11. Februar 2026

Dr. Walter Lohmeier verstorben

Mit Bestürzung und tiefer Trauer hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg vom Tod ihres früheren Hauptgeschäftsführers Dr. Walter Lohmeier erfahren.
Zwei Jahrzehnte – von 1995 bis 2015 – prägte der Diplom-Ökonom die Geschicke der IHK, gemeinsam mit den beiden Ehrenpräsidenten Prof. Dr. h.c. Ludwig Georg Braun und Prof. Dr. Martin Viessmann. Dr. Walter Lohmeiers Credo lautete: „Es gibt nie nur einen Weg, erfolgreich zu sein.“ Am 10. Februar ist er im Alter von 74 Jahren unerwartet gestorben.
Die IHK Kassel-Marburg trauert um einen leidenschaftlichen Verfechter für den Wirtschaftsstandort und herausragenden Netzwerker. „Mit Dr. Walter Lohmeier verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit, die die Arbeit der IHK Kassel-Marburg sowie die Entwicklung der Wirtschaftsregion Nordhessen und Marburg zwei Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. Sein Engagement, seine fachliche Kompetenz und seine Weitsicht haben nachhaltige Impulse gesetzt und den Wirtschaftsstandort gestärkt. Insbesondere die Entwicklung des ländlichen Raumes war ihm wichtig“, würdigte IHK-Präsidentin Désirée Derin-Holzapfel die Lebensleistung.
Geboren wurde Dr. Walter Lohmeier am 10. Juni 1951 in Göttingen. Er wuchs in Beverungen auf und legte 1970 in Paderborn das Abitur ab. Aus der westfälischen Heimat zog es ihn nach Marburg und Bochum. Dort studierte er Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft. Während seines Studiums wurde sein Interesse an Makroökonomie geweckt. „Mich haben die großen Zusammenhänge interessiert“, sagte Dr. Lohmeier. Schon damals riet man ihm: „Geh zu einer IHK.“ Doch bis es dazu kam, näherte er sich der Wirtschaft von einer anderen Seite: Nach seiner Promotion an der Ruhr-Universität Bochum nahm er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschafts- und Finanzpolitik an, für das er Gutachten erstellte. Von diesen Erfahrungen geprägt, schlug Dr. Walter Lohmeier 1980 den Weg zur IHK Würzburg-Schweinfurt ein, begann als Referent und verabschiedete sich 1995 als stellvertretender Hauptgeschäftsführer.
„Als ich nach Kassel kam, dachte ich: Hier kannst du was bewegen“, erinnerte er sich. Unternehmerpersönlichkeiten wie Ludwig Georg Braun, Horst-Dieter Jordan und Martin Viessmann hätten ihn mit ihren Visionen und ihrem Esprit begeistert. Schnell fühlte er sich in Kassel zu Hause, schätzte die hohe Lebensqualität der Region. Dabei waren Industrie- und Handelskammern für Dr. Lohmeier vieles gleichzeitig: Selbstverwaltung, Interessenvertretung und Solidargemeinschaft. Letzteres war ihm besonders wichtig: „Es ist gut für die Wirtschaft, eine solche Solidargemeinschaft zu haben.“ Die verfasste Wirtschaft musste für ihn nahbar und präsent vor Ort sein, um dadurch ein höheres Maß an Identifikation zu erzeugen. So wurden während seiner Amtszeit die Regionalausschüsse als Vorläufer der heutigen IHK-Regionalversammlungen eingerichtet. Mit der Verankerung von Kassel und Marburg im Namen der IHK Kassel-Marburg im Jahr 2013 führte er die beiden Oberzentren auch nach außen hin für jeden sichtbar näher zusammen.
Als IHK-Hauptgeschäftsführer trug er dazu bei, den Strukturwandel in der Region erfolgreich zu meistern. Er erlebte, wie die Region die historische Chance der Wiedervereinigung nutzte. Während seiner Zeit an der Spitze des IHK-Hauptamtes hat sich die Arbeitslosenzahl im IHK-Bezirk halbiert, das Bruttosozialprodukt verdoppelt, die Exportquote fast vervierfacht. Die IHK Kassel-Marburg begleitete diese Entwicklung als Sprachrohr und Gestalterin des Gesamtinteresses der Wirtschaft aktiv mit. „Dr. Walter Lohmeier hat unsere IHK zu einer leistungsfähigen Dienstleisterin für die regionale Wirtschaft weiterentwickelt“, unterstreicht IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „Dr. Walter Lohmeier habe ich als klugen und sympathischen Menschen erlebt. Er hat den Begriff ‚Miteinander‘ in vielerlei Hinsicht mit Leben für die Region gefüllt. Ein Beispiel dafür ist das Regionalmanagement Nordhessen, das er mit aufs Gleis gesetzt hat.“ Mehr erreicht hätte Dr. Lohmeier gern in Sachen Verkehrsinfrastruktur, die sich seiner Meinung nach nur im Schneckentempo verbessere. Gewünscht hätte er sich darüber hinaus eine Regionalreform – politisch war sie allerdings nicht durchsetzbar.
Dr. Lohmeier war in vielen Ehrenämtern aktiv, unter anderem als Vorsitzender des Gesellschaftsrates der Fördergesellschaft für innovative Dienstleistungen, im Vorstand der Innovations- und Technologieberatung Hessen, als Vorstand von Pro Nordhessen sowie als Vorsitzender des Aufsichtsrates des Regionalmanagements Nordhessen. Außerdem hat er Netzwerke wie das Technologie- und Gründerzentren in Nordhessen mit vorangetrieben. Zudem setzte er sich für eine engere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft ein.
In seiner Freizeit war die Astronomie seine Leidenschaft, im Kasseler Planetarium war er öfter zu Gast. Lohmeiers Herz schlug außerdem für die antiquarischen Schätze seiner Büchersammlung, das Tennisspielen und Angeln – und für die Musik. Gemeinsam mit rotarischen Freunden spielte er in der Racoon Blues Band, so auch 2022 beim Jahresempfang der IHK Kassel-Marburg. "Als Schlagzeuger hat er den Takt angegeben. Das passte zu ihm", so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Klein-Zirbes über seinen Vor-Vorgänger, einem Fan von Santana, Small Faces und den Stones. Musikalisch durfte es aber auch gerne anspruchsvoll und ernst sein: Gern hört er klassische Chöre, Bach und Wagner.
„Sich an der Spitze der IHK für unsere schöne Region einsetzen zu dürfen, war doch ein wunderbares Privileg“: Mit diesen Worten trat Dr. Walter Lohmeier in den Ruhestand. „Sein Wirken wird dauerhaft mit der Entwicklung der Wirtschaftsregion Nordhessen und Marburg verbunden bleiben“, betonen IHK-Präsidentin Désirée Derin Holzapfel und Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „In tiefer Dankbarkeit wird unsere IHK Kassel-Marburg ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.“
Dr. Walter Lohmeier hinterlässt zwei Kinder und drei Enkelkinder.