23. April 2026
Fachtagung für Ausbilderinnen und Ausbilder in der IHK Limburg
Unter dem Titel „Ausbildung kennt keine Grenzen“ fand am 16. April von 9:00 bis 16:00 Uhr in der IHK Limburg eine Fachtagung für Ausbilderinnen und Ausbilder statt.
Die gut besuchte Veranstaltung brachte Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Arbeitsverwaltung, Institutionen und Unternehmen zusammen und widmete sich einer der zentralen Herausforderungen des Ausbildungsmarktes: dem zunehmenden Bewerbermangel sowie den Chancen der Gewinnung und Integration internationaler Auszubildender.
Freuten sich über das große Interesse: v. l. Wolfgang Göbel, Monika Sommer, Ute Boinski, Petra Kern, Armin Güth, Jutta Golinski, Sarah Strobel.
Die Fachtagung stand unter der Schirmherrschaft von Annika Roth, Geschäftsführerin der LIMBURGER – Packaging Group, die in ihrem Statement die Bedeutung des Themas hervorhob:
„Ausbildung kennt tatsächlich keine Grenzen – weder geografisch noch kulturell. Internationale Auszubildende sind eine große Chance für unsere Unternehmen und unsere Gesellschaft. Damit Integration gelingt, braucht es Information, Vernetzung und den Mut, neue Wege zu gehen. Veranstaltungen wie diese leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Betriebe zu stärken und Perspektiven für junge Menschen zu eröffnen.“
Begrüßt wurden die Teilnehmenden zudem von Armin Güth, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses, sowie Monika Sommer, Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg. Durch den Tag führte Jutta Golinski, Geschäftsbereichsleiterin der IHK Limburg, die die verschiedenen Themen und Perspektiven der Veranstaltung zusammenführte.
Internationale Auszubildende als Chance für den Ausbildungsmarkt
Viele Branchen sehen sich zunehmend mit unbesetzten Ausbildungsplätzen konfrontiert. Internationale Auszubildende können einen wichtigen Beitrag leisten, um dem Nachwuchsmangel zu begegnen und das duale Ausbildungssystem langfristig zu sichern. Gleichzeitig stehen Betriebe vor zahlreichen Fragen: Wie gelingt eine erfolgreiche Rekrutierung? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten? Wo gibt es Unterstützungsangebote? Und wie können sowohl junge Menschen aus dem Ausland als auch bereits in Deutschland lebende Jugendliche mit Migrationshintergrund erfolgreich in Ausbildung integriert werden?
Die Fachtagung bot hierzu einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen, rechtliche Grundlagen und praxisnahe Erfahrungen. Ziel war es, Orientierung zu geben, Handlungssicherheit zu schaffen und konkrete Lösungswege aufzuzeigen.
Hochkarätige Impulse und praxisnahe Einblicke
Den fachlichen Auftakt bildete eine Keynote von Petra Kern, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar. Sie beleuchtete die Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen der gezielten Integration internationaler Auszubildender und ging dabei insbesondere auf die Rolle der Arbeitsverwaltung und der Unternehmen ein. Ergänzt wurde der Beitrag durch Nancy Freitagsmüller (Regionaldirektion Hessen, stellvertretende Fachbereichsleiterin Arbeitsmarkt und Netzwerke) sowie Christina Pfeifer (EURES-Beraterin, Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Limburg-Weilburg).
Aktuelle Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung des Themas: Im Jahr 2023 befanden sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit rund 200.000 Auszubildende mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Dies entspricht etwa 13 Prozent aller Auszubildenden – mit deutlich steigender Tendenz. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ihr Anteil nahezu verdoppelt.
Auch die internationale Nachfrage wächst: Im Zuge des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes stieg die Zahl der Visa für Auszubildende aus Drittstaaten innerhalb eines Jahres um rund zwei Drittel. Deutschland wird zunehmend als attraktiver Ausbildungsstandort wahrgenommen.
Internationale Auszubildende sind insbesondere in Branchen tätig, die stark vom Fach- und Nachwuchsmangel betroffen sind, darunter:
- Gastronomie und Hotellerie
- Handwerk (z. B. Bau-, Elektro-, Metall- und Lebensmittelhandwerk)
- Pflege- und Gesundheitsberufe
- Transport und Logistik
- Industrie und technische Berufe
Gerade in diesen Bereichen tragen Auszubildende ohne deutschen Pass maßgeblich dazu bei, unbesetzte Ausbildungsstellen zu schließen.
Rechtliche Grundlagen und betriebliche Herausforderungen
Im Anschluss informierte Sarah Strobel, Projektleiterin des DIHK-Netzwerks „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“, über rechtliche Rahmenbedingungen, Besonderheiten bei der Rekrutierung aus Drittstaaten sowie die Zusammenarbeit mit Vermittlungsagenturen. Trotz der großen Potenziale benennen Unternehmen weiterhin Herausforderungen. Laut DIHK-Ausbildungsumfragen sind dies insbesondere:
Sprachliche Hürden: 81 Prozent der Betriebe nennen unzureichende Deutschkenntnisse als größte Herausforderung.
Bürokratische Verfahren: Visums-, Aufenthalts- und Anerkennungsverfahren werden von 43 Prozent der Unternehmen als aufwendig und zeitintensiv eingeschätzt.
Wohnraummangel und soziale Integration: Fehlender Wohnraum sowie ein erhöhter Betreuungs- und Integrationsbedarf stellen weitere Hemmnisse dar.
Erfahrungsberichte und Austausch aus der Praxis
Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war eine Talkrunde mit Unternehmen, die offen und authentisch von ihren Erfahrungen berichteten. Die praxisnahen Einblicke zeigten deutlich, dass Integration im Ausbildungsalltag gelingen kann – mit Engagement, Offenheit und unterstützenden Netzwerken.
Am Nachmittag standen die IHK Limburg, die Bundesagentur für Arbeit Limburg-Wetzlar, das Welcome Center Mittelhessen sowie weitere Institutionen für Fachvorträge, individuelle Fragen und den persönlichen Austausch zur Verfügung. Das intensiven Netzwerken bot den Teilnehmenden wertvolle Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen und voneinander zu lernen.
Weitere Informationen unter www.ihk-limburg.de/veranstaltungen sowie bei Jutta Golinski, Tel.: 06431 210-150, E-Mail: j.golinski@limburg.ihk.de.