Stadtplanung

Wie sieht die Zukunft unserer Innenstädte aus?

Während der Online-Handel boomt, melden immer mehr stationäre Unternehmen Insolvenz an. Geschäfte schließen, Ladenlokale stehen dauerhaft leer. Die Corona-Pandemie beschleunigt den tiefgreifenden Wandel, den Metropolen und ihre Regionen erfahren. Ein Blick in die Kölner City offenbart jedoch, dass die Probleme auch noch ganz woanders liegen. Der IHK-Ausschuss für Stadt- und Regionalentwicklung prangert an, wo es hakt – und fordert ganzheitliche Konzepte und eine strategische Planung für die Wiederbelebung der Zentren im Bezirk der IHK Köln.
Text: Katharina Hamacher
Fotos: Johannes Schilling
Einladende Gastronomie neben ansprechend gestalteten Einzelhandelsgeschäften, zwischendrin gepflegte Grünflächen mit Bänken zum Verweilen. Wer die Kölner Innenstadt und die Zentren der umliegenden Kommunen kennt, weiß: Szenarien wie diese treffen eher nicht auf die rheinische Metropole und ihre Region zu. Dabei sind es genau diese Merkmale, die Aufenthaltsqualität schaffen, Innenstädte beleben und kaufkräftige Kundschaft anziehen. Darin sind sich Expert:innen einig. Ein Blick in die Kölner Einkaufsmeilen offenbart allerdings ein ganz anderes Bild: Viele Gewerbeimmobilien stehen leer, statt spezialisierter Fachgeschäfte und breit gefächerter Gastronomie reihen sich Handelsketten und Fast-Food-Filialen aneinander. Und wer ein gemütliches Plätzchen für eine kleine Verschnaufpause sucht, muss sich vor Ort schon ziemlich gut auskennen, um fündig zu werden.
Unterm Strich lasse die Aufenthaltsqualität in Köln und vielen Städten in der Region sehr zu wünschen übrig, sagt Johannes Schilling, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Stadt- und Regionalentwicklung. Genau die sei aber entscheidend, um dem boomenden Online-Handel entgegenzuwirken. „Eine Metropole definiert sich als Stadt mit einer großen City, die sich durch Qualität auszeichnet. Doch Qualität ist in Köln in den vergangenen Jahren leider sehr vernachlässigt worden.“ Zwar seien Missstände wie der zunehmende Leerstand selbst in Premium-Lagen durch die Corona-Pandemie beschleunigt worden, bekräftigt Schilling. „Die Probleme haben sich aber definitiv schon vorher abgezeichnet.“
Genau diese Probleme möchten die beiden Ausschussvorsitzenden Johannes Schilling und Anton Bausinger gemeinsam mit ihren engagierten Mitstreiter:innen langfristig ändern. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Ausschusses haben in der Vollversammlung eine Resolution zur Kölner Innenstadt auf den Weg gebracht, die auf große Zustimmung gestoßen ist (siehe Infokasten). Darin fordern die Unternehmer:innen aus dem IHK-Bezirk die Entwicklung einer klaren Strategie und übergreifender Konzepte, um eine „Erlebniswelt Innenstadt“ zu schaffen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir Bürger:innen und Besucher:innen einen Mehrwert bieten müssen“, betont Anton Bausinger. Das können überraschende Shopping-Konzepte wie Pop-up-Stores sein, also Geschäfte mit wechselnden, zeitlich begrenzten Angeboten, die kurzfristig in leerstehenden Ladenlokalen eröffnen könnten. Aber auch Events sowie sportliche und kulturelle Angebote gehören nach Ansicht führender Expert:innen in eine attraktive Innenstadt, die auch jüngere Menschen anziehen soll.
Resolution für ein zukunftsfähiges Köln
In der Resolution zur Kölner Innenstadt fordern die Mitglieder der IHK-Vollversammlung, die Coronakrise als Chance für eine innovative Revitalisierung der Innenstadt zu nutzen. Ziel ist, ein Leitbild zu entwickeln und eine sichtbare Veränderung hin zu einem zukunftsfähigen, vielfältigen und attraktiven Köln zu verfolgen.
„Das Thema Wohnen ist zudem ein wichtiger Aspekt“, sagt Schilling. Ein facettenreicher Mix entstehe auch dadurch, dass Menschen die Möglichkeiten haben, in der Mitte ihrer Stadt zu leben. Dafür sieht der Ausschuss auch die Immobilienbesitzer:innen in der Pflicht, die sich in puncto Mietpreise bewegen müssten. Leerstehende Gewerbeimmobilien könnten kurzfristig zu Wohnraum umgenutzt werden.
Was das bewirken kann, zeigt sich etwa in den Kölner Veedeln. Beliebte Stadtteile wie Ehrenfeld, Nippes oder Sülz punkten mit genau den Attributen, die sich der Ausschuss für die Innenstadt wünscht: spezialisierter Einzelhandel und multikulturelle Gastronomie, ansprechend gestaltete Treffpunkte und breit gefächerte Freizeitangebote. „Viele Kölner Veedel sind deshalb so charmante Orte, weil sie von engagierten Interessengemeinschaften vorangebracht und gepflegt werden“, beobachtet der Kölner Unternehmer Schilling, geschäftsführender Gesellschafter der Galerie Boisserée im Minoritenviertel.
Naheliegend also, dieses Erfolgskonzept auch auf die Kölner Innenstadt und die Zentren in den umliegenden Kommunen zu übertragen. Deshalb fordert die Vollversammlung den Einsatz einer engagierten Persönlichkeit, die gemeinsam mit ihrem Team zielorientiert die Wiederbelebung der Kölner City fokussiert. Das kann ein professionelles City-Management oder eine stadteigene Stabsstelle sein, die dank kürzerer Entscheidungswege schnell spürbare Veränderungen bewirken.
Es gibt sehr viele Ideen, die sich teilweise auch schnell und unbürokratisch umsetzen ließen. Was wir jetzt brauchen, ist ein Motor, der die Sache vorantreibt.

Anton Bausinger, geschäftsführender Gesellschafter der Bauunternehmung Friedrich Wassermann.

Diese Führungspersönlichkeit sollte neben einer leidenschaftlichen Vision auch einen liebevollen Blick auf die Stadt mitbringen – ebenso wie internationale Erfahrung und die Bereitschaft zum dringend notwendigen Austausch mit anderen Städten.
Schließlich gibt es genügend Beispiele, die dank strategischer Planung und innovativer Konzepte mit lebendigen, attraktiven Innenstädten punkten. Und die sind gar nicht mal so weit entfernt. Düsseldorf beispielsweise mit seiner Vielzahl an qualitativ hochwertigen Geschäften, ansprechend gestalteten Plätzen und innerstädtischen Grünflächen gilt als Metropole mit internationalem Flair und großer Anziehungskraft. „Grün und Wasser ins Stadtbild zu integrieren, halte ich schon allein mit Blick auf den Klimaschutz für sehr wichtig“, betont Schilling und verweist auf begrünte Fassaden und Dächer, Brunnen und Wasserflächen in Hamburg, Paris und Lyon.
Ein Blick ins Nachbarland Belgien zeigt, dass international beachtete Leuchtturmprojekte wie der vom Stararchitekten und Künstler Santiago Calatrava gestaltete Bahnhof Liège-Guillemins in Lüttich eine Stadt positiv prägen. Das gilt auch für die Umnutzung von Industriebrachen in attraktive Wohn-, Kultur- und Erholungsflächen. Als herausragendes Beispiel für das erfolgreich umgesetzte Konzept des langsam wachsenden Urbanismus gilt Antwerpen. Dort treiben visionäre Planer:innen die Entwicklung der Stadt mit zukunftsweisenden Ideen und Strategien seit Jahren voran.
Solch ein Engagement wünschen sich die Ausschussvorsitzenden auch für ihre Stadt: „Die Kölner City national wie international wieder nach vorne zu bringen, wird kein leichter Weg sein. Aber wenn alle Innenstadtakteure mit einem engagierten ‚Kopf‘ an der Spitze an einem Strang ziehen, dann kann uns das gelingen“, betont Anton Bausinger.
Der Ausschuss für Stadt- und Regionalentwicklung

Die Region Köln attraktiv und zukunftsfähig zu machen, lautet die Mission des IHK-Ausschusses für Stadt- und Regionalentwicklung, der vor einem Jahr seine Arbeit aufgenommen hat. Ein wichtiger Punkt auf der Agenda der ehrenamtlich engagierten Mitglieder ist, die Zukunft der Innenstädte durch innovative Konzepte zu sichern. Dabei legen die Vorsitzenden Anton Bausinger und Johannes
Schilling großen Wert darauf, Köln und die Region gemeinsam zu denken und aus Sicht der Gesamtwirtschaft attraktiv zu gestalten. Die Konzepte, die der Ausschuss erarbeitet, sollen auf andere Städte übertragbar sein. Aktuell umfasst die Arbeitsgruppe rund 20 Mitglieder, engagierte Unternehmer:innen sind immer willkommen. Besonders jüngere und weibliche Ehrenamtliche könnten den Ausschuss bereichern. Melden Sie sich gerne bei Ester Manieck i !