschäftigung aufbauen“, bewertet IHK-Präsident Ulrich Heep die wirtschaftliche Lage. „Gerade jetzt ist es wichtig“, so Heep, „diesen Schwung zu nutzen und die Bedingungen für unternehmerisches Engagement in Deutschland zu verbessern. Dazu gehören weniger Bürokratie, flächendeckender Breitbandausbau und ein investitionsfreundlicheres Steuersystem“.

Konjunkturklimaindex für den IHK-Bezirk Limburg

Produzierendes Gewerbe
In der Industrie hat der Klimaindex nach 139 Punkten zum Jahresanfang 2018 zwar einen kleinen Dämpfer bekommen, erreicht aber aktuell im Frühjahr noch immer besonders gute 132 Punkte. Ihre gegenwärtige Lage bezeichnen derzeit 49 Prozent der Industrieunternehmen als gut, 51 Prozent sind zufrieden. Damit zeigt sich für den Industriebereich eine weiterhin besonders positive Lage. Dazu beigetragen hat ein Aufschwung der Weltwirtschaft, trotz wachsender Unsicherheiten bezüglich der weltweiten Handelskonflikte und Protektionismusbestrebungen.
Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland sind in den letzten vier Monaten weiter gestiegen: per Saldo bei den Aufträgen aus dem Ausland um 20 Prozent und aus dem Inland um zwölf Prozent. Bei den heimischen Vorleistungsgüter- und Industriegüterproduzenten stiegen per Saldo die Aufträge aus dem In- und Ausland. Bei den Verbrauchsgüterproduzenten gab es per Saldo einen leichten Rückgang. In der gesamten Industrie wird für das weitere Jahr 2018 mit einem weiteren Exportwachstum gerechnet, aber weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre.
Mit Blick auf die zukünftige Geschäftslage ist die Industrie insgesamt optimistisch: So erwarten 22 Prozent der Industrieunternehmen eine weitere Verbesserung in 2018, fünf Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung in diesem Jahr, der große Rest (73 Prozent) geht von einer stabilen Entwicklung aus.
Auch der Klimaindex im heimischen Baugewerbe hat gegenüber dem Jahresbeginn (140 Punkte) etwas nachgegeben, befindet sich im Frühjahr mit 133 Punkten aber noch immer auf außerordentlich hohem Niveau. Dem Bauhauptgewerbe (Industriebau, Tiefbau, Straßenbau etc.) geht es insgesamt relativ gut, dem Ausbaugewerbe (Installationen, Fußböden, Fensterbau, Dämmung etc.) noch besser. Die gegenwärtige Lage wird von 74 Prozent aller Bauunternehmen als gut bezeichnet, 21 Prozent sind insgesamt zufrieden, fünf Prozent sind nicht zufrieden.
Bezüglich der weiteren Entwicklung in 2018 wird im Baugewerbe insgesamt weiterhin mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung gerechnet. Dabei stößt der große Bedarf vor allem im Straßenbau auf gut ausgelastete Kapazitäten. Die Reichweite im Auftragsbestand liegt im Bauhauptgewerbe im Durchschnitt bei ca. vier Monaten, im Ausbaugewerbe bei drei Monaten.
Handel
Die Stimmung im heimischen Einzelhandel ist weiter gestiegen und im Frühjahr insgesamt besonders gut. Der Klimaindex erreicht nach 114 Punkten zu Jahresanfang mit 126 Punkten einen für die letzten Jahre weit überdurchschnittlichen Wert. 52 Prozent der befragten Einzelhändler bezeichnen ihre gegenwärtige Lage als gut, nur neun Prozent als schlecht, 39 Prozent sind zufrieden. Die Umsätze haben sich in den letzten vier Monaten per Saldo auch gut entwickelt. Sie sind bei 28 Prozent der Unternehmen gestiegen, bei 15 Prozent gefallen und bei 57 Prozent gleichgeblieben. Begünstigt wird dies durch die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt, die Kaufkraft und Konsum der Verbraucher stärkt.
Beim Blick auf das weitere Jahr 2018 sind die heimischen Einzelhändler insgesamt jetzt optimistischer als zu Jahresanfang: 21 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, neun Prozent eine Verschlechterung, 70 Prozent rechnen mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung.
Noch positiver als im Einzelhandel sind die Rückmeldungen aus dem Großhandel. Der Klimaindex erreicht hier hohe 135 Punkte, fast ähnlich viel wie zu Jahresbeginn (138 Punkte). Die gegenwärtige Lage wird von 48 Prozent der Großhändler und Handelsvermittler als gut und von 45 Prozent als befriedigend bezeichnet. Nur sieben Prozent urteilen „schlecht“. Die Umsatzentwicklung der letzten vier Monate verlief per Saldo erfreulich: 26 Prozent der Großhändler konnten steigende Umsätze verzeichnen, elf Prozent fallende Umsätze, bei 63 Prozent waren die Umsätze konstant.
Bezüglich der zukünftigen Geschäftsentwicklung ist man im Großhandel per Saldo weiter optimistisch: Rund ein Drittel der Unternehmen erwarten im weiteren Verlauf des Jahres eine günstigere Geschäftsentwicklung, zwei Drittel rechnen mit einer eher gleichbleibenden Entwicklung.
Dienstleister
Die Stimmung im Dienstleistungsgewerbe ist insgesamt weiter ausgesprochen gut. Der Wert des Klimaindexes hat sich gegenüber 132 Punkten zu Jahresbeginn auf aktuell 135 Punkte noch leicht verbessert. Die derzeitige Geschäftslage wird von 51 Prozent der Unternehmen als gut bewertet und nur von fünf Prozent als schlecht, 44 Prozent sind zufrieden.
Im Blick auf die Geschäftserwartungen überwiegt weiterhin Optimismus: 31 Prozent der Dienstleister gehen von einer günstigen Entwicklung für das Jahr 2018 aus, sieben Prozent rechnen mit einer ungünstigeren. Der große Rest erwartet eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung.
Zu den Dienstleistern gehören unter anderem die folgenden drei Branchen:
Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern geht der Klimaindex gegenüber dem Jahresbeginn leicht von 139 auf 136 Punkte zurück. Den Unternehmen aus den Bereichen Information und Kommunikation, Immobilienwirtschaft, Public-Relations, Werbung und Marktforschung sowie Unternehmensberatung geht es insgesamt weiterhin besonders gut: 52 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, 48 Prozent sind zufrieden, niemand bewertet die Geschäftslage als schlecht. Für das weitere Jahr 2018 sind die Erwartungen per Saldo optimistisch.
Im Gastgewerbe hat sich der Klimaindex seit Jahresanfang noch einmal deutlich von 130 auf jetzt hervorragende 142 Punkte verbessert. 50 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 40 Prozent als zufriedenstellend, zehn Prozent sind unzufrieden. Die Auslastung ist auch zuletzt insgesamt gestiegen. Für den weiteren Jahresverlauf ist man im Beherbergungsgewerbe und in der Gastronomie per Saldo sehr optimistisch.
Im Verkehrsbereich ist die Lage insgesamt relativ gut. Der Klimaindex hat sich seit Jahresanfang leicht verbessert, von 121 auf jetzt 123 Punkte. 45 Prozent der Unternehmen des Transportgewerbes bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, ebenfalls 45 Prozent als zufriedenstellend und sieben Prozent sind unzufrieden. Das Beförderungsvolumen ist in den letzten vier Monaten per Saldo leicht gestiegen. Für das weitere Jahr 2018 sind die Erwartungen in die Geschäftsentwicklung insgesamt leicht optimistisch.
Investitions- und Personalpläne
Aus der Geschäftslage und den erwarteten Rahmenbedingungen ergeben sich die entsprechenden Impulse für die Investitions- und Personalpläne.
Die Investitionsplanungen der Unternehmen sind aktuell insgesamt leicht expansiv ausgerichtet, etwas stärker als zu Jahresbeginn: 25 Prozent wollen in 2018 mehr, zwölf Prozent weniger, 63 Prozent etwa gleich viel investieren. Mehr investieren wollen per Saldo vor allem folgende Branchen: Vorleistungsgüterproduzenten, Gastgewerbe, Verkehrsbranche und unternehmensbezogene Dienstleister. Die übrigen Branchen wollen ihre Investitionshöhe eher konstant halten.
Dominierendes Motiv für Investitionen ist für 64 Prozent der Unternehmen der Ersatzbedarf, gefolgt von Kapazitätserweiterung (32 Prozent). Die Kapazitätserweiterung wird als Motiv viel häufiger genannt als im Durchschnitt der letzten Jahre. Weitere Innovationsmotive sind Produktinnovationen (24 Prozent). Außerdem planen die Unternehmen Investitionen in die Rationalisierung (23 Prozent) und aus Umweltschutzgründen (elf Prozent).
Die Personalpläne der heimischen Unternehmen sehen aktuell per Saldo zusätzliche Mitarbeiter vor, ebenfalls etwas stärker als zu Jahresbeginn. Allerdings könnte sich beim Personalbedarf der Fachkräftemangel auf die Pläne bremsend ausgewirkt haben. 21 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer höheren Beschäftigtenzahl, acht Prozent wollen Personal abbauen, 71 Prozent rechnen mit in etwa gleichem Beschäftigtenstand. Mehr Personal benötigt wird per Saldo vor allem im Gastgewerbe, im Baugewerbe, in Teilen der Industrie (Vorleistungs- und Industriegüter) und bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern. Ein leichter Personalabbau ist per Saldo im Einzelhandel und im Kreditgewerbe vorgesehen. Die übrigen Branchen rechnen mit etwa gleicher Beschäftigtenzahl im weiteren Jahresverlauf.
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung
Das größte Geschäftsrisiko aus Sicht der heimischen Unternehmen ist inzwischen der Fachkräftemangel. Immer stärker rückt bei den Umfragen der letzten Jahre und insbesondere seit Herbst letzten Jahres diese Thema in den Vordergrund bzw. wird als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens genannt. Im langjährigen Durchschnitt nannten 41 Prozent den Fachkräftemangel als Risiko. Im Herbst 2017 sahen 55 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftsentwicklung durch den Fachkräftemangel beeinträchtigt und zum Jahresanfang und aktuell nun sogar 60 Prozent.
Als zweitgrößtes Risiko beunruhigt die Unternehmen die weitere Entwicklung der Arbeitskosten (33 Prozent). Über die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen machen sich 31 Prozent der Unternehmer Sorgen (zum Jahresanfang, vor der Regierungsbildung waren es noch 39 Prozent). Die weitere Entwicklung der Inlandsnachfrage wird ebenfalls von 31 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt. Bis Anfang 2017 wurde dieses Risiko noch viel häufiger genannt, inzwischen aber lastet die Inlandsnachfrage die Unternehmen zum Teil mehr als gut aus. Als weitere Risiken werden von 27 Prozent der Unternehmen die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise genannt. Von weniger Unternehmen werden als Risiken die Finanzierung, die Auslandsnachfrage und der Wechselkurs genannt.
Resümee
Für den IHK-Bezirk Limburg zeigt sich zum Frühjahr 2018 eine sehr erfreuliche konjunkturelle Lage. Der IHK-Konjunkturklimaindex erreicht wie zum Jahresanfang erneut einen Spitzenwert. Die aktuelle Geschäftslage wurde in den letzten zehn Jahren selten so positiv bewertet und die Unternehmen blicken auch dem weiteren Jahresverlauf eher mit Optimismus entgegen. Insgesamt dürfte die deutsche und auch die heimische Wirtschaft nach allen Prognosen in 2018 auf hohem Niveau langsamer aber weiter wachsen.
Für die Konjunkturumfrage werden dreimal im Jahr rund 250 Antworten von Mitgliedsunternehmen der IHK Limburg aus den verschiedenen Branchen ausgewertet. Der Konjunkturklimaindex setzt sich zusammen aus der Beurteilung der aktuellen und der zukünftigen Geschäftslage. Bei einem Wert unter 100 kann man von einer negativen Gesamtstimmung sprechen, ab 100 Punkten von einer befriedigenden Beurteilung, ab 120 Punkten von einer guten, ab 130 Punkten von einer sehr guten Beurteilung.