2. Oktober 2026
IHK und Philipps-Universität Marburg zeichnen Nachwuchswissenschaftler aus
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg und die Philipps-Universität Marburg haben gestern Abend (Donnerstag, 1. Oktober) herausragende wissenschaftliche Arbeiten mit dem IHK-Wissenschafts- und dem Förderpreis 2026 gewürdigt.
Bei einer feierlichen Preisverleihung in der Alten Aula der Philipps-Universität Marburg erhielten Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk und M.Sc. Simon Paul Wilhelm Klute die Auszeichnungen für ihre exzellenten und wirtschaftlich relevanten Forschungsleistungen. Die Preise würdigen seit 1984 Dissertationen, Habilitationen, Masterarbeiten und andere Forschungsarbeiten mit besonderer Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Vergeben werden sie jährlich im Wechsel zwischen Kassel und Marburg.
Bildunterschrift: Ehrung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Alten Aula: (von links) Prof. Dr. Thomas Nauss (Präsident der Philipps-Universität Marburg), Thomas Winzer (stellvertretender Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg und Vorstandsmitglied INOSOFT AG Marburg), M.Sc. Simon Paul Wilhelm Klute (Preisträger IHK-Förderpreis), Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk (Preisträgerin IHK-Wissenschaftspreis), Prof. Dr. Daniel Braun (Festredner) und Oskar Edelmann (stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer).
Forschung mit Wirkung: Preisträger 2026
Den mit 5.200 Euro dotierten IHK-Wissenschaftspreis erhielt Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk aus dem Fachbereich Medizin für ihre Dissertation „Decoding the TP53 mutome: CRISPR perspectives on functional diversity and therapeutic interventions“. Ihre Arbeit liefert wichtige Grundlagen für eine personalisierte Krebsmedizin, bei der die Behandlung gezielter auf die genetischen Besonderheiten des Tumors abgestimmt werden kann. Zur Erklärung: Das Gen TP53 gilt als eine Art „Wächter“. Es erkennt Schäden im Erbgut und kann verhindern, dass sich geschädigte Zellen unkontrolliert vermehren und zu Krebs entwickeln. In vielen Tumoren ist dieser Schutzmechanismus durch Veränderungen im TP53-Gen gestört. Dr. Julianne Funk hat mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 mehr als 9.000 solcher Veränderungen systematisch untersucht.
Den Förderpreis in Höhe von 1.600 Euro nahm M.Sc. Simon Paul Wilhelm Klute aus dem Fachbereich Biologie entgegen. Mit seiner Masterarbeit „Utilizing NRPS Engineering to Enhance C-Terminal Peptide Diversity and Develop PROTACs for Undruggable Targets“ etabliert der Preisträger ein Konzept, mit dem die Entwicklung neuer PROTAC-Moleküle vereinfacht und deutlich beschleunigt werden kann. Zur Erklärung: Moderne Medikamente wirken häufig, indem sie an krankheitsrelevante Proteine binden und sie blockieren. Viele Proteine gelten bisher als schwer oder gar nicht mit klassischen Wirkstoffen behandelbar. Einen alternativen Ansatz bieten PROTAC-Moleküle, um krankheitsrelevante Proteine abzubauen. Bis heute gibt es allerdings aufgrund der hohen Komplexität der Entwicklung kein zugelassenes PROTAC-Medikament.
Innovationskraft durch Wissenstransfer
„Der Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft kommt der Innovationskraft von Unternehmen sowie der gesamten Region zugute und ist ein Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“, hob der stellvertretende Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung und Vorstandsvorsitzender der INOSOFT AG Thomas Winzer in seiner Begrüßung hervor. „Aus diesem Grund würdigen wir jedes Jahr Menschen, die diesen Transfer durch exzellente Forschungsarbeiten mit starkem Praxisbezug vorantreiben“, so Winzer. „Die dynamische Entwicklung unserer Region ist auch ein Verdienst der Universität Marburg und ihrer Forschung.“
Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg, sieht in exzellenter Wissenschaft den Boden, auf dem Innovationen gedeihen. „Die IHK-Preise sind seit mehr als 40 Jahren ein Symbol für die gute Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in unserer Region. Mein Dank gilt der IHK dafür, dass sie diese Preise seit dieser langen Zeit gemeinsam mit uns verleiht. Sie verkörpern auch die Erwartung, dass Erkenntnisse der Wissenschaft wirtschaftlich anwendbar oder verwertbar sind und daher zur Entwicklung unserer Region beitragen“, so Nauss. Dafür gebe es viele positive Beispiele, sowohl Start-ups als auch erfolgreiche Unternehmenskooperationen. „Daher bauen wir viele Brücken zwischen wissenschaftlicher Neugier und wirtschaftlicher Umsetzung.“
Zum Auftakt der Veranstaltung gab Prof. Dr. Daniel Braun, Professor für Informatik an der Philipps-Universität Marburg, einen Impuls zum Thema „Wer kontrolliert Künstliche Intelligenz? Wie Mensch und Maschine gemeinsam gute Arbeit gestalten“.
Jury und Tradition
Die Jury setzt sich aus Hochschullehrenden, Unternehmern und IHK-Vertretern zusammen. In diesem Jahr wirkten mit:
- Christof Bonn, NOLTA GmbH, Cölbe
- Jörg Diehl, SW-MOTECH GmbH & Co. KG, Rauschenberg
- Gunter Schneider, Schneider GmbH & Co. KG, Fronhausen
- Prof. Dr. Peter Lenz, Philipps-Universität Marburg, FB 13: Physik
- Prof. Dr. Bernhard Seeger, Philipps-Universität Marburg, FB 12: Mathematik und
Informatik - Prof. Dr. Michael Stephan, Philipps-Universität Marburg, FB 02: Wirtschaftswissenschaften
- Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg
Seit über 40 Jahren sind die Wissenschafts- und Förderpreise Ausdruck einer engen Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Nordhessen und der Region Marburg – und ein starkes Signal für die Innovationskraft der Region.
