Pressemeldung, 27. Oktober 2021

Unternehmen in der Region erholen sich von Pandemiefolgen

Die regionale Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet von den Pandemiefolgen und die Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher nach vorne. Der Mangel an Rohstoffen, fehlende Fachkräfte sowie hohe Energiepreise bremsen aber den Aufschwung teilweise massiv. Das belegt die jüngste Konjunkturumfrage der IHK Köln, an der sich zwischen dem 16. August und dem 24. September 658 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk (Köln, Leverkusen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Oberbergischer Kreis) beteiligt haben.
Der Konjunkturklimaindikator der IHK Köln ist von 102,6 Punkten im Frühjahr auf 117,9 Punkte gestiegen und liegt damit erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder über dem langjährigen Durchschnitt. „Corona ist nicht vorbei, doch für viele Unternehmen hat sich die Lage wieder normalisiert. Für die weitere Erholung gibt es aber erhebliche Risiken“, sagt Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.
„Viele Unternehmen können wegen hoher Energiepreise oder des Mangels bei Rohstoffen und Vorprodukten längst nicht so erfolgreich arbeiten, wie sie eigentlich könnten“, sagt Vetterlein. „Der Rohstoffmangel ist wie auch der Anstieg der Energiepreise ein globales Phänomen, Steuern und Abgaben machen Energie in Deutschland im internationalen Vergleich aber besonders teuer.“ Vetterlein: „Neben den hohen Kosten sind die Unternehmen verunsichert über die künftige Energieversorgung in der Region Köln. Die Unternehmen brauchen Klarheit über den Ausbau alternativer Energien und den Netzausbau. Der Wunsch nach mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit ist groß.“
Dementsprechend nennen auch 58 Prozent der befragten Unternehmen hohe Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. Nahezu genauso viele Unternehmen (59 Prozent) identifizieren den Fachkräftemangel als Gefahr für ihr Unternehmen. „Die demographische Entwicklung bleibt der maßgebliche Faktor auf dem Arbeitsmarkt, daran hat Corona nichts geändert“, sagt Vetterlein. Probleme, freie Stellen zu besetzen, haben inzwischen Unternehmen in allen Branchen, besonders viele im boomenden Baugewerbe (80 Prozent) und in den besonders von Corona belasteten Branchen (Gastgewerbe 70 Prozent, verbrauchernahe Dienstleistungen 65 Prozent, Einzelhandel 64 Prozent). „Dieser Herausforderung effektiv und kreativ zu begegnen, ist eine zentrale Aufgabe für Unternehmen, Politik und auch die IHK“, sagt Vetterlein.

Ergebnisse für den gesamten IHK-Bezirk

Der Geschäftslageindikator für den gesamten IHK-Bezirk ist im Vergleich zur vorherigen Umfrage um 23,5 Punkte auf 26,8 Punkte gestiegen. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen melden zum Herbst 2021 eine gute Geschäftslage. Nur noch 16 Prozent geben eine schlechte Geschäftslage an.
Deutlich verbessert hat sich die Situation der Unternehmen in fast allen Industriebranchen, dem Baugewerbe, dem Bereich unternehmensorientierter Dienstleister und dem Großhandel. Sie entspricht wieder dem Vorkrisenniveau. „Industrie und Bau haben die Konjunktur wieder aus dem Tal gezogen und sind entscheidend für die wirtschaftliche Erholung. Gerade sie sind aber jetzt von den hohen Energiepreisen und den fehlenden Rohstoffen betroffen“, sagt Vetterlein.
Besser geworden ist die Situation auch für personenbezogene Dienstleister, den Einzelhandel und das Gastgewerbe. Insgesamt bewegen sich diese Branchen aber noch immer unter dem Vor-Corona-Niveau. „Vielerorts sieht es zwar wieder besser aus, je nach Ausrichtung ist die Lage aber immer noch schwierig, zum Beispiel für Hotels, die auf Geschäftsreisende und Messebesucher ausgerichtet sind“, sagt Vetterlein. „Wichtig für diese Branchen ist, dass 2- oder 3G-Regelungen auch bei steigenden Inzidenzen weiter möglich bleiben.“

Exporteure sind zuversichtlich

Die Industrieunternehmen rechnen trotz anhaltender Liefer- und Logistikprobleme und dem starken Preisanstieg bei Rohstoffen und Energie in den kommenden zwölf Monaten mit einem besseren Exportklima als zuletzt. Rund 24 Prozent erwarten höhere und nur noch zehn Prozent niedrigere Exportvolumina. Mehr als jedes zweite Industrieunternehmen meldet mehr Auftragseingänge.

Mehr grüne Investitionen

Die Unternehmen wollen wieder stärker investieren. 34 Prozent planen höhere Investitionsausgaben. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im Herbst 2020, wollten nur 20 Prozent mehr investieren, während 43 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen kürzen wollten. Das wollen jetzt nur noch 18 Prozent. Als Investitionsmotiv nennen dabei immer mehr Unternehmen den Umweltschutz. Mehr als jedes vierte Unternehmen will aus diesem Grund investieren, in der Frühjahrsumfrage war es weniger als jedes fünfte. Hauptmotive für Investitionen bleiben aber der Ersatzbedarf (64 Prozent) und die Rationalisierung (33 Prozent).

Ergebnisse für die Stadt Köln

Im Herbst 2021 melden in Köln rund 42 Prozent der Unternehmen eine gute Lage (vorherige Umfrage: 27 Prozent) und 16 Prozent eine schlechte Lage (31 Prozent). In der Industrie und auch im Dienstleistungsbereich hat sich die Lage deutlich verbessert, ebenso im Handel. Trotzdem klagt im Handel immer noch mehr als jedes fünfte Unternehmen über eine schlechte Geschäftslage. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate sind dagegen die Erwartungen der Unternehmen insgesamt hoffnungsvoller und im Saldo von 1,1 auf 10,7 Punkte gestiegen. Fachkräftemangel, Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nennen die Unternehmen als Hauptrisiken. Mehr Unternehmen wollen investieren und ihr Personal aufstocken, insbesondere Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Dagegen sind die Handelsunternehmen zwar zuversichtlicher, aber im Vergleich dennoch zurückhaltend.
Die detaillierten Ergebnisse des Konjunkturberichts finden Sie unter www.ihk-koeln.de/konjunktur