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Zu Besuch im Yobsti Smart Shop in Huttenheim
Fast fühlt man sich wie auf dem englischen Land: Kleine Supermärkte mit Selbstbedienungskassen gehören dort in vielen Dörfern längst selbstverständlich zum Alltag. In Huttenheim ist diese Art der Nahversorgung nun ebenfalls angekommen. Wer schnell noch Eier, Brötchen, Milch oder Nudelsauce braucht, muss dafür nicht mehr ins Auto steigen und in den nächsten Ort fahren.
Beim Besuch im Yobsti mit Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus, Ortsvorsteher Peter Kremer, Yobsti-Geschäftsführer André Tiede und Michael Rausch, Innenstadtberater der IHK, wurde schnell klar: Der Smart Store ist weit mehr als ein technisches Konzept. Er ist für viele Menschen in Huttenheim ein echter Gewinn im Alltag. Oder, wie Ortsvorsteher Peter Kremer es beschreibt: Die Menschen sprechen längst von „unserem Laden“.
Täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet, barrierefrei zugänglich und mit einem Sortiment, das die Grundversorgung abdeckt, trifft der Laden offenbar genau den Bedarf der Menschen vor Ort. Preislich liege man, so Yobsti-Geschäftsführer André Tiede, bewusst zwischen Discounter und klassischem Vollsortimenter. Zusätzliche Sonderangebote werden sogar wöchentlich per WhatsApp kommuniziert.
Dass das Konzept ankommt, hat auch mit der Ausgangslage zu tun. „Es gab vorher fast nichts“, sagte Ortsvorsteher Kremer beim Rundgang. Zwei Bäcker und zwei Metzger hätten in der Vergangenheit geschlossen, vor allem wegen hoher Personalkosten. Die Versorgungslücke war also real. Der Smart Shop ist deshalb in Huttenheim weniger Ergänzung als vielmehr Ersatz für weggefallene Angebote des klassischen Einzelhandels.
Und doch ist er mehr als nur ein Ort zum schnellen Einkauf. Kremer betonte auch den sozialen Wert: Menschen verabreden sich hier, kommen ins Gespräch, tauschen sich aus. Ein Laden also, der nicht nur Regale füllt, sondern auch ein Stück Ortsmitte belebt.
Digitaler Zugang, einfacher Einkauf
Wer den Laden betritt, braucht dafür keine App und kein Technikstudium, sondern schlicht eine EC-Karte. Mit ihr verschaffen sich Kundinnen und Kunden Zutritt, nehmen einen der speziellen Einkaufswagen und bezahlen anschließend an einer der beiden Kassen mit großem Display.
Berührungsängste? Offenbar kaum. Im Gegenteil. Gerade ältere Kundinnen und Kunden kämen mit dem System gut zurecht, berichteten die Gesprächspartner vor Ort. Wer WhatsApp mit den Enkeln nutzt, komme in der Regel auch mit einem digitalen Einkauf klar. Dass Bargeld keine Rolle spielt, werde ebenfalls zunehmend akzeptiert, auch aus praktischen Gründen. Weniger Bargeld bedeutet schließlich auch weniger Diebstahlrisiko und weniger Aufwand im Betrieb.
1.500 Artikel auf 80 Quadratmetern – und die Kundschaft redet mit
Mit rund 80 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 1.500 Artikeln wirkt der Shop kompakt, aber erstaunlich komplett. Das Sortiment reicht von Alltagsprodukten bis zu regionalen Spezialitäten. Besonders gut laufen derzeit Brötchen, Fleisch, Nudelsaucen, Chips, Energy Drinks und vor allem Eier. Freilandeier seien echte Renner, berichtete André Tiede. Manche Produkte seien schneller vergriffen als gedacht, etwa Mehl oder Eier. Hier zeige sich sehr direkt, was die Menschen im Ort tatsächlich brauchen.
Der besondere Unterschied zu vielen anderen Konzepten liegt dabei weniger in der Größe des Ladens als in der dahinterliegenden Technik. Yobsti kommt ursprünglich aus dem Softwarebereich. Genau das sei der Kern des Modells, erklärte Tiede: Der Laden habe gewissermaßen einen „digitalen Zwilling“. Das Unternehmen wisse sehr genau, welches Produkt wo steht, wie schnell es sich verkauft und wann nachgesteuert werden muss. Regale sollen perspektivisch sogar intelligent erkennen, wenn Ware entnommen wird oder sich ein Produkt nicht gut dreht.
Regional, aber mit Realitätssinn
Beim Thema Regionalität zeigt sich Yobsti pragmatisch. Ursprünglich sei man mit dem Anspruch gestartet, möglichst vollständig regional einzukaufen. In der Praxis habe sich aber gezeigt: Wer ausschließlich regional denkt, stößt schnell an Grenzen, sowohl beim Angebot als auch beim Preis.
Deshalb setzt der Smart Shop heute auf einen Mix. Es gibt regionale Produkte, etwa Honig und Senf von einem Imker aus dem Ort oder Backwaren und weitere Spezialitäten aus der Region. Gleichzeitig bleibt das Sortiment breit genug, um den täglichen Bedarf zuverlässig abzudecken. Gerade weil viele Kundinnen und Kunden derzeit stark auf den Preis achten, braucht es eine Balance zwischen regionalem Anspruch und wirtschaftlicher Alltagstauglichkeit.
Dass der Laden trotz schlanker Personalausstattung funktioniert, liegt auch an klaren Prozessen. Fast täglich wird nachbestückt, Gemüse kommt im Zwei-Tages-Rhythmus, Backwaren täglich, Fleisch zweimal pro Woche, größere Warengruppen in der Regel freitags. Kundinnen und Kunden können Wünsche zudem direkt äußern – über einen Kummerkasten oder über Social Media. Auch das trägt dazu bei, dass sich das Sortiment den Bedürfnissen vor Ort anpasst.
Für einen klassischen Einzelhändler wäre eine solche Fläche womöglich zu klein, um wirtschaftlich zu arbeiten. Yobsti hingegen profitiert gerade davon, dass der Personaleinsatz gering ist und viele Abläufe softwaregestützt laufen. Das macht das Modell rentabel – und interessant für Standorte, an denen sich klassische Nahversorgung kaum noch rechnet.
„Das Beste, was passiert ist“
Wie gut das Konzept in Huttenheim angenommen wird, zeigte sich auch in den spontanen Stimmen aus der Kundschaft. Zwei begeisterte Kundinnen brachten es sehr direkt auf den Punkt: Es sei gut, nicht mehr für jeden Einkauf auswärts fahren zu müssen. Eine sprach sogar vom „Besten, was passiert ist“. Gelobt wurden neben den langen Öffnungszeiten auch die regionalen Produkte, Biomarken und die Backwaren.
Auch Bürgermeister Stefan Martus zeigte sich erfreut über die Entwicklung. Dass sogar im eigenen Haushalt hier eingekauft werde, erwähnte er mit einem Schmunzeln. Und das dürfte wohl als ziemlich glaubwürdiges Lob durchgehen.
Fortschritt mit Bodenhaftung
Ist der Yobsti Smart Shop nun ein Symbol für den Fortschritt oder eher eine Antwort auf handfeste Versorgungsprobleme? Wahrscheinlich beides. Für Ortsvorsteher Peter Kremer ist das Konzept vor allem „zeitgemäß“. Für Yobsti-Geschäftsführer André Tiede steckt dahinter zugleich eine größere Idee: Während sich große Märkte immer stärker auf Zentren konzentrieren, könne ein intelligentes, wirtschaftlich tragfähiges Kleinflächenkonzept dazu beitragen, Versorgung wieder dezentraler zu denken.
Gerade darin liegt die eigentliche Stärke des Ladens in Huttenheim. Er ist weder nostalgischer Dorfladen noch bloß ein aufgemotzter Automat. Er verbindet digitale Technik mit einem sehr analogen Ziel: Versorgung dort möglich zu machen, wo Menschen leben.
Und vielleicht ist genau das die überraschendste Erkenntnis aus Huttenheim: Dass ein Smart Store nicht kühl und unpersönlich sein muss, sondern zum örtlichen Treffpunkt werden kann.
Kontakt
Michael Rausch
IHK Karlsruhe
Referent Innenstadt
