Pressemeldung, 1. Oktober 2020

„Die Soziale Marktwirtschaft ist moderner denn je“

 30 Jahre Deutsche Einheit – was bedeutete das Ende der Teilung Deutschlands für die Unternehmen hierzulande und die wirtschaftliche Selbstverwaltung? Darüber hat sich Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, in einem Interview für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin, dem Dachverband der IHKs, geäußert.
„Bei allen Schwierigkeiten, die die Umstellung des Wirtschaftssystems mit sich brachten, hat die Wiedervereinigung der deutschen Wirtschaft einen Schub gegeben“, so der Wirtschaftshistoriker Soénius. „Die Vergrößerung des Binnenmarktes, die motivierten Fachkräfte und die Möglichkeit, den Außenhandel in Richtung Osteuropa noch stärker zu intensivieren, waren positive Aspekte.“ Dagegen war „die – damals als ‚alternativlos‘ eingeschätzte – Währungsumstellung noch vor der staatlichen Vereinigung problematisch.“

Für die duale Berufsausbildung mussten Tausende von Prüfern gewonnen werden

Eine besonders große Leistung der IHKs war nach seinen Worten die Einführung der dualen Berufsausbildung: „Hier zeigte sich die ‚unternehmerische Selbstverwaltung‘ in ihrer ausgeprägtesten Form. Tausende von Prüfern mussten gewonnen und gehalten, die Strukturen geschaffen und ausgebaut werden. Diese Leistung ist neben vielen anderen Tätigkeiten mit den IHKs verbunden, auch mit denen aus dem Westen, die Aufbauhilfe leisteten. Als dann die Schließung vieler Industriebetriebe anstand, waren es die IHKs, die vor Ort auf Alternativsuche gingen und die Situation versuchten aufzufangen.“
Soénius: „Die Soziale Marktwirtschaft ist kein Ladenhüter. Die Angleichung der Lebensverhältnisse funktioniert nur durch die Soziale Marktwirtschaft.“ Dazu benötigten die Unternehmen aber möglichst wenig Bürokratie und regulierende Eingriffe, öffentlich-rechtlich organisierte, umgesetzte und instandgehaltene Infrastruktur, die Partnerschaft zwischen ‚Arbeit und Kapital‘ sowie die Akzeptanz in breiten Bevölkerungsschichten. Die Soziale Marktwirtschaft „ist moderner denn je“, so der Kölner Wirtschaftshistoriker.