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Von der Goldsuche bis zum Waldbaden
Herr Wasle, was genau bietet Wildschytz seinen Kundinnen und Kunden und wie ist das Unternehmen entstanden?
Wir entführen unsere Kundinnen und Kunden in die Natur, zu Kräuterwanderungen, Pilzwanderungen, Waldbaden oder Goldwaschen. Entstanden ist unser Unternehmen in der Corona-Zeit. Damals wollten wir Wildfleisch online vertreiben. Wir haben es zunächst selbst ausgeliefert, mit dem eigenen Auto. Aber dann ging es mehr und mehr um die administrativen Tätigkeiten und uns fehlte der direkte Kontakt zu Menschen. Da Indoor-Angebote nicht möglich waren, haben wir angefangen, Pilz- und Wildwanderungen zu organisieren. Die erste Tour fand im Hardtwald statt. Das war der Start für unser heutiges Kerngeschäft.
Wer steckt hinter Wildschytz?
Mein Mitgründer Fabian Regnery kommt aus der Informatik und hat selbst einen Jagdschein. Ich selbst habe ebenfalls einen IT-Hintergrund, bin aber vor allem leidenschaftlicher Koch. Den starken Bezug zum Thema Wald und Natur haben wir beide. Daraus entstand die Idee, Menschen wieder stärker mit Natur und Wald zusammenzubringen.
Auf welchen Standbeinen steht ihr Unternehmen?
Wir sind auf klarem Wachstumskurs und sehen einen großen Bedarf nach gemeinsamen Erlebnissen in der Natur. Früher war das stark touristisch geprägt („Was mache ich am Wochenende?“) heute fragen sich viele: „Was mache ich im Urlaub oder in meiner Freizeit bewusst draußen?“ Unsere Angebote dauern meist rund drei Stunden und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an: Familien, Einzelpersonen, Teams, Junggesellenabschiede oder Paare, etwa zu Valentinsaktionen. Auch unsere Akademie ist ein wichtiges Thema. Sie richtet sich an Menschen, die tiefer in Inhalte einsteigen möchten. Sie baut auf unseren Wanderungen auf. Ergänzend haben wir ein eigenes Buch bei G&U veröffentlicht und arbeiten mit Verlagen bei Bestimmungsbüchern zusammen. Beim unserem „Earthborn“-Festival kommen Guides und Gäste zusammen. Es gibt Führungen, Workshops, Musik und Lagerfeuer, einmal im Jahr im Schwarzwald.
Wie organisieren Sie Ihr bundesweites Guide-Netzwerk?
Wir sind aktuell an knapp 70 Standorten aktiv und arbeiten mit bis zu 300 Guides zusammen, von Berlin über Hamburg bis Karlsruhe. Karlsruhe ist unsere Homebase mit zwei Startpunkten im Hardtwald, der Firmensitz liegt in Rheinstetten. Intern arbeiten wir stark digital, treffen uns regelmäßig im Team, ein Teil der Organisation läuft über Coworking-Strukturen. Zwei Drittel unserer Guides arbeiten nebenberuflich, vom Biologiestudierenden über Lehrkräfte bis zu naturbegeisterten Rentnerinnen und Rentnern, ein Drittel freiberuflich, etwa aus dem Bereich Naturheilkunde. Auch Fabian und ich führen selbst regelmäßig Touren.
Sie haben mit „Wyldforest“ ein Pilotprojekt in den USA gestartet. Was war der Auslöser?
Wir haben festgestellt: Wenn wir Guides in Karlsruhe, Berlin oder München aufbauen können, dann prinzipiell auch in Städten wie San Francisco oder New York. Recruiting läuft ohnehin stark digital. Vor zwei Jahren haben wir in San Francisco einen Test gemacht, daraus ist „Wyldforest“ als Tochter für das US-Geschäft entstanden. Das entwickelt sich sehr positiv, mit aktuell rund einer Viertelmillion Euro Umsatz.
Unterscheiden sich Markt und Zielgruppen in den USA stark von Deutschland?
Der Markt ist offen, aber anspruchsvoll. Andererseits sind die Menschen dort sehr neugierig und haben großes Interesse an Naturthemen. Die US-Amerikanerinnen und Amerikaner haben hohe Erwartungen an Professionalität und Erlebnisqualität. Gleichzeitig ist die Offenheit für neue Formate größer.
Wie wichtig sind Kooperationen mit lokalen Partnern?
Bisher arbeiten wir punktuell mit einzelnen Akteuren zusammen. Unser Geschäftsmodell funktioniert stark über Reichweite und viele Standorte. Perspektivisch wollen wir Kooperationen deutlich ausbauen, etwa mit Restaurants, Hotels, Tourismusorganisationen oder Bildungseinrichtungen. Wir haben schon jetzt Kooperationspartner wie beispielsweise die American Mushroom Society.
Welche Unterstützung haben Sie durch die IHK erhalten?
Gerade bei unseren USA-Aktivitäten hatten wir viele Fragen und hätten uns manche Themen allein nur schwer erschließen können. Die IHK war für uns ein wichtiger erster Ansprechpartner, insbesondere bei strukturellen und internationalen Fragestellungen.
Kontakt
Claudia Nehm
IHK Karlsruhe
Bereich Kommunikation
Presse, Chefredaktion WIMA, Vereinbarkeit von Beruf und Familie
