IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2018
Konjunkturlage weiterhin gut – Dynamik lässt nach
19. Oktober 2018 - Die Konjunktur der heimischen Wirtschaft bleibt weiter auf hohem Niveau, die weitere Entwicklung wird vorsichtiger beurteilt. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im IHK-Bezirk Limburg insgesamt mit gut beurteilt. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate sind jedoch über den Sommer gesunken. Dennoch wollen die Unternehmen der Region weiterhin ihre Investitionen verstärken und mehr Beschäftigte einstellen. Der Besetzung offener Stellen setzt jedoch der Fachkräftemangel Grenzen. Das sind die Ergebnisse der Umfrage zur wirtschaftlichen Lage im Herbst 2018 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg.
Die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Limburg-Weilburg lässt nach einem sehr starken Jahresbeginn und Frühjahr nach und liegt auf dem Niveau vom Herbst des Vorjahres. Der Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen bündelt, erreicht aktuell im Herbst 2018 gute 123 Punkte, nach sehr guten 132 bzw. 133 Punkten im ersten Halbjahr. Auch die Konjunkturlage für Gesamtdeutschland verliert etwas an Fahrt.
Die derzeitige wirtschaftliche Lage wird von der Hälfte (50 Prozent) aller heimischen Unternehmen als gut befunden und von 43 Prozent als befriedigend. Nur sieben Prozent der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als schlecht. Das ist weiterhin eine insgesamt außergewöhnlich gute Beurteilung.
Die zukünftige Geschäftsentwicklung schätzen die heimischen Unternehmen insgesamt weniger optimistisch ein als im Frühjahr: 19 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 13 Prozent befürchten eine ungünstigere Entwicklung. Der größte Teil der Unternehmen (68 Prozent) erwartet eine auf hohem Niveau gleichbleibende Entwicklung.
Konjunkturklimaindex für den IHK-Bezirk Limburg
Produzierendes Gewerbe
In der Industrie erreicht der Klimaindex nach 139 Punkten zum Jahresanfang 2018 und 132 zum Frühjahr jetzt noch immer gute 124 Punkte. Ihre gegenwärtige Lage bezeichnen derzeit 48 Prozent der Industrieunternehmen als gut, 45 Prozent sind zufrieden, nur sieben Prozent unzufrieden. Damit zeigt sich für den Industriebereich eine positive Lage. Wachstumsimpulse kommen wie bereits im Frühjahr stärker aus dem deutschen Binnenmarkt als aus dem Export. Es gibt wachsende Unsicherheiten bezüglich der weltweiten Handelskonflikte und Protektionismusbestrebungen.
Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland haben sich in den letzten vier Monaten unterschiedlich entwickelt: per Saldo sind die Aufträge aus dem Ausland um fünf Prozent gesunken, aus dem Inland um fünf Prozent gestiegen. Vor allem bei den heimischen Investitionsgüter- und Verbrauchsgüterproduzenten sind die Inlandsaufträge per Saldo zuletzt noch gestiegen. Bei den Vorleistungsgüterproduzenten gab es per Saldo auch bei den Inlandsaufträgen einen Rückgang. In der gesamten Industrie wird für die Zukunft per Saldo mit einem gleichbleibenden Exportvolumen gerechnet. Mit Blick auf die zukünftige Geschäftslage ist die Industrie insgesamt leicht optimistisch: So erwarten 14 Prozent der Industrieunternehmen eine weitere Verbesserung in 2018, fünf Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung, der große Rest (81 Prozent) geht von einer stabilen Entwicklung aus.
Der Klimaindex im heimischen Baugewerbe hat gegenüber dem Jahresbeginn (140 Punkte) etwas nachgegeben, befindet sich mit 134 Punkten aber noch immer auf außerordentlich hohem Niveau. Dem Bauhauptgewerbe (Industriebau, Tiefbau, Straßenbau etc.) geht es insgesamt relativ gut, dem Ausbaugewerbe (Installationen, Fußböden, Fensterbau, Dämmung etc.) geht es ausgezeichnet. Die gegenwärtige Lage wird von 75 Prozent aller Bauunternehmen als gut bezeichnet, 20 Prozent sind insgesamt zufrieden, fünf Prozent sind nicht zufrieden. Die Reichweite im Auftragsbestand hat sich gegenüber der letzten Umfrage erhöht und liegt im Bauhauptgewerbe im Durchschnitt bei ca. vier Monaten, im Ausbaugewerbe bei drei Monaten. Der große Bedarf stößt in allen Bereichen auf gut ausgelastete Kapazitäten. Bezüglich der weiteren Entwicklung wird im Baugewerbe insgesamt weiterhin mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung gerechnet.
Handel
Die Stimmung im heimischen Einzelhandel ist befriedigend. Der Klimaindex erreicht 106 Punkte. Gegenüber dem Frühjahr mit 126 Punkten hat sich die Stimmung abgekühlt. Dabei ist die Lagebeurteilung gut, die Geschäftsaussichten aber werden pessimistisch beurteilt. 33 Prozent der befragten Einzelhändler bezeichnen ihre gegenwärtige Lage als gut, nur 13 Prozent als schlecht, 54 Prozent sind zufrieden. Die Umsätze haben sich in den letzten vier Monaten per Saldo nicht so gut entwickelt. Sie sind zwar bei 27 Prozent der Unternehmen gestiegen, jedoch bei 33 Prozent gefallen und bei 40 Prozent gleichgeblieben. Die höhere Inflation neutralisiert die steigenden Tariflöhne. Laut Forschungsinstitut GfK hat sich das Konsumklima eingetrübt.
Beim Blick in die Zukunft sind die heimischen Einzelhändler auch deshalb weniger optimistisch als in der ersten Jahreshälfte: 14 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 21 Prozent eine Verschlechterung, 65 Prozent rechnen mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung.
Beim Blick in die Zukunft sind die heimischen Einzelhändler auch deshalb weniger optimistisch als in der ersten Jahreshälfte: 14 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 21 Prozent eine Verschlechterung, 65 Prozent rechnen mit einer stabilen, gleichbleibenden Entwicklung.
Deutlich positiver als im Einzelhandel sind die Rückmeldungen aus dem Großhandel. Der Klimaindex erreicht hier hohe 137 Punkte, etwas mehr noch als die bereits sehr guten Werte zu Jahresbeginn bzw. im Frühjahr. Die gegenwärtige Lage wird von 68 Prozent der Großhändler und Handelsvermittler als gut und von 32 Prozent als befriedigend bezeichnet. Die Umsatzentwicklung der letzten vier Monate verlief per Saldo sehr erfreulich: 60 Prozent der Großhändler konnten steigende Umsätze verzeichnen, vier Prozent fallende Umsätze, bei 36 Prozent waren die Umsätze konstant.
Bezüglich der zukünftigen Geschäftsentwicklung ist man im Großhandel per Saldo weiter optimistisch: 20 Prozent der Unternehmen erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung, 72 Prozent rechnen mit einer eher gleichbleibenden Entwicklung, nur acht Prozent sind pessimistisch.
Bezüglich der zukünftigen Geschäftsentwicklung ist man im Großhandel per Saldo weiter optimistisch: 20 Prozent der Unternehmen erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung, 72 Prozent rechnen mit einer eher gleichbleibenden Entwicklung, nur acht Prozent sind pessimistisch.
Dienstleister
Die Stimmung im gesamten Dienstleistungsgewerbe ist insgesamt weiter ausgesprochen gut, auch wenn es einen Rückgang gegenüber dem Frühjahr gab. Der Wert des Klimaindexes erreicht aktuell 125 Punkte. Die derzeitige Geschäftslage wird von 50 Prozent der Unternehmen als gut bewertet und nur von sechs Prozent als schlecht, 43 Prozent sind zufrieden.
Im Blick auf die Geschäftserwartungen überwiegt weiterhin Optimismus: 24 Prozent der Dienstleister gehen von einer günstigen Entwicklung für die Zukunft aus, 16 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren. Der große Rest (60 Prozent) erwartet eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung.
Die Stimmung im gesamten Dienstleistungsgewerbe ist insgesamt weiter ausgesprochen gut, auch wenn es einen Rückgang gegenüber dem Frühjahr gab. Der Wert des Klimaindexes erreicht aktuell 125 Punkte. Die derzeitige Geschäftslage wird von 50 Prozent der Unternehmen als gut bewertet und nur von sechs Prozent als schlecht, 43 Prozent sind zufrieden.
Im Blick auf die Geschäftserwartungen überwiegt weiterhin Optimismus: 24 Prozent der Dienstleister gehen von einer günstigen Entwicklung für die Zukunft aus, 16 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren. Der große Rest (60 Prozent) erwartet eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung.
Zu den Dienstleistern gehören unter anderem die folgenden drei Einzelbranchen:
Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern erreicht der Klimaindex aktuell wie auch im zurückliegenden Frühjahr den sehr guten Wert von 136 Punkten. Den Unternehmen aus den Bereichen Information und Kommunikation, Immobilienwirtschaft, Public Relations, Werbung und Marktforschung sowie Unternehmensberatung geht es insgesamt weiterhin besonders gut. Die Umsätze sind in den letzten vier Monaten per Saldo um 27 Prozent gestiegen. 55 Prozent der Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, 45 Prozent sind zufrieden, niemand bewertet die Geschäftslage als schlecht. Für die Zukunft sind die Erwartungen per Saldo optimistisch.
Im Gastgewerbe ist der Klimaindex nach dem sehr guten Wert im Frühjahr von 142 Punkten aktuell auf noch recht gute 119 Punkte zurückgegangen. 50 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 33 Prozent als zufriedenstellend, 17 Prozent sind unzufrieden. Die Auslastung ist im Beherbergungsgewerbe in den letzten vier Monaten per Saldo zurückgegangen, im Bereich Gastronomie gestiegen.
Für die Zukunft bzw. im Blick auf das Winterhalbjahr ist man im Beherbergungsgewerbe eher optimistisch und im in der Gastronomie eher pessimistisch gestimmt.
Für die Zukunft bzw. im Blick auf das Winterhalbjahr ist man im Beherbergungsgewerbe eher optimistisch und im in der Gastronomie eher pessimistisch gestimmt.
Im Verkehrsbereich ist die Lage insgesamt relativ gut. Der Klimaindex ist jedoch seit dem Frühjahr etwas zurückgegangen von 123 auf jetzt 116 Punkte. Die Umsätze sind wie das Beförderungsvolumen in den letzten vier Monaten per Saldo leicht zurückgegangen. 44 Prozent der Unternehmen des Transportgewerbes bezeichnen ihre augenblickliche Geschäftslage als gut, 45 Prozent als zufriedenstellend, elf Prozent sind unzufrieden. Für die weitere Zukunft hält sich der Anteil der optimistischen und der pessimistische Einschätzungen die Waage.
Investitions- und Personalpläne
Aus der Geschäftslage und den erwarteten Rahmenbedingungen ergeben sich die entsprechenden Impulse für die Investitions- und Personalpläne.
Aus der Geschäftslage und den erwarteten Rahmenbedingungen ergeben sich die entsprechenden Impulse für die Investitions- und Personalpläne.
Die Investitionsplanungen der Unternehmen aller Branchen sind aktuell insgesamt besonders expansiv ausgerichtet, stärker noch als im ersten Halbjahr: 33 Prozent wollen mehr, zwölf Prozent weniger, 55 Prozent etwa gleich viel investieren. Mehr investieren wollen per Saldo vor allem folgende Branchen: Gastgewerbe, Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten, unternehmensbezogene Dienstleister und das Baugewerbe. Dominierendes Motiv für Investitionen ist für 62 Prozent der Unternehmen der Ersatzbedarf, gefolgt von der Kapazitätserweiterung (30 Prozent). Diese wird als Motiv häufiger genannt als im Durchschnitt der letzten Jahre, ein Hinweis auf aktuell stark ausgelastete Kapazitäten. Ein weiteres Investitionsmotiv sind Produktinnovationen (24 Prozent). Außerdem planen die Unternehmen Investitionen in die Rationalisierung (22 Prozent) und aus Umweltschutzgründen (elf Prozent).
Die aktuellen Rückmeldungen zu den Personalplänen der heimischen Unternehmen lassen erkennen, dass in fast allen Branchen zusätzliche Mitarbeiter vorgesehen sind. Allerdings wirkt sich der Fachkräftemangel auf die Ausbaupläne vermutlich bremsend aus. 19 Prozent der Unternehmen planen mit einer höheren Beschäftigtenzahl, elf Prozent wollen Personal abbauen, 70 Prozent wollen den Beschäftigtenstand halten. Mehr Personal benötigen vor allem Großhändler sowie Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten.
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung
Als größtes Risiko für die geschäftliche Entwicklung nennen die heimischen Unternehmen in der aktuellen Umfrage den Fachkräftemangel. Immer stärker rückte dieses Thema bei den Umfragen der letzten Jahre und insbesondere seit Herbst letzten Jahres in den Vordergrund bzw. wird als Risiko für die Entwicklung des eigenen Unternehmens genannt. Im langjährigen Durchschnitt meldeten 41 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko, aktuell sind es 57 Prozent.
Als größtes Risiko für die geschäftliche Entwicklung nennen die heimischen Unternehmen in der aktuellen Umfrage den Fachkräftemangel. Immer stärker rückte dieses Thema bei den Umfragen der letzten Jahre und insbesondere seit Herbst letzten Jahres in den Vordergrund bzw. wird als Risiko für die Entwicklung des eigenen Unternehmens genannt. Im langjährigen Durchschnitt meldeten 41 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko, aktuell sind es 57 Prozent.
Die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise wird von den Unternehmen aktuell deutlich häufiger als Risiko genannt als in den letzten Umfragen. 42 Prozent blicken mittlerweile beunruhigt auf die Kosten und die Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen bzw. sehen ihre eigene geschäftliche Entwicklung hier gefährdet. Über die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen machen sich 34 Prozent der Unternehmen Sorgen, 31 Prozent sind besorgt wegen steigender Arbeitskosten. Die weitere Entwicklung der Inlandsnachfrage wird ebenfalls von 31 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt und damit weniger als in den Vorjahren, da inzwischen die Inlandsnachfrage die Unternehmen zum Teil mehr als gut auslastet. Von eher wenigen Unternehmen werden als Risiken die Finanzierung, die Auslandsnachfrage und die Wechselkursentwicklung genannt.
Resümee
Für den IHK-Bezirk Limburg zeigt sich zum Herbst 2018 eine weiterhin erfreuliche konjunkturelle Lage. Der IHK-Konjunkturklimaindex erreicht jedoch nicht mehr die Spitzenwerte vom Anfang des Jahres. Die aktuelle Geschäftslage wird aber im Vergleich zu den letzten zehn Jahren weiterhin überdurchschnittlich positiv bewertet und die Unternehmen blicken auch im Herbst 2018 der Zukunft eher mit Optimismus entgegen. Insgesamt dürften die deutsche und auch die heimische Wirtschaft entsprechend den nach unten korrigierten Prognosen in 2018 und auch in 2019 auf dem erreichten hohen Niveau weiter wachsen, wenn auch langsamer.
Für den IHK-Bezirk Limburg zeigt sich zum Herbst 2018 eine weiterhin erfreuliche konjunkturelle Lage. Der IHK-Konjunkturklimaindex erreicht jedoch nicht mehr die Spitzenwerte vom Anfang des Jahres. Die aktuelle Geschäftslage wird aber im Vergleich zu den letzten zehn Jahren weiterhin überdurchschnittlich positiv bewertet und die Unternehmen blicken auch im Herbst 2018 der Zukunft eher mit Optimismus entgegen. Insgesamt dürften die deutsche und auch die heimische Wirtschaft entsprechend den nach unten korrigierten Prognosen in 2018 und auch in 2019 auf dem erreichten hohen Niveau weiter wachsen, wenn auch langsamer.
Für die Konjunkturumfrage werden dreimal im Jahr rund 230 Antworten von Mitgliedsunternehmen der IHK Limburg aus den verschiedenen Branchen ausgewertet. Der Konjunkturklimaindex setzt sich zusammen aus der Beurteilung der aktuellen und der zukünftigen Geschäftslage. Bei einem Wert unter 100 kann man von einer eher negativen Gesamtstimmung sprechen, ab 100 Punkten von einer befriedigenden Beurteilung, ab 120 Punkten von einer guten, ab 130 Punkten von einer sehr guten Beurteilung.