Pressemeldung, 30. Januar 2020

Zollfragen rund um den Brexit verunsichern Betriebe

Am Freitag tritt Großbritannien aus der EU aus. „Aber Großbritannien hat als Handelspartner für NRW bereits vor dem 31. Januar 2020 an Bedeutung verloren“, stellt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, fest. „Unternehmen mit Handelsbeziehungen nach Großbritannien haben sich schon längst vorbereitet und ihre Lieferketten entsprechend umgestellt, das Großbritannien-Geschäft reduziert oder eingestellt“, so Reichardt weiter. Betroffen sind vor allem die Branchen Automobilindustrie, Chemie und Pharma, Schienenfahrzeuge sowie Maschinenbau.
Auch wenn im Alltag dank einer Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020 vieles vorerst beim Alten bleibt, „sollten betroffene Unternehmen vor allem die zollrechtlichen Auswirkungen eng im Blick halten“, rät Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International der IHK Köln. Denn auch bei einem Brexit mit Austrittsabkommen ist das Vereinigte Königreich bereits während der Übergangsfrist nicht mehr Mitglied der EU – und dies könnte Einfluss auf die Handelsabkommen der EU mit Drittstaaten, den sogenannten Präferenzabkommen, haben.

EU: Vereinigtes Königreich während der Übergangsfrist auch für Zwecke internationaler Übereinkommen weiter als EU-Mitglied behandeln

Zwar vertritt die EU-Kommission die Rechtsauffassung, dass das Vereinigte Königreich während der Übergangsfrist auch für die Zwecke internationaler Übereinkommen weiterhin als EU-Mitgliedstaat behandelt wird. Ob die Vertragspartner diese Auffassung teilen, ist zurzeit allerdings noch nicht bestätigt.
Betroffen wäre der weltweite Handel mit den präferenziellen Partnerstaaten der EU, „wenn Erzeugnisse mit EU/Vereinigtes Königreich-Ursprung gehandelt oder bei Herstellungsprozessen in der EU verwendet werden“, erklärt Hoeckle. Im schlechtesten Fall fallen dann Materialien mit Ursprung „Vereinigtes Königreich“ ab dem 1.2.2020 nicht mehr unter diese Regelung, da die Präferenzbehandlung im Vertragsstaat nicht mehr anerkannt wird. Möglicherweise gilt das sogar für Lagerbestände, die vor dem Austrittstermin aufgebaut worden sind.
Die IHK Köln informiert ihre Mitgliedsunternehmen daher auf ihrer Website mit einem „Brexit und Zoll-Update“ im Internet über die aktuelle Entwicklung. Darüber hinaus stehen die Berater der IHK Köln für weitergehende Fragen zur Verfügung.