13. März 2026
Vollversammlung tagt am Campus der Uni Kassel
Iran-Krieg, US-Zölle, Chinas subventionierte Industriepolitik, Inflationsrisiken, deutsche Reformunwilligkeit und vieles mehr – Unternehmen sehen sich auch im IHK-Bezirk Kassel-Marburg mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert.
Dies wurde bei einer aktuellen Aussprache bei der jüngsten Sitzung der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg am Dienstagnachmittag (10. März) im Campus Center der Universität Kassel deutlich. Ein Thema, das die Mitglieder der IHK-Vollversammlung besonders umtreibt, ist die anstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftssteuer, bei der es um die Frage geht, wie Betriebs- und Privatvermögen steuerlich zu behandeln sind.
„Wir setzen uns dafür ein, dass betriebsnotwendige Vermögen verschont bleiben, damit gerade die Übergabe kleiner und mittlerer Unternehmen an Nachfolgerinnen und Nachfolger nicht vereitelt wird. Diese Unternehmen sind das Fundament der Sozialen Marktwirtschaft. Sie sorgen vielfach auch in diesen schwierigen Zeiten für Wachstum und Wohlstand“, sagt Désirée Derin-Holzapfel, Präsidentin der IHK Kassel-Marburg. Die aktuelle Debatte um die Erbschaftssteuer werde oft der Situation nicht gerecht: „Die Übertragung, Fortführung und Zukunft eigentümer- und familiengeführter Unternehmen sind von der Ausgestaltung dieser Steuer abhängig – und damit nicht zuletzt Arbeitsplätze und Gewerbesteuerzahlungen in jeder Kommune vor Ort.“ Sie teilt mit, die in der Vollversammlung geäußerten Bedenken in die politische Arbeit der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) einzubringen. Désirée Derin-Holzapfel ist Mitglied des Präsidiums der DIHK.
Darüber hinaus appelliert sie an alle Unternehmerinnen und Unternehmer, in ihrem Umfeld und der öffentlichen Meinung Überzeugungsarbeit zu leisten: Es gehe um das Verständnis dafür, dass nur dann, wenn betriebsnotwendige Vermögen erhalten bleiben, Unternehmen und Arbeitsplätze in der Region gehalten werden. „Es darf nicht zu Ausverkäufen des Mittelstandes kommen, nur damit eine einmalige höhere Erbschaftssteuer gezahlt wird. Der Fortbestand und Erhalt Deutschlands als Industrie- und Wirtschaftsstandort hat höchste Priorität“, fordert Derin-Holzapfel.
Nicht nur die Erbschaftssteuer wurde thematisiert, auch über Bildung wurde gesprochen. Deutlich wurde, dass gute Bildungsangebote ein wichtiger Standortfaktor sind. Bereits seit Jahrzehnten arbeiten Wirtschaft und Wissenschaft in der Region Hand in Hand. So ehren die IHK Kassel-Marburg und die Universität Kassel seit 1984 mit dem IHK-Wissenschaftspreis und den IHK-Förderpreis Dissertationen, Habilitationen, Masterarbeiten und andere Forschungsarbeiten mit besonderer Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hinzu kommt eine seit mehreren Jahren bestehende Zusammenarbeit im Zukunftszentrum ZUKIPRO für menschzentrierte Künstliche Intelligenz in der Produktionsarbeit. Regelmäßig laden IHK und Uni zu Veranstaltungsformaten wie aktuell den „Lab Talks“ ein, ferner vermittelt die IHK bei Kooperationsanfragen zwischen Mittelstand und Universität, um nur einige Beispiele zu nennen.
Prof. Dr. Ute Clement, Präsidentin der Universität Kassel und ständiger Gast der IHK-Vollversammlung, führte in ihrem Impulsreferat aus, dass sich die Universität Kassel als Partnerin der Wirtschaft versteht. Die Universitätspräsidentin verweist auf bestehende und erfolgreiche Kooperationen mit großen regionalen Unternehmen wie dem VW-Werk Kassel in Baunatal im Bereich Gießereitechnik und B. Braun in Melsungen im Bereich Kunststoffe. „Auch mit anderen Unternehmen, die innovative Wege gehen, stehen wir im Austausch“, ergänzt Clement. „Forschung nimmt heute vermehrt auch komplexe Probleme aus der Praxis in den Blick, die interdisziplinäre Lösungen benötigen. Wir unterstützen Gründungen in innovativen Feldern und arbeiten auch mit kleinen und mittleren Unternehmen an zukunftsweisenden Entwicklungen.“
Mit Blick auf über 200 Studierende aus dem Iran, die während des Krieges in ihrer Heimat nicht auf ihre finanziellen Mittel zugreifen können, äußerte Prof. Dr. Clement die Bitte, dass regionale Unternehmen sie als Werkstudenten beschäftigen: „Viele von ihnen haben bereits im Iran studiert und gearbeitet, diese Kompetenzen bringen sie gerne ein.“
Die IHK Kassel-Marburg stellt darüber hinaus ein Dossier mit Informationen zu den Auswirkungen der aktuellen Konflikte im Iran auf die Wirtschaft auf ihrer Website unter www.ihk.de/kassel-marburg bereit.
Vor der Sitzung der Vollversammlung tagte das IHK-Präsidium. Im Zuge des laufenden Change- und Strategieprozesses der IHK Kassel-Marburg sprach es sich dafür aus, Thomas Rudolff als zweiten stellvertretenden Hauptgeschäftsführer zu berufen.
„Aus guten Gründen eröffnet unsere Satzung die Möglichkeit, zwei stellvertretende Hauptgeschäftsführer zu benennen“, sagt Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „Wir sind flächenmäßig die größte IHK in Hessen, die vielfach persönliche Präsenz vor Ort zeigt. Mit Oskar Edelmann und Thomas Rudolff habe ich zwei starke Stellvertreter an meiner Seite, mit denen ich gemeinsam die strategischen Ziele unseres Change- und Strategieprozesses umsetze.“
Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Rudolff arbeitet seit über 30 Jahren in der IHK Kassel-Marburg, davon viele Jahre in leitender Funktion. Derzeit verantwortet die Bereiche Personal, Kommunikation und IT sowie die Konjunkturanalyse. Die Position des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers tritt er zum 1. Mai 2026 an.
Die IHK-Vollversammlung hat außerdem Christian Graf, Leiter Distributionslogistik Deutschland bei Viessmann Logistik International GmbH in Allendorf (Eder), zum 1. April in den Ausschuss für Verkehr und Logistik der IHK Kassel-Marburg berufen. Christian Graf folgt damit auf Peter Löwer, Geschäftsführer der Viessmann Logistik International GmbH in Allendorf (Eder), der zum 31. März aus dem Unternehmen und damit auch aus dem IHK-Fachausschuss ausscheidet.
