Lena Rethorn

#6 Gründen vs. Nachfolge

In unserer heutigen Folge ist Lena Rethorn zu Gast. Sie ist Beraterin für Unternehmensnachfolge bei der Justus & Cie GmbH und war vor ihrer Tätigkeit bei der Justus & CIE mehrere Jahre als Investmentmanagerin tätig.
Wir haben beide die Erfahrung gemacht, dass bei Gründerinnen und Gründern das Thema Unternehmensnachfolge nicht so präsent ist und darum möchten wir in dieser Folge aufzeigen, wo die wesentlichen Unterschiede zwischen einer Nachfolge und einer Gründung liegen und warum es sich lohnt, als Gründer über eine Unternehmensnachfolge nachzudenken.
Hallo und herzlich willkommen zum IHK-Podcast Nachfolge ist Vertrauenssache. Mein Name ist Miriam Postlep und gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen von der IHK Kassel-Marburg berate ich zum Thema der Unternehmensnachfolge.
Hallo Frau Rethorn, ich heiße Sie herzlich willkommen in unserem Podcast „Nachfolge ist Vertrauenssache“. Schön, dass wir heute über das Thema Nachfolge vs. Gründung sprechen.
Ja, vielen Dank Frau Postlep ich freue mich sehr, heute mit Ihnen darüber sprechen zu dürfen.
Welche Vorteile bringt denn eine Unternehmensnachfolge im Vergleich zur Gründung mit sich?
Es haben sicherlich beide Vor- und Nachteile und auch von der Regulatorik her, ist natürlich keins von beiden total einfach. Es ist aber schon so, dass eine Nachfolge natürlich den Vorteil bringt, dass man in einem oder mit einem erprobten Geschäftsmodell starten kann. Also man übernimmt ja einen Kundenstamm, man übernimmt gegebenenfalls schon sehr gute Produkte, ein Netz von Lieferanten, die Räumlichkeiten…
Ein ganz wichtiger Punkt bei der Übernahme ist aber auch das Team. Man übernimmt eingespieltes Personal mit Know-how, was natürlich bei der Gründung ein ganz besonders großes Problem ist,
erstmal die entsprechenden Fachkräfte zu finden aber auch motivieren zu können dann das Start-up entsprechend mit dem gleichen Glauben vorantreiben zu können.
Weiterhin ist natürlich ein Vorteil, man hat laufende Cashflows, es gibt es gibt Erträge, es gibt natürlich laufende Kosten auch, aber man hat von Anfang an gewisse Umsätze und kann die zukünftigen Erlöse auch besser prognostizieren also man kann viel genauer absehen was man eigentlich übernimmt und wie auch die Zukunft dann zu planen ist. Ja, ein weiterer Punkt ist natürlich, dass man dadurch eine gewisse Basis als Entwicklungschance hat. Viele Menschen denken, dass der Mittelstand insbesondere ein bisschen angestaubt ist, dass vielleicht die Prozesse etwas eingefahren sind. Im Gegensatz dazu hat man aber eigentlich eine sehr sichere Basis und kann sich trotzdem als Nachfolger und dann gegebenenfalls als Innovationstreiber mit seinem eigenen Know-how in der existierenden Geschäftspraktik selbst verwirklichen. gerade das Thema Digitalisierung findet oft noch nicht genug Aufmerksamkeit im deutschen Mittelstand und bietet damit immer wieder schöne Wachstumspotenziale auch für Nachfolger sich selbst im eigenen Unternehmen zu verwirklichen.
Welche Besonderheiten existieren bei der Unternehmensnachfolge die mir bei der klassischen Gründung eigentlich nicht begegnen?
Das erste und wahrscheinlich auch größte Problem ist die zwei Interessen übereinander zu bringen. Unternehmer möchten Ihre Anonymität wahren, sie möchten natürlich keinen Schaden dadurch nehmen oder Ihrem Unternehmen keinen Schaden dadurch zufügen, dass publik wird, dass eine Nachfolge ansteht. Somit sind sie eigentlich gar nicht am Markt als solche präsent, was es für Nachfolgeinteressierte natürlich wahnsinnig schwer macht diese zu identifizieren und sich dann darauf zu bewerben. Ein weiterer Punkt der einem bei der Gründung nicht begegnet ist die Verhandlung mit natürlich verschiedenen Interessensgruppen. Bei einer Gründung hat man eigentlich sich selbst und guckt wie es weitergeht, wenn man erstmal das Geld zusammen hat. Hier hat man natürlich oftmals auch eine emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen, ob das jetzt Mitarbeiter sind, ob das der Altunternehmer ist, hat man natürlich komplexere Prozesse, auch Veränderungen anzustoßen. Man muss die Interessen verschiedener Gruppen übereinbringen was natürlich eine andere Herausforderung ist.
Auf der anderen Seite hat man aber wie gesagt natürlich eine ganz andere Basis in der man einfach starten kann, wo laufende Umsätze sind etc.
Aber das eigentliche Thema, was das wahrscheinlich am schwierigsten macht ist, dass die Beteiligten allesamt noch keine Erfahrung in dieser Art Prozess haben. Die wenigsten verkaufen Unternehmen am laufenden Band, was also heißt, also weder die Abgebenden haben da viel Erfahrung drinnen wie ein solches haben ja solche verkauft zu starten gehen hat, andererseits haben aber auch die Übernehmenden wenig Erfahrung darin, weil sie in der Regel ja auch zum ersten Mal Käufer eines solchen Unternehmens sind. Auch an dieser Stelle macht es dabei eine gute Planung und natürlich auch eine gute Beratung deutlich einfacher diesen Prozess anzugehen und ihn auch zum Erfolg zu führen.
Wenn Sie mehr über das Thema Unternehmensnachfolg erfahren möchten, dann würde ich mich freuen, wenn Sie diesen Podcast abonnieren. Ich hoffe wir konnten ihr Interesse an einer Übernahmegründung wecken. Betriebe, die zur Übernahme anstehen, finden sie auf Unternehmensbörsen wie beispielsweise der Nexxt-Change. Sonst gibt Herr Schönleber in unserer dritten Podcast Folge einen guten Einblick darüber wie Sie das passende Unternehmens zur Übernahme finden können.  Wenn Sie sonst noch konkrete Fragen haben, dann schicken Sie mir doch gerne eine E-Mail an  nachfolge@kassel.ihk.de  .
Wir würden uns freuen, wenn Sie bei dem nächsten Podcast wieder mit dabei sind, wenn es heißt: Nachfolge ist Vertrauenssache! 
Das gesamte Interview mit Lena Rethorn können Sie in unserem Podcast hören.

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Miriam Postlep
Miriam Postlep
Projektreferentin Unternehmensnachfolge | Projekt Nexxt Now