Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022

Mit angezogener Handbremse

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, steigende Infektionszahlen, Lieferengpässe, der Höhenflug der Energie- und Rohstoffpreise und nicht zuletzt der Fachkräftemangel bremsen auch die regionale Wirtschaft teilweise aus. Im Branchendurchschnitt ist der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, von 136 Indexpunkten im Herbst 2021 auf 132 Punkte zu Jahresbeginn 2022 zurückgegangen. Gleichwohl stellen sich in den meisten Wirtschaftszweigen die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen deutlich besser dar als vor einem Jahr. Dieser branchenübergreifende Trend darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einigen Bereichen wie dem Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel oder konsumnahen und kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen Ernüchterung bis hin zur Existenzangst herrscht. Die Umfragewerte im Gastgewerbe entwickeln sich ähnlich dramatisch wie vor Jahresfrist. Die Beschäftigungsperspektiven fallen etwas moderater aus und auch die Investitionsbereitschaft hat nicht weiter zugenommen.
Liniendiagramm IHK-Konjunkturklimaindex
Der IHK-Konjunkturklimaindikator wird berechnet als geometrisches Mittel der Lage- und Erwartungssalden und stellt den konjunkturellen Gesamtzustand der regionalen Wirtschaft dar. Der Indikator kann zwischen den Werten 0 und 200 schwanken. Je höher der auf der linken Achse dargestellte Wert, desto besser ist das Konjunkturklima. Die Lage- und Erwartungsindikatoren werden als Saldo aus den gewichteten positiven und negativen Antworten ermittelt. Sie sind auf der rechten Achse dargestellt

Geschäftslage

Im Branchendurchschnitt hat die Zufriedenheit mit der Geschäftslage zum Jahresbeginn 2022 auf hohem Niveau etwas abgenommen. 51 % der Unternehmen melden gut laufende Geschäfte (Herbst 2021: 52 %). Weitere 38 % der Betriebe berichten von einer zufriedenstellenden Gesamtsituation. Der Anteil der Unternehmen mit unbefriedigendem Geschäftsverlauf hat sich um 3 Prozentpunkte auf 11 % erhöht. Somit ist der Geschäftslagesaldo um 4 Punkte auf aktuell 40 Punkte zurückgegangen. Der Gesamtumsatzsaldo hat von plus 30 Punkten im vergangenen Herbst auf plus 24 Punkte nachgegeben. Die großen Wirtschaftsbereiche befinden sich bei unterschiedlicher Entwicklung per Saldo weiterhin im Plus. Während die Industrie trotz teilweiser Produktionsbeeinträchtigungen einen deutlichen Sprung nach oben gemacht hat, ist die Zufriedenheit im Dienstleistungssektor merklich gesunken. Die noch im Herbst leichten Hoffnungen des Gastgewerbes auf bessere Geschäfte haben die erneuten Pandemiebeschränkungen zunichte gemacht. Der aktuelle Lagesaldo erreicht einen ähnlich drastischen Negativwert wie vor einem Jahr.

Geschäftserwartungen

Die Unternehmen zeigen sich bei den Erwartungen an das laufende Jahr im Branchendurchschnitt zwar optimistisch, aber vorsichtiger als zuletzt. Der Anteil der Optimisten ist zu Jahresbeginn 2022 von 37 % auf 33 % zurückgegangen. Weitere 57 % der Betriebe gehen von einem konstanten Geschäftsverlauf aus.Gleichzeitig ist der Anteil der Skeptiker um 2 Prozentpunkte auf 10 % angestiegen. Der Saldo aus den positiven und negativen Geschäftserwartungen liegt aktuell bei plus 23 Punkten, nach 29 Punkten noch vier Monate zuvor. Deutlich pessimistisch zeigt sich das Gastgewerbe. Im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige steht der Fachkräftemangel auf der Skala potenzieller Geschäftsrisiken auf dem Weg aus der Corona-Krise ganz oben. Die Unsicherheit über den weiteren Pandemie-Verlauf ist angesichts der aktuellen Entwicklungen auf den zweiten Platz der Rangliste vorgerückt. Große Sorgen bereiten den Unternehmen auch die hohen Energie- und Rohstoffpreise. In der Industrie toppt dieses Risiko sogar noch den Fachkräftemangel.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Geschäftsrisiken

Beschäftigung

Die Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt hatte sich im vergangenen Jahr von Monat zu Monat verbessert. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg kontinuierlich an. Im Jahresdurchschnitt 2021 lag die Zahl der in der Region gemeldeten Erwerbslosen mit 23.321 Personen um 4,6 Prozent unter der des Vorjahres (minus 1.112 Personen). Die durchschnittliche Arbeitslosenquote verringerte sich von 4,1 Prozent in 2020 auf 3,9 Prozent in 2021. Im Januar 2022 waren im IHK-Bezirk Karlsruhe 21.431 Personen erwerbslos gemeldet, 5,218 Personen bzw. 19,6 % weniger als im Vorjahresmonat, aber saisonbedingt 1.259 mehr als im Vormonat (plus 6,2 %). Die Arbeitslosenquote lag bei 3,6 % (Baden-Württemberg: 3,6 %, Deutschland: 5,4 %). Die Zahl der der Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt gemeldeten offenen Stellen ist auf aktuell 9.373 angestiegen. Zum Jahresbeginn 2022 planen die Unternehmen etwas zurückhaltender als noch im Herbst 2021. Im Branchendurchschnitt sieht knapp jeder vierte Betrieb im weiteren Jahresverlauf Neueinstellungen vor. Der Anteil der Betriebe, die ihre Personalkapazitäten voraussichtlich reduzieren müssen, ist von 11 % im Herbst auf aktuell 13 % gestiegen.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik Beschäftigungsabsichten

Investitionen

Die noch bis in den vergangenen Herbst hinein zu erkennende allmähliche Zunahme der Investitionsbereitschaft hat sich zu Jahresbeginn 2022 nicht weiter fortgesetzt. Der Investitionssaldo reduzierte sich um 1 Punkt auf aktuell 10 Punkte. Nach derzeitigem Planungsstand wollen 32 % der Betriebe im laufenden Jahr mehr investieren. 46 % der Unternehmen möchten die Investitionsausgaben in der nächsten Zeit konstant halten. 13 % der Betriebe wollen ihre Investitionsbudgets (weiter) reduzieren, nach wie vor 9 % werden komplett auf Investitionen verzichten. Die Investitionspläne zielen nach wie vor hauptsächlich auf die Ersatzbeschaffung (65 %) und das Voranbringen der unternehmensinternen Digitalisierung (57 %). Investitionen in Produkt- oder Prozessinnovationen haben 42 % der Unternehmen in diesem Jahr auf der Agenda. Aktuell deutlich an Relevanz gewonnen haben Investitionen in den Umweltschutz und Energieeffizienzmaßnahmen (40 %). Etwa drei von zehn Betrieben wollen expandieren oder die bestehende Produktionspalette erweitern. 32 % der Unternehmen denken über weitere Rationalisierungsmaßnahmen nach. Mehrfachnennungen waren möglich.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik Investitionsabsichten
* Erläuterung der Trendaussagen in den Grafiken
Die Pfeile stellen die Gesamtveränderung zur Vorumfrage dar; Horizontal: Zu- bzw. Abnahme des Saldos der positiven und negativen Antworten bis +/- 5,0. Schräg: Zu- bzw. Abnahme des Saldos der positiven und negativen Antworten um mehr als +/- 5,0 bis +/- 10,0. Vertikal: Zu- bzw. Abnahme des Saldos der positiven und negativen Antworten um mehr als +/- 10,0.

Industrie

Die regionale Industrie hat einen kräftigen Sprung nach vorne gemacht. Der Geschäftslagesaldo ist um 10 Punkte auf aktuell plus 42 Punkte angestiegen. Zum Jahresbeginn 2022 bezeichnet über die Hälfte der Industrieunternehmen die eigene wirtschaftliche Situation als gut (Herbst 2021: 40 %). Gleichzeitig hat sich der Anteil der Betriebe, deren Geschäfte aktuell schlecht laufen, von 8 % auf 9 % erhöht. 48 % der Unternehmen konnten im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum ihre Inlandserlöse verbessern, jeder zweite Betrieb meldet steigende Auslandsumsätze (Herbst 2021: 45 % bzw. 54 %). Der Anteil der Unternehmen mit sinkenden Inlandsumsätzen ist von 27 % auf 17 % zurückgegangen. Geringere Auslandserlöse verbuchten18 % der Betriebe gegenüber 23 % im Herbst 2021. Deutliche Preissteigerungen beim Einkauf von Vormaterialien beeinflussen teilweise die Ertragslage. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Bestellungen aus dem In- und Ausland nehmen wieder an Fahrt auf. Trotz der derzeitigen Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten, deren Ende noch nicht in Sicht ist, blicken die Unternehmen mit Optimismus auf den weiteren Jahresverlauf. Der Geschäftserwartungssaldo kletterte um 3 Prozentpunkte auf plus 31 Punkte. Die Beschäftigungspläne wurden erhöht. Jeweils etwas mehr Unternehmen melden steigende bzw. sinkende Investitionsbudgets.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik Konjunkturklima Industrie

Exporterwartungen

Der Exportoptimismus der auslandsorientierten Industrieunternehmen hat zum Jahresbeginn 2022 merklich zugenommen. Aktuell rechnen 34 % der Unternehmen mit steigenden Exporten, vier Monate zuvor lag dieser Anteil noch bei 26 %. 6 % der Betriebe erwarten ein rückläufiges Auslandsgeschäft (Herbst 2021: 10 %). Die größten Exporterwartungen richten sich an die EURO-Zone. Der Saldo steigender/fallender Exporte kletterte um 19 Punkte auf plus 33 Punkte. Auch auf den Märkten der sonstigen EU- und der EFTA-Staaten rechnen sich die Unternehmen bessere Chancen aus. Der entsprechende Saldo ist um 9 Punkte auf 16 Punkte angestiegen. Wieder mehr Hoffnungen richten sich auf die asiatischen Märkte. Der Exporterwartungssaldo legte um 7 Punkte auf plus 26 Punkte zu. Die Exporterwartungen an den nordamerikanischen Markt ließen den Saldo von plus 16 Punkten auf plus 14 Punkte sinken. A uf den lateinamerikanischen und den russischen Märkten werden die Absatzperspektiven als eher gering angesehen. Die durch den Brexit entstandenen Handelsbarrieren und Zollformalitäten streuen weiterhin Sand ins Getriebe der Handelsbeziehungen mit UK. Trotz eines leichten Anstiegs bleibt der Erwartungssaldo negativ.

Großhandel

Im regionalen Großhandel drücken die anhaltenden Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten für die eigenen Kunden auf die insgesamt noch sehr gute Stimmung. Der Geschäftslagesaldo hat sich zum Jahresbeginn 2022 um 8 Punkte auf plus 52 Punkte abgeschwächt. 60 % der Betriebe bezeichnen ihre Lage als gut, 8 % sind unzufrieden (Herbst 2021: 65 % bzw. 5 %). Während sich der Umsatzsaldo im Geschäft mit ausländischen Kunden von plus 35 Punkten auf plus 50 Punkte erhöhte, büßte das Inlandsgeschäft kräftig an Dynamik ein. Der Erlössaldo Inland verringerte sich von plus 44 Punkten auf plus 29 Punkte, was im Verbund mit steigenden Einkaufspreisen die Ertragslage teilweise in Mitleidenschaft gezogen hat. Die tendenziell positive Nachfrageentwicklung hat in der letzten Zeit nochmals an Schwung verloren, so dass die Geschäftsaussichten erneut nicht mehr ganz so günstig eingeschätzt werden. Weniger Betriebe rechnen im laufenden Jahr mit noch besseren Geschäften, gleichzeitig hat der Anteil der Skeptiker zugenommen. Mit Neueinstellungen sind die Unternehmen zurückhaltender geworden. Die Investitionsbudgets werden weiter aufgestockt.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik Konjunkturklima im Handel

Einzelhandel

Obwohl die pandemiebedingten Restriktionen und die damit verbundene Kaufzurückhaltung der Kunden vielen stationären Einzelhändlern aus dem Non-Food-Bereich zusetzen, gibt der regionale Einzelhandel zum Jahresbeginn 2022 dennoch insgesamt überwiegend befriedigende bis gute Urteile zur Geschäftslage ab. Knapp die Hälfte der Betriebe hat seine Angebote auch über digitale Vertriebskanäle an die Kundschaft gebracht. Per Saldo sind die Umsätze gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum gestiegen, die Ertragslage wird mehrheitlich als zufriedenstellend bis gut bezeichnet. Beim Blick auf den weiteren Jahresverlauf hat der Optimismus hinsichtlich besserer Geschäfte jedoch nachgelassen. Der Erwartungssaldo ist von plus 19 Punkten auf aktuell plus 11 Punkte gesunken. Sowohl der Anteil der Umsatzoptimisten als auch der Anteil der Umsatzpessimisten hat zugenommen. Jeder fünfte Betrieb möchte zusätzliches Personal einstellen, der Anteil der restriktiven Personalplanungen liegt bei 14 %. Die Investitionsneigung hat ingesamt wieder nachgelassen. Bei den Investitionsmotiven liegen Digitalisierungsprojekte an erster Stelle der geplanten Vorhaben.

Dienstleistungen

Im unternehmensnahen Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung zum Jahresbeginn 2022 im Vergleich zum Herbst 2021 deutlich eingetrübt. Der Anteil der positiven Meldungen zur Geschäftslage ist um 9 Prozentpunkte auf aktuell 47 % zurückgegangen. Die unzufriedenen Stimmen haben sich von 8 % auf 13 % erhöht, so dass der Geschäftslageindikator mit 34 Punkten nun um 14 Punkte niedriger notiert als vier Monate zuvor. 41 % der Betriebe melden steigende Erlöse, 27 % mussten Umsatzrückgänge verkraften. Der Umsatzsaldo fiel damit von plus 31 Punkten auf plus 14 Punkte. Der Ertragslagesaldo hat sich jedoch mit plus 30 Punkten auf seinem Niveau gehalten. An der etwas schwächeren Dynamik der tendenziell positiven Nachfrageentwicklung hat sich ebenfalls nichts geändert, der Auftragsvolumenindikator stagniert bei plus 20 Punkten. Die Geschäftserwartungen an das laufende Jahr fallen deutlich zurückhaltender aus, was sich auch in den Personal- und Investitionsplanungen widerspiegelt.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik Konjunkturklima Dienstleistungen
Im regionalen Transport- und Verkehrsgewerbe hat sich die insgesamt positive Geschäftslage infolge einer deutlich verbesserten Auftragslage und steigender Auslastung der Frachtkapazitäten weiter verbessert. Weniger erfreulich verlief dagegen die im Vorjahresvergleich per Saldo negative Umsatzentwicklung sowohl im Binnen- als auch im grenzüberschreitenden Verkehr. Die Geschäfts- und noch mehr die Umsatzerwartungen fallen insgesamt recht zuversichtlich aus. Die Unternehmen würden ihren Personalbestand gerne aufstocken und auch die Investitionsbereitschaft ist gestiegen.
Im Bereich der Dienstleistungen für Unternehmen hat sich die Stimmung durch weniger Gut- und mehr Zufriedenheitsmeldungen auf hohem Niveau etwas abgekühlt. Dies dürfte nicht zuletzt einer zwar per Saldo weiterhin positiven, aber nicht mehr ganz so dynamischen Umsatzentwicklung geschuldet sein. Nichtsdestotrotz hat sich die Ertragslage nochmals leicht verbessert. Trotz insgesamt steigender Auftragseingänge hat der Anteil der Optimisten hinsichtlich der weiteren Geschäfte merklich abgenommen. Entsprechend verhaltener fallen die Investitions- und Beschäftigungspläne aus.
Auch unter den ITK-Dienstleistern hat der Boom auf hohem Niveau nachgelassen. Der Geschäftslagesaldo hat sich von plus 63 Punkten im Herbst 2021 auf aktuell plus 46 Punkte abgeschwächt. Immer noch jeder zweite Betrieb bezeichnet seine derzeitige Lage als gut, nur wenige Unternehmen sehen sich in einer kritischen Gesamtsituation. Das Umsatzwachstum hat an Schwung verloren, der Saldo ist um 13 Punkte auf plus 23 Punkte zurückgegangen. Hinzu kommt eine schwächere Nachfragedynamik mit teilweise sinkenden Auftragsvolumen. Die weiteren Aussichten werden daher auch deutlich zurückhaltender beurteilt als noch vier Monate zuvor.
Die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben im Hotel- und Gaststättengewerbe jeden noch im vergangenen Herbst vorhandenen Hoffnungsschimmer zunichte gemacht. Die Branche weist mit minus 81 Punkten den mit Abstand schlechtesten Geschäftslagesaldo auf. Mehr als acht von zehn Betrieben bezeichnen zum Jahresbeginn 2022 ihre wirtschaftliche Situation als kritisch. Massive Umsatzrückgänge in allen Bereichen bei weiterlaufenden Kosten haben die Ertragslage erheblich verschlechtert. Die Unternehmen schauen mit großer Skepsis auf die kommenden Monate. Nahezu jeder Betrieb nennt die Corona-Krise als das größte Geschäftsrisiko. Entsprechend restriktiv sind die Investitions- und Personalplanungen.

Finanzdienstleistungen

Die regionalen Finanzdienstleister warten mit einem guten Geschäftsverlauf auf. Die Versicherungswirtschaft befindet sich per Saldo mit einem tendenziell steigenden Neugeschäft, höheren Beitragseinnahmen und insgesamt geringeren Zahlungsverpflichtungen aus Leistungsfällen auf Expansionskurs. Auch das Kreditgewerbe zeigt sich zumindest zufrieden, verweist auf ein stark steigendes Geschäftsvolumen und eine überwiegend zufriedenstellende Ertragslage. Die Institute berichten weiterhin von einer starken Kreditnachfrage sowohl im privaten Bereich als auch im Geschäft mit Firmenkunden. Während vermehrt Investitionskredite vergeben wurden, stagnierte allerdings die Kreditvergabe zur Finanzierung von Betriebsmitteln. Die Risikovorsorge wurde teilweise ausgeweitet. Beide Sparten schauen optimistisch auf das laufende Jahr. Bei der Investitionsbereitschaft halten sich expanive und restriktive Planungen in etwa die Waage. Nach wie vor wird insbesondere die Digitalisierung der angebotenen Serviceleistungen vorangetrieben. Die Personalplanungen fallen aktuell nicht mehr ganz so restriktiv aus wie zuvor.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik Konjunkturklima Finanzdienstleistungen

Bauindustrie

In der regionalen Bauwirtschaft beeinträchtigen Materialengpässe und massive Preissteigerungen die Geschäfte. Der Saldo aus den positiven und negativen Meldungen zur Geschäftslage ist zum Jahresbeginn 2022 auf hohem Niveau von plus 77 Punkten auf plus 64 Punkte gefallen. Trotz der Einschränkungen konnte die Bauproduktion gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum per Saldo gesteigert werden. Teilweise gelang es, die Preissteigerungen weiterzugeben. Die Ertragslage wird mehrheitlich als gut bezeichnet. Die Nachfrage im Wohnungsbau hat deutlich angezogen, im Gewerblichen Hochbau bleibt die Auftragslage volatil. Die häufig klammen Kassen der öffentlichen Hand bremsen die Auftragseingänge im Straßen- und Tiefbau sowie dem Öffentlichen Hochbau. Der Fachkräftemangel am Bau sowie knappe und damit teure Rohstoffe sind aus Sicht der Branche die größten Risikofaktoren für die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. Dennoch zeigen sich die Unternehmen per Saldo optimistisch und erwarten eine weiterhin gute Branchenkonjunktur. In den kommenden Monaten sind vermehrt Neueinstellungen geplant und auch die Investitionsbereitschaft ist deutlich gestiegen.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Konjunkturklima Bauindustrie

Beschaffungsprobleme treiben die Kosten

Die anhaltenden Lieferengpässe gehen teilweise mit signifikant steigenden Kosten einher, was wiederum die Gewinnmargen der Unternehmen massiv unter Druck bringt. Im Branchendurchschnitt melden über zwei Drittel der betroffenen Unternehmen Preisanstiege von erheblichem, über ein Viertel von mittlerem Umfang. In Bauindustrie und Großhandel klagen 76 %, in der Industrie 74 % der Betriebe über enorme Preissteigerungen bei den benötigten Rohstoffen und Vorprodukten. Über die Hälfte der Unternehmen meldet deutlich längere Lieferzeiten. Sechs von zehn Unternehmen sind von Kontingentierungen der Liefermengen in mittlerem bis gravierendem Umfang betroffen. Die Beschaffung erfordert oftmals viel Kreativität, so dass sich der Planungsaufwand in vielen Unternehmen merklich erhöht hat. Der Materialmangel schlägt sich auch in den Bilanzen nieder. 32 % der Betriebe sehen sich Ertragseinbußen bzw. Kostensteigerungen von erheblicher, 40 % von mittlerer Größenordnung gegenüber.   
Die wenigsten Unternehmen erwarten ein baldiges Ende der Materialknappheiten. 37 % der betroffenen Betriebe rechnen frühestens im zweiten Halbjahr 2022, 21 % sogar erst im Jahr 2023 mit einer Besserung der Versorgungslage. In der Bauindustrie befürchtet ein knappes Drittel der Betriebe, dass es erst in 2023 zur Entspannung der Lage kommt.
Konjunkturbericht Jahresbeginn 2022 Grafik, erwarteter Zeitpunkt des Endes der Lieferschwierigkeiten