Pressemeldung, 8. Juni 2020

„Angsträume“ und lange Wege verhindern stärkere ÖPNV-Nutzung im Gewerbegebiet Marsdorf

Die Beschäftigten der Betriebe im Gewerbegebiet in Köln-Marsdorf würden gerne häufiger den ÖPNV nutzen. Die Pendler wünschen sich dafür aber eine bessere Anbindung und Taktung sowie eine Stärkung ihres Sicherheitsgefühls. Das ist das Ergebnis einer Beschäftigtenbefragung mit mehr als 700 Teilnehmern und einer Angstraumanalyse der IHK Köln.
„Eine gute ÖPNV-Anbindung von Unternehmen in Gewerbegebieten wird zunehmend wichtiger“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln. „Auch, wenn wir in diesen Krisenzeiten eine temporäre Veränderung bei der Nutzung des ÖPNV feststellen, müssen wir die Zeit nach Corona im Blick behalten. Ein guter Verkehrsmix und Nachhaltigkeit bleiben sehr wichtige Ziele.“
Schon vor der Corona-Krise war für die Mehrheit der Marsdorf-Pendler der PKW das Hauptverkehrsmittel. Vornehmlich den ÖPNV nutzen nur diejenigen ohne Führerschein und insbesondere Auszubildende und geringfügig Beschäftigte. Die Autonutzer kritisierten in der Befragung, dass der Weg von der Haltestelle zum Arbeitsplatz zu lang oder die Taktung im ÖPNV nicht ausreichend sei. Das Auto sei im Vergleich attraktiver.
„Die gute Nachricht ist, dass eine große Mehrheit bekundet hat, bei besseren Bedingungen den ÖPNV häufiger nutzen zu wollen“, sagt Soénius. Die IHK Köln schlägt daher auf Basis der Studienergebnisse eine Reihe von Maßnahmen vor. So könnte etwa in einem Pilotprojekt eine neue Buslinie durch das Gewerbegebiet geführt und damit die Anbindung der Betriebe verbessert werden. Eine weitere Möglichkeit sei, die vorhandenen Haltestellen mit Leihrädern oder E-Rollern aufzuwerten, so Soénius. Zudem zeigten die Befragungsergebnisse, dass es genug Nachfrage für eine höhere Taktung in den Tagesrandzeiten gebe.
Eine weitere wichtige Erkenntnis der Befragung ist, dass viele Befragte die Wege in Marsdorf bei Dunkelheit derzeit als „unsicher“ wahrnehmen. Das hält insbesondere Pendlerinnen davon ab, mehr mit Bus und Bahn zu fahren. Die IHK Köln hat die Situation mit einer zusätzlichen Angstraumanalyse daher genauer beleuchtet. „Insbesondere für diejenigen, die in der Spätschicht arbeiten, ist die Situation unangenehm. Sie nehmen das Umfeld als ‚Angstraum‘ wahr“, sagt Soénius. Verbessern ließe sich diese Wahrnehmung mit einer Reihe von Maßnahmen, darunter mehr Sauberkeit, eine ausreichende Beleuchtung, Sichtachsen oder auf den öffentlichen Raum ausgerichtete Fenster.
Anmerkung: Die IHK Köln musste angesichts der Corona-Pandemie die geplante Präsentation der Ergebnisse im Gewerbegebiet Marsdorf absagen. Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Die Befragungsergebnisse und die Angstraumanalyse finden Sie auf dieser Seite.