Mit dem Gründungsbarometer analysieren wir jährlich das Gründungsgeschehen in Hessen. Jahr für Jahr streben Gründerinnen und Gründer in Hessen eine gewerbliche, selbstständige Tätigkeit an. Auf Grundlage der Gewerbemeldungen und Dienstleistungen der hessischen IHKs und HWKs im Bereich der Gründungsberatung haben wir die Datensätze ausgewertet und mit interessanten Grafiken aufbereitet.
Der Saldo zwischen Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen in Hessen ist 2025 weiterhin positiv. 63.885 Anmeldungen stehen 52.319 Abmeldungen gegenüber. 2025 gibt es in Hessen 11.566 gewerbliche Unternehmen mehr als in 2024.
Die meisten Gründungen gibt es im Dienstleistungsgewerbe, Handel sowie im Baugewerbe.
Einzelunternehmen wurden 2025 zu 37 Prozent von Frauen gegründet und zu 63 Prozent von Männern.
79 Prozent der Gründerinnen und Gründer starten als Einzelunternehmen. 15 Prozent wählen die GmbH als Rechtsform.
Forderungen der hessischen IHKs und HWKs an die Politik
Unternehmertum stärken
Unternehmerbild verbessern Das Land Hessen soll die gesellschaftliche Wahrnehmung von Unternehmertum durch dauerhafte Öffentlichkeitsarbeit und die Sichtbarkeit erfolgreicher Gründerinnen, Gründer und Unternehmensnachfolger stärken.
Ökonomische Bildung ausbauen Unternehmerisches Denken, wirtschaftliche Zusammenhänge und Selbstständigkeit sollen verbindlich in Schule, Ausbildung und Studium verankert werden.
Entrepreneurship an Hochschulen stärken Hochschulen sollen Gründung, Innovation und Unternehmensnachfolge als festen Bestandteil ihrer Lehr- und Transferaktivitäten etablieren.
Frauen fördern Durch zielgruppenspezifische Informations-, Beratungs- und Netzwerkangebote sollen die unternehmerischen Potenziale von Frauen stärker aktiviert werden.
Nachfolgekultur stärken Die frühzeitige Auseinandersetzung mit Unternehmensnachfolge soll durch Informationskampagnen und Beratungsangebote gefördert werden.
Gründungen und Nachfolgen erleichtern
Bürokratie abbauen Gründungs- und Nachfolgeprozesse sind durch den Abbau von Melde-, Dokumentations- und Nachweispflichten deutlich zu vereinfachen.
Unternehmensbasisdatenregister schaffen Zentrales Unternehmensbasisdatenregister schaffen, damit Gründungsdaten nur einmal erfasst und von allen beteiligten Stellen genutzt werden können.
Gründung innerhalb von 24 Stunden One-Stop-Shop etablieren und Verwaltungsverfahren digital bündeln, um Unternehmensgründungen möglichst schnell handlungsfähig zu machen. Hierfür sollten die Finanzbehörden Steuernummern automatisch zuteilen und die Handelsregistereintragung von Kapitalgesellschaften beschleunigt werden.
Förderanträge vereinfachen Förderprogramme sollen durch standardisierte und digitale Verfahren leichter zugänglich gemacht werden. Zur weiteren Vereinfachung und Beschleunigung des Antragsverfahrens beim Hessen-Mikrodarlehen sollte die Antragstrecke künftig vollständig digital über das bestehende WIBank-Portal abgewickelt werden.
Reallabor Nachfolge einrichten Um Unternehmensnachfolgen einfacher zu ermöglichen, sollten Nachfolgen unter erleichterten regulatorischen Bedingungen erprobt werden können. Das Reallabor Nachfolge ist wie im Koalitionsvertrag der Landesregierung ausdrücklich vorgesehen umzusetzen.
Finanzierung sichern
Beratungsförderung stärken Die Finanzierung niedrigschwelliger Beratungsangebote für Gründung und Nachfolge ist dauerhaft sicherzustellen.
Gründerstipendien ausbauen Stipendienprogramme sollen mehr Gründungsvorhaben in der Vorgründungs- und Startphase unterstützen.
Darlehensprogramme weiterentwickeln Öffentliche Finanzierungsangebote sind bedarfsgerecht auszubauen und an gestiegene Kapitalbedarfe anzupassen. Das Fördervolumen des Hessen Mikrodarlehens sollte auf 50.000€ erhöht werden.
Bürgschaften stärken Bürgschaftsprogramme sollen erweitert werden, um Finanzierungen insbesondere bei fehlenden Sicherheiten zu ermöglichen.
Mehr Risikokapital bereitstellen Die von der BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH verwalteten Fonds sollen deutlich aufgestockt werden, um Finanzierungslücken insbesondere in der Wachstums- und Expansionsphase von Startups zu schließen und die Zahl der Beteiligungen zu erhöhen.
Investitionen in Startups stärken Startups und Investoren sollen besser vernetzt sowie die steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen verbessert werden, um den Zugang zu Wachstumskapital zu erleichtern.
Nachfolgefinanzierung verbessern Für Unternehmensübernahmen sind passgenaue Finanzierungsinstrumente bereitzustellen.
Innovation und Wachstum fördern
Hochschulausgründungen stärken Forschungsergebnisse sollen durch gezielte Unterstützungsstrukturen häufiger in marktfähige Geschäftsmodelle überführt werden.
Technologie und Wissenstransfer ausbauen Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und mittelständischen Unternehmen ist zu intensivieren.
Innovationsfreundliche Vergabe stärken Öffentliche Auftraggeber sollen innovative junge Unternehmen stärker bei Beschaffungsprozessen berücksichtigen.
Fachkräfte und Kompetenzen sichern
Unternehmerische Kompetenzen fördern Gründerinnen, Gründer und Unternehmensnachfolger/-innen sollen leichter Zugang zu Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten erhalten.
Fachkräftegewinnung erleichtern Kleine Unternehmen benötigen bessere Unterstützung bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Mitarbeitender.
Internationale Talente und Gründer gewinnen Verfahren zur Einwanderung und Anerkennung beruflicher Qualifikationen sind deutlich zu beschleunigen. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen für internationale Gründerinnen und Gründer verbessert werden, um mehr Ausgründungen und innovative Unternehmensgründungen in Hessen zu ermöglichen.
Gute Rahmenbedingungen schaffen
Gewerbe und Betriebsflächen sichern Unternehmen benötigen ausreichend verfügbare und bezahlbare Flächen für Gründung, Wachstum und Nachfolge.
Digitale Infrastruktur ausbauen Eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Glasfaser- und Mobilfunknetzen muss sichergestellt werden.
Ländliche Räume stärken Gründungen und Unternehmensnachfolgen im ländlichen Raum sind durch gezielte Förder- und Unterstützungsmaßnahmen zu begleiten.
Belastungscheck für neue Regelungen einführen Neue Gesetze und Verordnungen sollen systematisch auf ihre Auswirkungen auf Gründungen, Nachfolgen und KMU geprüft werden.
Transformation und Krisenfestigkeit fördern Unternehmen sollen bei der Anpassung an wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Veränderungen gezielt unterstützt werden.
Entwicklung der Gewerbean- und -abmeldungen in Hessen
Der Saldo zwischen Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen bewegt sich seit Jahren auf einem positiven Niveau. Nachdem sich der Saldo in den Jahren 2022 bis 2024 rückläufig entwickelt hat, hat er in 2025 wieder zugenommen. Im Jahr 2025 hat er ein Plus von 11.566 gewerblichen Unternehmen erreicht. 63.885 Anmeldungen stehen 52.319 Abmeldungen gegenüber. Das entspricht einem Zuwachs an Gewerbeanmeldungen um 5 Prozent. (Bundesweit: Zuname um 6 Prozent). Bei den Gewerbeabmeldungen gab es einen Rückgang um 6,5 Prozent. (Bundesweit: Rückgang um 1 Prozent).
Neugründung von Einzelunternehmen nach ausländischer Staatsangehörigkeit
Der Anteil ausländischer Staatsbürger am Gründungsgeschehen ist im Verhältnis zu ihrem Anteil an der hessischen Gesamtbevölkerung in Höhe von ca. 19 Prozent überdurchschnittlich hoch. Rund 30 Prozent der Gründerinnen und Gründer von Einzelunternehmen haben eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Türkische Staatsbürger gründeten 2025 am häufigsten.
Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern sind die wichtigsten Anbieter kostenloser niedrigschwelliger Orientierungsberatung für Gründerinnen und Gründer. Die hessischen IHKs und HWKs haben 2025 rund 21.150 Informations- und Beratungsgespräche geführt. Die Gründungsberatungen sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das Interesse an Gründungsinformation ist ungebrochen hoch. Es wurden vor allem digitale Veranstaltungsformate angeboten. Die Teilnehmerzahlen an Gründungsveranstaltungen sind leicht gestiegen.
Leistungen der hessischen IHKs und HWKs in der Unternehmensnachfolge
2025 haben die Beratungen sowohl auf Verkäufer- als auch auf Käuferseite gegenüber dem Vorjahr zugenommen ( 2025: 1568, 2024: 1.399). Deutlich gestiegen sind die Teilnehmerzahlen an Nachfolgeveranstaltungen.
Übergabefähige Unternehmen ohne interne Nachfolger können über die Börse Nexxt-Change Anzeigen inserieren.