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Nr. 3364
Aus- und Weiterbildung

Was erwartet die Wirtschaft von den Schulabgängern


Diese Frage wird immer wieder gestellt – nicht nur von jungen Menschen, die eine betriebliche Ausbildung aufnehmen möchten, sondern auch von ihren Eltern und Lehrern.
Bei der Vorbereitung für Ausbildung und Beruf ist vor allem eines wichtig: frühzeitig damit anzufangen – denn alles braucht seine Zeit. Diese Hinweise können nur ein Einstieg sein. Es beschreibt Minimalanforderungen als Orientierungshilfe für Lehrende und Lernende.
Was erwartet nun die Wirtschaft von den Schulabgängern?
Keine Sorge: nichts, was nicht zu schaffen wäre. Aber man muss dranbleiben. Im Kern geht es um Basiskenntnisse und -fertigkeiten, um Sozialverhalten sowie um Grundhaltungen und Einstellungen, die für Arbeit und Beruf wichtig sind. Eigentlich nichts Außergewöhnliches; und doch muss es immer wieder gesagt werden.
Die Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass Elternhaus und Schule eine stabile Grundlage geschaffen haben, auf der die Ausbildung ohne größere Probleme aufbauen kann. Mit anderen Worten:
Beim Einstieg in das Berufsleben muss das schulische Grundwissen „sitzen”.
  • Ohne ein positiv entwickeltes Sozialverhalten kommt in Wirtschaft und Gesellschaft niemand zurecht.
  • Über Grundwerte und persönliche Einstellungen kann man nicht erst in der Aus­bildung nachdenken.
Selbstverständlich erwartet kein Ausbilder und kein Berufsschullehrer, dass die Schulabgänger das Wissen und Können von „alten Hasen” mitbringen. Die Persön­lichkeit ebenso wie das Spektrum an Wissen und Können eines jungen Menschen soll – und muss – sich weiterentwickeln können; und natürlich braucht man Freiraum, um Erfahrung erst einmal zu sammeln. Nur: Ohne ein solides Fundament wird es unnötig schwer.
I) Fachliche Kompetenz
In Deutschland gibt es rund 350 Ausbildungsberufe und mit ihnen eine breite Varia­tion von Inhalten und Anforderungen. Bei aller Verschiedenheit und fachlichen Diffe­renzierung setzen sie jedoch dieselben Basiskenntnisse voraus. Dies sind im We­sentlichen:
Grundlegende Beherrschung der deutschen Sprache
Einfache Sachverhalte aufnehmen und in Wort und Schrift wiedergeben
  • klare Sprache, verständliche Formulierungen
Einfache Texte fehlerfrei schreiben
  • Rechtschreibung und Grammatik
Verschiedene Sprachebenen und -stile unterscheiden und korrekt anwenden
(Fachsprache und gehobene Sprache; Alltags- und Umgangssprache; Jargon)
  • situationsgerechte Sprache
Beherrschung einfacher Rechentechniken
  • Grundrechenarten
  • Dezimalzahlen und Brüche
  • Maßeinheiten
  • Dreisatz und Prozentrechnen
  • Berechnung von Fläche, Volumen und Masse
  • Grundlagen der Geometrie
  • Textaufgaben verstehen.
  • Die wichtigsten Formeln kennen und anwenden.
  • Mit dem Taschenrechner umgehen können.
Grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse
Schulform- und altersgerechte Grundkenntnisse in Physik, Chemie, Biologie und Technik.
  • Naturwissenschaftliche Phänomene erkennen und auch in Zusammenhängen verstehen.
  • Moderne Technik verstehen und eine positive Grundeinstellung dazu entwickeln.
Grundkenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge
  • Hinführung zur Arbeitswelt – auch durch Schülerbetriebspraktika
  • Wie funktioniert das marktwirtschaftliche System?
  • Welche Rolle spielen die Unternehmen, der Staat, die Tarifparteien und die pri­vaten Haushalte als wesentliche Akteure im Rahmen unserer Wirtschaftsord­nung?
Grundkenntnisse in Englisch
Englisch ist Weltsprache. Schulabgänger sollten wenigstens über Grundkenntnisse verfügen.
  • Einfache Sachverhalte in Englisch ausdrücken.
  • Die Fremdsprache in normalen – auch beruflichen – Alltagssituationen zur Ver­ständigung anwenden.
Grundkenntnisse im IT-Bereich
Die modernen Informations- und (Tele-)Kommunikationstechniken haben inzwischen ihren festen Platz in der Lebens- und Arbeitswelt. Daher sollten speziell junge Men­schen
  • frühzeitig ein Verständnis für moderne Technik und Technologie entwickeln;
  • über Grundkenntnisse in der PC-Anwendung verfügen
  • zu einem reflektierten Umgang mit Technik und Medien angeleitet werden.
Basiskenntnisse unserer Kultur
  • Wurzeln und Entwicklung der deutschen (Kultur-)Geschichte kennen und verstehen.
  • die wichtigsten Etappen der deutschen und der europäischen Geschichte sowie der Weltgeschichte
  • gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen und Systeme
  • ethische Grundsätze
  • Grundzüge der Weltreligionen und religiöse Ursprünge unserer Kultur.
II) Soziale Kompetenzen
Kooperationsbereitschaft - Teamfähigkeit
Der Erfolg des Unternehmens hängt immer auch vom Willen der Beschäftigen zur Zusammenarbeit ab. Jeder einzelne Mitarbeiter ist aufgefordert, Informationen aus­zutauschen, Erfahrungen weiterzugeben und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
  • In der Schule sind z. B. Gruppen- und Projektarbeit wichtig, um das Miteinander zu fördern und Teamgeist zu entwickeln.
Höflichkeit - Freundlichkeit
Wer freundlich ist, hat schneller und leichter Erfolg. Dies gilt für die Beziehungen des Unternehmens nach außen (Kunden, Lieferanten, Öffentlichkeit) natürlich genauso wie für ein gutes Betriebsklima im Innern.
  • Schon auf dem Schulhof und im Klassenzimmer sollte kein Raum sein für ruppiges, aggressives oder in anderer Weise unhöfliches Verhalten.
Konfliktfähigkeit
Unterschiedliche Meinungen, Haltungen und Ansichten werden immer auch zu Diffe­renzen führen. Sie sollten jedoch friedlich und konstruktiv bewältigt werden. Das setzt Sprach- und Argumentationsvermögen ebenso voraus wie die Fähigkeit, mit persön­licher Verärgerung und mit Widersprüchen umgehen zu können.
  • Der Schulunterricht bietet ideale Voraussetzungen, um das Diskutieren und Argu­mentieren an wechselnden Themen und Inhalten zu üben.
Toleranz
Für ein offenes Miteinander von Menschen ist es wichtig, auch Meinungen und Ansichten gelten zu lassen, die von der eigenen Haltung abweichen. Allerdings müssen sie mit der demokratischen Grundordnung und den Menschenrechten vereinbar sein. Im Unternehmen sind Toleranzgrenzen z. B. dann erreicht, wenn der Betriebsfriede gefährdet ist oder wenn Produktivität und Leistung verweigert werden.
  • Elternhaus und Schule sind gleichermaßen verantwortlich, Kinder und Jugend­liche bei der Entwicklung einer gesunden, reflektierenden Toleranz anzuleiten.
Persönliche Kompetenzen
Neben der fachlichen und der sozialen Kompetenz sind eine Reihe von Grund­haltungen und Werteinstellungen im Arbeitsleben wichtig.
Zuverlässigkeit
  • Wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Zusammenarbeit und das Erreichen von Zielen.
Man muss sich darauf verlassen können, dass die Jugendlichen die ihnen übertragenen Aufgaben ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend wahrnehmen – auch unter widrigen Umständen und ohne ständige Überwachung oder Kontrolle.
Lern- und Leistungsbereitschaft
  • Grundbedingung für eine erfolgreiche Ausbildung.
Ausbildung, Beruf und Arbeit sind nicht notwendige Übel, sondern wichtige Bausteine des eigenen Lebens. Freude an der Arbeit und Erfolg im Beruf tragen zu einer positi­ven Lebenseinstellung und individueller Zufriedenheit bei. Jugendliche sollten von der Schule Neugier und Lust auf Neues mitbringen und diese Eigenschaften in der Ausbildung weiter entwickeln.
Ausdauer – Durchhaltevermögen – Belastbarkeit
  • Wichtig, um mit Misserfolgen fertig zu werden.
Im (Berufs-)Leben kann nicht immer alles glatt gehen. Aber auch Belastungen und Enttäuschung muss man aushalten können. Nicht zuletzt stärkt dies das Selbstver­trauen. In Elternhaus und Schule sollten die Jugendlichen gelernt haben, nicht gleich aufzugeben, wenn sich der gewünschte Erfolg nicht sofort oder gar nicht einstellt.
Sorgfalt – Gewissenhaftigkeit
  • Man kann nicht immer „Fünf gerade sein lassen”.
Die Aufgaben und Tätigkeiten im Unternehmen erfordern Genauigkeit und Ernsthaf­tigkeit. Durch Flüchtigkeit kann großer Schaden entstehen. Wer dagegen mit Disziplin und Ordnungssinn pünktlich an die Arbeit geht, der ist gut gerüstet und braucht sich keine Sorgen zu machen.
Konzentrationsfähigkeit
  • Keine Leistung ohne Konzentration.
Es ist so einfach, sich ablenken zu lassen. Aber es ist auch notwendig, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Das muss man wollen und können. Beides lässt sich mit gu­tem Erfolg trainieren. Die Schule ist dabei ein wichtiger Partner.
Verantwortungsbereitschaft – Selbständigkeit
  • Man muss für das, was man tut, einstehen – auch dann, wenn es einmal miss­lingt.
Erfahrung gibt Sicherheit für selbstständiges Denken und Handeln. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wächst mit zunehmender Reife. Ansätze müssen jedoch mit dem Eintritt in Ausbildung schon vorhanden sein. Wo kämen wir hin, wenn jeder das, was ihm unangenehm oder lästig ist, auf andere abschieben würde?!
Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik
  • Nobody is perfect.
Wer die Fähigkeit zur Kritik hat, kann z. B. relativ schnell Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Er erkennt aus der Sache heraus, ob etwas zu befürworten oder ab­zulehnen ist.
Genauso wichtig ist auch die Fähigkeit, das eigene Tun kritisch zu hinterfragen, Feh­ler einzusehen und sie korrigieren zu wollen.
Kreativität und Flexibilität
  • Wichtige Helfer in allen Lebenslagen.
Im Beruf muss jeder mitdenken. Wer ideenreich und aufgeschlossen ist, hat es einfa­cher – auch und gerade bei der Lösung von Problemen. „Frischer Wind” hilft, z. B. die täglichen Aufgaben oder die Organisation des eigenen Arbeitsplatzes positiv zu verändern. Übrigens: Wer kreativ und flexibel ist, kann sich leichter und schneller in neue Aufgaben einarbeiten.