Pressemeldung, 30. Januar 2020

Abschwung abgebremst – Unternehmen wieder etwas optimistischer

Der konjunkturelle Abschwung im Bezirk der IHK Köln (Köln, Leverkusen/Rhein-Berg, Rhein-Erft-Kreis, Oberbergischer Kreis) hat sich abgeschwächt. Nach vielen Jahren des Booms und einer deutlichen Eintrübung im vergangenen Jahr schauen die Unternehmen wieder etwas zuversichtlicher nach vorne.
Das zeigt der Konjunkturbericht der IHK Köln für den Winter 2019/2020. An der Umfrage haben sich 685 Unternehmen beteiligt. Insgesamt liegt der IHK-Konjunkturklimaindikator nun bei 102 Prozent und damit wieder im positiven Bereich, aber weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt von 112,5. „Die Ergebnisse sind ein Beleg für die Stärke der Unternehmen in unserer Region“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt. „Brexit, Strafzölle, Handelskonflikte – die Situation im Außenhandel ist eine Herausforderung. Trotz dieses Gegenwinds aus der internationalen Politik behauptet sich die regionale Wirtschaft auf einem hohen Niveau. Das liegt vor allem an der guten Inlandsnachfrage.“
Nachdem die Unternehmen im vergangenen Jahr ihre Geschäftslage zunehmend schlechter beurteilt hatten, ist der Indikator für die Geschäftslage im Winter nur noch leicht um 3,5 Punkte auf 15,2 Prozent zurückgegangen. Dagegen haben sich die Erwartungen deutlich verbessert - von -17,5 auf -9,7 Prozent. Sie liegen insgesamt allerdings noch immer im negativen Bereich. „Trotz dieser Erholung sind die Unternehmen weiterhin vielen Belastungen ausgesetzt, nicht nur im Außenhandel, sondern zum Beispiel auch durch hohe Energiekosten“ sagt Reichardt. „Weitere Belastungen sollten daher unbedingt vermieden werden. Wir müssen in der öffentlichen Debatte wieder mehr über Entlastungen reden – zum Beispiel bei der im internationalen Vergleich sehr hohen Steuerquote in Deutschland.“
Stimmung in der Immobilienwirtschaft am besten
Beim Blick auf die einzelnen Branchen zeigen sich unterschiedliche Tendenzen. Die Lagebewertung der Handelsunternehmen ist abermals gesunken, während sie sich in den Dienstleistungsbranchen nicht verändert hat.
Am besten ist die Stimmung derzeit bei den Unternehmen in der Immobilienwirtschaft sowie der Unternehmensberatung und der Informationswirtschaft. Die stabile Nachfrage im Inland und der Dienstleistungssektor stützen die Konjunktur.

Industrie vermeldet erneut Auftragsrückgang
Weniger erfreulich ist die Lage dagegen in der Industrie. Weiterhin bewerten rund 24 Prozent der Unternehmen ihre Lage als schlecht. 27 Prozent bewerten sie als gut, 49 Prozent zumindest als zufriedenstellend.

Dafür sind die Zukunftserwartungen der Industrie etwas besser geworden. 14 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer besseren Geschäftsentwicklung (vorherige Umfrage: 5,7 Prozent). Insgesamt ist der Erwartungsindikator in diesem Sektor jedoch weiterhin im negativen Bereich (-18,8 Prozent).
Auch die Auftragseingänge in der Industrie sind im Winter abermals zurückgegangen. Der Saldo ist von -26,3 Prozent auf -30,6 Prozent gesunken. Zum Winter 2019/2020 melden rund 18 Prozent der Unternehmen mehr Aufträge als zum Herbst (vorherige Umfrage: 21,7 Prozent). Bei 34 Prozent ist der Auftragseingang gleich geblieben (30,3 Prozent), bei 48 Prozent gesunken. Die Entwicklung spiegelt sich auch in leicht zurückgegangen Beschäftigungsplänen wider. Mit weniger Mitarbeitern planen nun rund 37 Prozent der Unternehmen (31,6 Prozent).

Exporterwartungen wieder stabiler
Die Industrieunternehmen blicken zumindest wieder etwas zuversichtlicher auf den Außenhandel. Zuletzt hatten sich die Erwartungen seit dem Frühjahr 2018 stetig verringert. Jetzt hat sich der Anteil der Betriebe, die einen Rückgang in ihrem Auslandsgeschäft in den kommenden zwölf Monaten erwarten, deutlich reduziert und liegt bei rund 28 Prozent (vorherige Umfrage: 39,9 Prozent). Rund 63 Prozent rechnen mit einem gleichbleibenden Exportaufkommen (49,7 Prozent).

Das Umfeld für den Außenhandel bleibt aber trotz der Klarheit beim Brexit und dem US-amerikanisch-chinesischen Handelsabkommen schwer kalkulierbar. So haben sich mit dem Konflikt über die Ostseepipeline Nord-Stream-2 und den Auseinandersetzungen im Nahen Osten – Stichwort Ölpreis – weitere politische Risiken konkretisiert.
Protektionismus belastet regionale Wirtschaft
In einer Sonderumfrage hat die IHK Köln die Unternehmen auch nach den Folgen der protektionistischen Wende im globalen Handel gefragt. 70 Prozent der befragten Unternehmen erwarten, dass protektionistische Maßnahmen zunehmen werden. Rund ein Drittel fürchtet deshalb negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft.
Die Firmen reagieren ganz unterschiedlich auf diese Entwicklung. Gut ein Drittel der Firmen möchte Produktionsstandorte in anderen Wirtschaftsräumen auf- oder ausbauen. Weit mehr als die Hälfte der Unternehmen will sich jedoch beim Vertrieb stärker auf den europäischen Binnenmarkt konzentrieren. Manche Firmen planen innovative Wege, internationale Kunden auch ohne den physischen Versand von Waren zu bedienen. So überlegen elf Prozent der Firmen, Produktionslizenzen an Firmen im außereuropäischen Ausland zu vergeben, zwölf Prozent wollen 3-D-Druck und digitale Dienstleistungen ausbauen.
Fachkräftemangel bleibt größtes Risiko
Als das größte Geschäftsrisiko geben die Unternehmen seit mehr als zwei Jahren am häufigsten den Fachkräftemangel an. In zahlreichen Branchen, darunter die Unternehmen im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Baugewerbe und im Einzelhandel, rangiert der Fachkräftemangel unter den Risiken auf Platz eins. Als große Risikofaktoren angesehen werden darüber hinaus die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen fürchten die Unternehmen am häufigsten Belastungen durch zunehmende Bürokratie (79 Prozent).
Einstellungsbereitschaft hat abgenommen
Zum Winter 2019/2020 hat die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen im IHK-Bezirk insgesamt weiter abgenommen. 22 Prozent (vorherige Umfrage: 20,6 Prozent) aller befragten Unternehmen geben an, in den kommenden Monaten weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen. Mit weniger Mitarbeitern planen rund 24 Prozent (19,2 Prozent). Die Mehrheit von knapp 54 Prozent (60,2 Prozent) möchte an dem derzeitigen Beschäftigungsstamm festhalten.
Die Ergebnisse für die Stadt Köln:
Die Lageeinschätzung der Unternehmen in der Stadt Köln hat sich im Vergleich zur vorherigen Umfrage kaum verändert. Rund 35 Prozent der Unternehmen melden eine gute Lage (vorherige Umfrage: 32,3 Prozent) und knapp 16 Prozent eine schlechte Lage (13,3 Prozent). Sie blicken aber mittlerweile wieder optimistischer in die Zukunft. Der Erwartungsindikator ist von einem Saldo von -15,2 im Herbst auf einen Saldo von -2,9 angestiegen. Rund 19 Prozent der Unternehmen gehen von einer besseren Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten aus (10,3 Prozent). Rund 22 Prozent erwarten eine schlechtere Entwicklung (25,5 Prozent). Den Fachkräftemangel, die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nennen die Kölner Unternehmen als Hauptrisiken.
Die Beschäftigungspläne sind per Saldo etwas zurückhaltender als zuletzt. Aktuell planen rund 27 Prozent der Unternehmen mit mehr Personal (23,6 Prozent). Rund 22 Prozent gehen davon aus, weniger einzustellen (17,1 Prozent).