9. September 2026

IHK fordert stärkeren Fokus auf Ausbildungsreife

Die Ergebnisse der neuen PISA-Studie geben aus Sicht der regionalen Wirtschaft Anlass zur Sorge. Demnach erreichen Deutschlands 15-Jährige in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000. Besonders problematisch: Rund ein Drittel der Jugendlichen erreicht in Mathematik beziehungsweise beim Lesen nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau.
„Diese Entwicklung ist längst nicht mehr nur ein bildungspolitisches Problem. Sie betrifft zunehmend auch die Bereiche Ausbildung, Fachkräftesicherung und damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts“, sagt Dr. Thomas Fölsch, Bereichsleiter Bildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg.
Die Ergebnisse deckten sich mit den Erfahrungen vieler Ausbildungsbetriebe. Unternehmen müssten immer häufiger zusätzliche Zeit und Ressourcen investieren, um fehlende schulische Grundlagen aufzuarbeiten. Laut der aktuellen DIHK-Ausbildungsumfrage berichten rund vier von zehn Betrieben von Defiziten in Mathematik, Deutsch oder wirtschaftlichem Grundwissen. Auch in den Naturwissenschaften und in Englisch seien Lücken weit verbreitet. Viele Unternehmen unterstützten Jugendliche bereits mit Nachhilfe, zusätzlicher Förderung und intensiver persönlicher Begleitung. „Ausbildungsbetriebe sind bereit, jungen Menschen Chancen zu eröffnen und sie auf ihrem Weg ins Berufsleben zu begleiten. Sie können aber nicht dauerhaft fehlende schulische Grundlagen ausgleichen“, betont Fölsch.
Aus Sicht der IHK Kassel-Marburg müssen deshalb die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen wieder stärker in den Mittelpunkt der Bildungspolitik rücken. Lernrückstände müssten früh erkannt und gezielt aufgearbeitet werden. Ebenso wichtig sei eine verbindliche und praxisnahe Berufsorientierung. „Ausbildungsreife bedeutet nicht nur, schulische Grundlagen zu beherrschen. Junge Menschen müssen auch wissen, welche Berufe zu ihren Fähigkeiten und Interessen passen“, betont Thomas Fölsch. Die IHK sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: „Der Fachkräftemangel von morgen entscheidet sich auch in den Klassenzimmern von heute.“