Pressemeldung, 1. Juli 2020

Temporäre Mehrwertsteuersenkung: Unternehmen in Region Köln sind skeptisch

Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer soll den Konsum ankurbeln und so auch die Erholung der Lockdown-geschädigten Wirtschaft fördern. Dass dieser Plan aufgeht, bezweifelt jedoch der größte Teil der Unternehmen im Bezirk der IHK Köln.
Das zeigt eine Blitzumfrage der IHK Köln, an der 179 Unternehmen aus dem Bezirk der IHK Köln (Köln, Leverkusen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis, Rhein-Erft-Kreis) teilgenommen haben. Rund 57 Prozent und damit mehr als die Hälfte der Befragten glauben nicht, dass sich die Reduzierung auf ihr Geschäft auswirken wird, weder positiv noch negativ. Nur rund acht Prozent erwarten einen positiven Effekt. Knapp zehn Prozent rechnen sogar mit negativen Auswirkungen.
„Es gibt bislang so gut wie keine Erfahrungen mit temporären Mehrwertsteuersenkungen, allenfalls im Ausland“, sagt IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald. „Die Unternehmen sind auf jeden Fall skeptisch. Wir sehen das als starkes Indiz, dass man von dieser Maßnahme zumindest für die Wirtschaft nicht zu viel erwarten sollte.“ Problematisch für die Unternehmen sei vor allem der große Mehraufwand. So habe rund die Hälfte der Betriebe angegeben, einen hohen oder eher hohen personellen Aufwand betrieben zu haben, um die Umstellung zum 1. Juli sicherzustellen.
Betriebe wollen Reduzierung weitergeben
„Die Mehrwertsteuer-Umstellung war für unsere Unternehmen in der Krise eine zusätzliche Belastung. Unser dringendes Anliegen als Interessenvertretung der Wirtschaft ist es, dass die Politik jetzt für weniger Bürokratie und attraktivere Rahmenbedingungen für das Gründen und Führen von Unternehmen sorgt. Denn nur das führt dauerhaft zu mehr Wachstum!“ so Grünewald.
Zur Skepsis der Betriebe passt, dass sich rund 42 Prozent gegen eine Verlängerung der Reduzierung aussprechen. Immerhin rund jedes vierte Unternehmen fordert aber, den Mehrwertsteuersatz dauerhaft zu reduzieren. Rund 63 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Mehrwertsteuersenkung ganz (50 Prozent) oder teilweise an ihre Kunden weitergeben. Besonders hoch ist dieser Anteil bei Handelsbetrieben. Hier wollen fast vier Fünftel der Befragten den Steuerrabatt ganz oder teilweise weitergeben. So bleibt die Hoffnung, dass zumindest die Verbraucher von der Regelung profitieren werden.
Ein wichtiges Detail ist bei der Umstellung noch offen. Eigentlich soll die Umstellung laut Bundesfinanzministerium so einfach wie möglich gehalten werden. Trotzdem soll eine generelle Nichtbeanstandung, wenn Unternehmen die Steuer falsch ausweisen, nicht über den gesamten Zeitraum von sechs Monaten, sondern nach Ansicht der Finanzverwaltung nur für einen Monat gelten. Hier fordert die IHK Köln als federführende IHK in NRW schnelle Nachbesserungen, ebenso bei der noch ungeklärten Frage des Leergutpfands.