IHKplus 06/2022

Die zweigeteilte Straße: Interviews mit Geschäftsleuten

Fünf Geschäftsleute sprechen über die Vor- und Nachteile ihres Standortes an der Kölner Straße in Opladen.
Interviews: Lothar Schmitz

„Das Stadtbild verbessert sich langsam, aber kontinuierlich“

Ein Sportgeschäft gibt es an der Kölner Straße 96 in Opladen schon lange. Seit 15 Jahren ist hier Felten Sports zu Hause. Inhaber Gerrit Felten und seine vier Beschäftigten bieten Ausrüstung für viele Sportarten. Überregional bekannt sind sie vor allem für ihren Service rund um Tennis und Skifahren.
Welche Vorteile bietet Ihnen die Lage an der Kölner Straße?
Wir sind mit unserer Lage zufrieden. Der zentrale Marktplatz ist nur vier Minuten entfernt, gleichzeitig haben wir in unserem Bereich der Kölner Straße zum Glück keine Fußgängerzone, denn viele unserer Kunden kommen per Pkw, teils bis aus Köln, Düsseldorf und dem Bergischen Land. Eine Skiausrüstung lässt sich schlecht auf dem Fahrrad transportieren. Zudem hat Opladen insgesamt durch die Entwicklung der „neuen bahnstadt opladen“ gewonnen. Und auch das Stadtbild verbessert sich – zwar langsam, aber kontinuierlich.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?
Die Parksituation hier ist nicht gut. Wir haben zu wenig eigene Parkplätze, und öffentliche gibt es leider auch nicht genug. Zudem war das Erscheinungsbild unseres Teils der Kölner Straße lange Zeit schlecht, wir hatten beispielsweise eine Tankstelle direkt gegenüber. Die gibt es zum Glück nicht mehr. Schlimm ist aber, dass hier immer wieder Pkws unverantwortlich rasen.
Die Stadt hat die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende entlang der Kölner Straße zu einem Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Straße eingeladen. Unter anderem gibt es die Idee, den Teil, der nicht Fußgängerzone ist, in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Wie stehen Sie dazu?
Eine Fußgängerzone wäre tödlich für uns. Aber eine Einbahnstraße, in der der Verkehr von Nord nach Süd flösse, würde ich begrüßen. Dadurch würde sich das Problem mit der Raserei reduzieren, außerdem entstünden mehr Parkflächen.
Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?“
Im Grunde bin ich zufrieden und habe keine großen Wünsche. Mit einer Ausnahme: mehr Parkplätze. Darum müsste sich die Stadt wirklich kümmern. Alles andere bekomme ich als Unternehmen selbst gestemmt.

„Wir schätzen die Erreichbarkeit und gute Lage“

110 Jahre und immer am selben Standort – das können nicht viele Geschäfte von sich behaupten. Auf Hut- und Schirmmoden Adrion an der Kölner Straße in Opladen trifft das zu. 1968 kaufte Christian Kappertz das Geschäft von der Gründerfamilie. Er ist inzwischen 85 Jahre alt, aber immer noch im Laden aktiv .
Welche Vorteile bietet Ihnen die Lage an der Kölner Straße?
Wir schätzen hier besonders die Erreichbarkeit und gute Lage. Die hat sich in all den Jahrzehnten nicht geändert. Vor Jahren gab es mal das Angebot, weiter nördlich ein Ladengeschäft in der Fußgängerzone zu beziehen. Wir haben uns dagegen entschieden und sind hier geblieben. Das war gut, denn hier erreichen uns auch die vielen Kunden, die per Pkw von weit außerhalb kommen, gut. Außerdem verbindet man uns einfach mit diesem Standort hier, seit 110 Jahren.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?
Lange Zeit waren wir hier zufrieden. Dann hat uns Corona, wie so viele andere, schwer getroffen, da war hier „tote Hose“. Das hat sich zum Glück längst wieder gebessert, aber noch nicht ganz wieder normalisiert. Was wir aber davon unbenommen bemängeln, ist die Parksituation. Es gibt zu wenig freie Kurzzeit-Parkplätze. Ärgerlich ist, dass einige Anwohnerinnen und Anwohner ihre Fahrzeuge über die erlaubten Zeiten hinaus stehen lassen. Außerdem sind die offiziellen Be- und Entladezonen immer wieder zugeparkt. So müssen Lieferfahrzeuge und Paketdienste zu oft in zweiter Reihe halten. Darüber hinaus hat die Sauberkeit hier stark nachgelassen.
Die Stadt hat die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende entlang der Kölner Straße zu einem Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Straße eingeladen. Unter anderem gibt es die Idee, den Teil, der nicht Fußgängerzone ist, in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Wie stehen Sie dazu?
Auf jeden Fall kann man die Situation in der Kölner Straße verbessern. In Sachen Parkraum, wie gesagt, oder Sauberkeit. Aber eine Einbahnstraßenregelung fände ich problematisch. 50 Prozent unserer Kunden kommen von auswärts. Möglicherweise würde manche von ihnen fernbleiben, wenn es mühsamer wird, zu uns zu gelangen.
Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?“
Mehr guter Einzelhandel! Nach meiner Beobachtung hat die Zahl guter inhabergeführter Einzelhandelsbetriebe nachgelassen. Das ist schade für die Menschen – und für verbliebene Fachhändler wie uns, die ja immer auch davon profitieren, dass es einen möglichst lebendigen Handelsmix drumherum gibt.

„Die Leute kommen gerne“

Fatih Kaplan betreibt seit fünf Jahren das Café Deyck’s in Leverkusen-Opladen. Es befindet sich in dem Teil der Kölner Straße, der seit vielen Jahren Fußgängerzone ist.
Welche Vorteile bietet Ihnen die Lage an der Kölner Straße?
Ich habe vor fünf Jahren das Café Deyck’s inmitten der Fußgängerzone gepachtet. Die beiden Coronajahre waren natürlich sehr schwierig. Davor lief es aber richtig gut, und jetzt kommen immer mehr Gäste zurück, die Zahlen steigen zum Glück wieder. Wir haben hier eine richtig gute Lage, direkt in der Fußgängerzone, mitten im Zentrum. Es gibt viel Laufpublikum, vor allem donnerstags, wenn hier Markt ist. Unsere Terrasse kommt sehr gut an, aber auch die Innenräume sind gefragt, im Alltag ebenso wie für Partys, zum Beispiel Geburtstage.
Mir gefällt auch der Zusammenhalt vieler Gastronomen. Die Stadt hat alle, die Außengastronomie betreiben, gebeten, Tische und Stühle in einer bestimmten Farbe zu wählen, nämlich anthrazit. Wir haben uns daran gehalten, viele andere auch. So sieht es einheitlich und stimmig aus, das finde ich gut.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?
Wie so viele Kolleginnen und Kollegen ärgert uns, dass der Außenbetrieb auf unserer schönen Terrasse nur bis 22 Uhr erlaubt ist. Die Leute würden an warmen Frühlings- und Sommertagen gerne länger bleiben, vor allem an den Wochenenden. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe zu wenig Parkplätze.
Die Stadt hat die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende entlang der Kölner Straße zu einem Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Straße eingeladen. Unter anderem gibt es die Idee, den Teil, der nicht Fußgängerzone ist, in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Wie stehen Sie dazu?
Das betrifft uns hier in der Fußgängerzone meines Erachtens nicht, deshalb habe ich mir dazu noch keine Meinung gebildet.
Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?“
Dass es grüner wird! Es wäre schön, wenn es in der Fußgängerzone mehr Blumen und mehr Bäume gäbe. Die Menschen mögen das, es sähe einfach schöner aus und würde für mehr Aufenthaltsqualität sorgen. Wir haben das auf unserer Terrasse verwirklicht, aber es könnte auf der Straße viel mehr sein.

„Mit dieser Lage sind wir sehr zufrieden“

Vor fast zehn Jahren eröffneten Konditor Sascha Weidner und seine Mutter Monika an der Kölner Straße in Opladen ihr Geschäft und Café namens Feinkochtopf. Jeden Tag gibt es ein frisch gekochtes Gericht, außerdem selbst gemachte Fruchtaufstriche, Chutneys, Saucen und mehr.
Welche Vorteile bietet Ihnen die Lage an der Kölner Straße?
Sascha Weidner: Als wir vor über zehn Jahren über eine Geschäftseröffnung nachdachten, war klar: Wir wollten auf jeden Fall hier in Opladen, am besten an der Kölner Straße, sein. Gerne in der Fußgängerzone, aber dort fanden wir kein passendes Angebot. Also haben wir ein Ladenlokal jenseits der Fußgängerzone bezogen. 2020 sind wir in ein größeres Geschäft umgezogen. Jetzt sind wir nur 20 Meter von der Fußgängerzone entfernt. Mit dieser Lage sind wir sehr zufrieden. Der Marktplatz ist gleich um die Ecke, gegenüber ist eine Filiale von Rossmann, außerdem eine Bushaltestelle. Im Grunde ist es hier sogar besser als in der Fußgängerzone selbst. Zudem schätzen wir hier den schönen Branchenmix, einige Läden sind noch inhabergeführt.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?
Monika Weidner: Der Verkehr hat schon enorm zugenommen, das ist nicht immer schön. Dafür hat die Sauberkeit nachgelassen. Da würden wir uns mehr Mülleimer und kürzere Reinigungszyklen wünschen.
Die Stadt hat die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende entlang der Kölner Straße zu einem Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Straße eingeladen. Unter anderem gibt es die Idee, den Teil, der nicht Fußgängerzone ist, in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Wie stehen Sie dazu?
Monika Weidner: Eine Einbahnstraße wäre schon sinnvoll. Vor allem, wenn der Verkehr von Süd nach Nord geführt würde, also zur Fußgängerzone hin.
Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?“
Sascha Weidner: Große Wünsche haben wir nicht. Aber kleine! Nämlich mehr Ordnung und Sauberkeit. Es ist doch so: Wenn es in einer Ecke anfängt nachzulassen, dann zieht das schnell Kreise. Außerdem: Die Fußgängerzone wurde in den vergangenen Jahren ja aufgewertet, das sollte man auch im weiteren Verlauf der Kölner Straße angehen. Hier ist alles etwas in die Jahre gekommen. Schön gestaltete Baumscheiben wären zum Beispiel ein guter Anfang.

„Als Geschäftsleute fühlen wir uns bisweilen alleingelassen“

Auf eine 73-jährige Firmengeschichte blickt Juwelier & Goldschmiede Kopp in Opladen zurück. Karl Kopp gründete das Unternehmen 1949, sein Sohn Michael übernahm vor zwölf Jahren. Er engagiert sich zudem als Vorstandsmitglied der AktionsGemeinschaft Opladen e. V.
Welche Vorteile bietet Ihnen die Lage an der Kölner Straße?
Wir sind seit 73 Jahren an der Kölner Straße 16 ansässig, der Eingang liegt an der Birkenbergstraße. Das zeigt schon: Wir finden, dass es ein guter Standort ist. Hier, in der Fußgängerzone, hat viel Wandel stattgefunden, es ist jetzt eine schöne Aufenthalts- und Flanierzone. Die Frequenz ist gut, die Leute kommen. Aber auch die „obere Kölner Straße“ – so nennen wir den südlichen Teil, der nicht Fußgängerzone ist – ist interessant, sie bietet dort noch einige inhabergeführte Fachgeschäfte und einen ganz guten Branchenmix.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?
Über die Fußgängerzone kann ich, wie gesagt, nicht klagen. In der oberen Kölner Straße hingegen finde ich die zweispurige Verkehrsführung problematisch, hier herrscht wirklich viel Verkehr, das mindert schon sehr die Aufenthaltsqualität. Was mir zudem auffällt: Die gesamte Kölner Straße hat durchaus Potenzial, ist aber an vielen Stellen zu wenig gepflegt. Es fehlt an Mülleimern, die Baumscheiben und Pflanzkübel wirken vernachlässigt. Wir haben hier im Städtevergleich wirklich hohe Gebühren, der Service ist aber oft schlecht. Als Geschäftsleute und Anlieger fühlen wir uns da bisweilen alleingelassen. Das muss sich ändern.
Die Stadt hat die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende entlang der Kölner Straße zu einem Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Straße eingeladen. Unter anderem gibt es die Idee, den Teil, der nicht Fußgängerzone ist, in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Wie stehen Sie dazu?
Eine Einbahnstraße hätte schon Vorteile. Es würde zum Beispiel mehr Platz für Außengastronomie entstehen, dadurch würde die Verweilqualität steigen. Es muss aber gar nicht unbedingt eine Einbahnstraße sein. Helfen würde schon, wenn zum Beispiel Busse durch Seitenstraßen geführt würden oder der Durchgangsverkehr durch ein intelligentes Leitsystem umgeleitete würde, am besten über die Europaallee.
Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?“
Am liebsten wäre mir, drei Wünsche frei zu haben. Ich wünsche mir nämlich mehr Sauberkeit, Verbesserungen der Verkehrssituation – und weiterhin einen guten Branchenmix. Das zusammen würde die Attraktivität der Kölner Straße steigern, alle würden davon profitieren.

Kontakt

Tatjana Schmidt
Digitalisierung