4. September 2026

Druck aus China wächst

Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen nimmt deutlich zu. Das geht aus einer aktuellen Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, an der sich bundesweit mehr als 1.300 Unternehmen beteiligt haben.
In Hessen berichten 73 Prozent der antwortenden Unternehmen von wachsender Konkurrenz aus China. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 67 Prozent. „Der chinesische Exportdruck ist längst auch auf dem deutschen und hessischen Markt angekommen.”, sagt die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, Désirée Derin-Holzapfel. „Problematisch ist vor allem, dass chinesische Unternehmen in vielen Bereichen von erheblicher staatlicher Unterstützung und Subventionierung profitieren – von Rohstoffen über Strompreise bis hin zu direkten staatlichen Zuschüssen. Wo der Staat massiv in den Wettbewerb eingreift, herrschen keine vergleichbaren marktwirtschaftlichen Bedingungen mehr. Dies sage ich durchaus ebenso mit Blick darauf, dass Politik auch in Europa wieder stärker ordnungspolitischen Grundsätzen folgen sollte.“
Auch bezüglich der Reaktionen auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck zeigt sich in Hessen ein klares Bild: 69 Prozent der Unternehmen setzen auf Produktinnovationen, 58 Prozent auf Kostensenkungen und 45 Prozent auf die Erschließung neuer Absatzmärkte. Bundesweit nennen 60 Prozent der Unternehmen Produktinnovationen und 50 Prozent Kostensenkungen als zentrale Maßnahmen. „Unsere Unternehmen reagieren mit Innovation, Effizienz und neuen Märkten – nicht mit Rückzug“, betont Derin-Holzapfel. „Aber sie können nicht dauerhaft gleichzeitig gegen staatlich subventionierte chinesische Wettbewerber und gegen hausgemachte Wettbewerbsnachteile wie hohe Energiepreise, Bürokratie und langwierige Verfahren antreten.“
Von der Europäischen Union erwarten die Unternehmen vor allem ein geschlossenes und selbstbewusstes außenwirtschaftspolitisches Auftreten gegenüber China. In Hessen sprechen sich 70 Prozent dafür aus, bundesweit sind es 67 Prozent. Zugleich zeigt die Befragung, dass die Wirtschaft keine pauschale Abschottung wünscht: Bundesweit befürworten weniger als ein Drittel stärkere Handelsschutzmaßnahmen. In Hessen liegt die Zustimmung zu stärkeren Zollmaßnahmen bei 35 Prozent.
„Wer von Marktwirtschaft spricht, darf von fairen Spielregeln nicht schweigen.“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „Neue Zölle allein lösen das Problem nicht. Entscheidend ist, dass Deutschland seine eigene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnt – mit angemessenen Energiepreisen, weniger Bürokratie, schnelleren Verfahren und besseren Investitionsbedingungen. Gerade der innovative Mittelstand ist eine besondere Stärke unseres Wirtschaftsstandortes. Damit er diese Stärke auch im internationalen Wettbewerb ausspielen kann, braucht er Freiräume statt zusätzlicher Regulierung.“
Auch bei der grundsätzlichen Haltung zu einer härteren Handelspolitik liegen Hessen und der Bund nahezu gleichauf: Knapp 56 Prozent der hessischen Unternehmen würden stärkere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China unterstützen, selbst wenn daraus Nachteile für das eigene Unternehmen entstehen könnten. Bundesweit sind es 55 Prozent. Derin-Holzapfel sagt dazu: „Der Wettbewerb mit China wird weiter zunehmen. Europa muss seine wirtschaftlichen Interessen selbstbewusst und konsequent vertreten. Die stärkste Antwort bleibt aber ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort, an dem Unternehmen investieren, produzieren und innovativ sein können.”
Hintergrund:
An der DIHK-Sonderumfrage zum Wettbewerb mit China beteiligten sich bundesweit mehr als 1.300 Unternehmen, darunter 101 Unternehmen aus Hessen.