IHK-Magazin WIMA
Nr. 7033388
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Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt

Besser als das Original?

Die Frage, wie lange noch, stellen sich mittlerweile immer mehr Expertinnen und Experten. Die Zukunftsprognosen reichen von einem durch künstliche Helfer erleichterten Alltag bis hin zu Horrorszenarien von Systemen, die irgendwann so mächtig und vernetzt sind, dass Mensch sie schlecht kontrollieren kann. Tatsache ist, die Kompetenzen der KI wachsen. Sie lernt exponentiell. Aber bei aller Faszination für Künstliche Intelligenz stellt sich nicht nur die Frage, was sie leistet und wie Unternehmen sie nutzen können, sondern auch, wo ihre Grenzen liegen. Letztlich ist auch sie an Ressourcen, Regeln und Verantwortung gebunden.
Die vollständigen Interviews und Berichte finden Sie in einer digitalen WIMA-Sonderausgabe KI. Sie zeigt, welche Chancen die KI Unternehmen eröffnet, wo ihre Grenzen liegen und wie Betriebe, Regionen und Ausbildung den Wandel konkret gestalten können.

DIHK Positionspapier und Digitalisierungsumfrage - Zwei Befunde, eine klare Botschaft

Die Unternehmen in Deutschland halten bei der Digitalisierung mit, so das Ergebnis der aktuellen DIHK-Veröffentlichungen zu den Themen KI und Digitalisierung. Allerdings stoßen sie beim nächsten Schritt an bestimmte Grenzen: zu viel Unsicherheit, zu viel Bürokratie und zu wenig Tempo bei Staat und Infrastruktur. Sowohl die Digitalisierungsumfrage 2026 als auch das KI-Positionspapier zeigen, technisch ist vieles möglich, politisch und organisatorisch bleibt aber einiges liegen.
Solide digitalisiert, aber ohne großen Sprung
Für die Umfrage wurden 4.686 Unternehmen befragt. Der Digitalisierungsgrad liegt wie im Vorjahr bei 2,8 und damit auf solidem Niveau. Die Betriebe verlieren also nicht den Anschluss, holen aber auch nicht entscheidend auf. Digitalisierung dient vor allem dazu, Kosten zu senken, Qualität zu verbessern und Arbeit flexibler zu organisieren.
Besonders sichtbar ist der Vormarsch von KI: 35 Prozent der Unternehmen setzen sie bereits ein, weitere 34 Prozent planen den Einsatz in den kommenden drei Jahren. Am häufigsten wird generative KI für Texte, Bilder oder Codes genutzt, danach folgen Kundenansprache und Kundensupport sowie Qualitätssicherung und Prozessüberwachung.
Mehr als jedes dritte Unternehmen mit KI-Nutzung oder KI-Planung erwartet einen starken Produktivitätseffekt; unter den heutigen Anwendern sagen das sogar 41 Prozent.
Gleichzeitig benennt die Umfrage die größten Bremsen: Zeit, Komplexität und Geld bei der Digitalisierung, dazu bei der Datennutzung vor allem rechtliche Unsicherheiten und technische Hemmnisse. Auch die öffentliche Verwaltung bleibt ein Problem. Sie wird von den Unternehmen mit 4,2 bewertet, während die Betriebe ihren eigenen Stand mit 2,8 einschätzen. Beim Netzausbau gibt es zwar Fortschritte, doch langwierige Genehmigungen bremsen weiter. In der Cybersicherheit bleibt die Bedrohung hoch; die Zahl erheblicher Vorfälle ist insgesamt nicht gestiegen, bei großen Unternehmen sogar gesunken.
Das DIHK-Positionspapier „KI. Macht. Zukunft“ zieht daraus die politische Konsequenz. KI gilt darin als zentraler Wettbewerbsfaktor, der Innovation, Produktivität und neue Geschäftsmodelle vorantreiben kann. Damit Unternehmen dieses Potenzial nutzen, fordert die DIHK vor allem einen konsistenten, technologieoffenen und praxistauglichen Rechtsrahmen.
Im Mittelpunkt stehen mehrere Baustellen: weniger Regelungskonflikte zwischen KI-Verordnung, DSGVO, Data Act und weiteren Vorgaben, besserer Zugang zu rechtssicher nutzbaren Daten und mehr Open Data, stärkere Unterstützung für KMU beim digitalen Reifegrad sowie ein besseres KI-Ökosystem mit Rechenkapazitäten, Reallaboren, Start-up-Förderung und Wagniskapital. Hinzu kommen schnellere Netze, bezahlbare Energie, mehr KI-Kompetenzen in Bildung und Unternehmen sowie ein stärkerer Blick auf Sicherheit, Resilienz und digitale Souveränität.
Info: www.dihk.de

Wo die Grenzen der Künstlichen Intelligenz liegen

Künstliche Intelligenz macht derzeit enorme Fortschritte. Der Stanford AI Index 2025 zeigt, dass Spitzenmodelle auf vielen Benchmarks in kurzer Zeit deutlich besser geworden sind. Zugleich bleiben aktuelle KI-Systeme auf besonders schwierigen, offenen und langfristigen Aufgaben begrenzt: Verlässliche Planung und robuste Leistung über längere Aufgabenhorizonte hinweg sind weiterhin Schwachstellen, und in solchen Settings schneiden Menschen teils noch klar besser ab.
Eine erste harte Grenze ist die Infrastruktur. KI braucht nicht nur gute Modelle, sondern auch gewaltige Mengen an Rechenleistung, Chips, Strom und Kühlung. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden erhöht. Eine zweite Grenze ist die Zuverlässigkeit. Gute Ergebnisse in Tests bedeuten noch nicht, dass ein System in der Praxis verlässlich, robust und sicher arbeitet.
Hinzu kommen rechtliche und gesellschaftliche Leitplanken. In der Europäischen Union gilt der AI Act bereits gestaffelt: Verbote bestimmter Praktiken und Vorgaben zur AI Literacy gelten seit dem 2. Februar 2025, Regeln für General-Purpose-AI seit dem 2. August 2025; vollständig anwendbar wird das Gesetz grundsätzlich ab dem 2. August 2026, für bestimmte Hochrisiko-Systeme teils erst 2027. Das zeigt: KI entwickelt sich nicht im rechtsfreien Raum, sondern innerhalb politisch gesetzter Grenzen.
Je mächtiger die KI wird, je weiter sie unser Leben dominiert, umso mehr Bedeutung bekommt die Frage nach ihrer Integrität. Wird AI am Ende die beste Version unserer Selbst widerspiegeln oder die Schlechteste?
Eine aktuelle Übersicht des Philosophieportals Daily Nous vom 17. März 2026 zeigt, dass philosophisch ausgebildete Fachleute inzwischen in oder um KI-Organisationen arbeiten, etwa in Forschung, Beratung, Governance und Sicherheit. Aus gutem Grund. Mit leistungsfähigeren Modellen werden Fragen nach Wissen, Sprache, Verantwortung, moralischen Grenzen und gesellschaftlicher Macht ganz praktisch. In ihrer Chartaverpflichtet sich OpenAI beispielsweise dazu, dass KI „allen Menschen“ zugutekommen soll, schädliche Anwendungen vermieden und Macht nicht unangemessen konzentriert werden darf.
Hinter dieser Debatte steht die vielleicht radikalste aller Fragen: Was, wenn eine KI dem Menschen in wichtigen Bereichen überlegen wird, zugleich aber nicht menschlich handelt, also nicht mit Mitgefühl, Verantwortung oder moralischer Zurückhaltung? Dann ginge es nicht mehr nur um bessere Technik, sondern um Macht ohne Gewissen. Genau deshalb braucht die KI-Entwicklung nicht nur Ingenieurkunst, sondern ethische Urteilskraft.

Ein Blick in die Unternehmen

Nicolas A. Dürr, futurebrains, Karlsruhe - Mit KI schneller vom Gespräch zum Produkt

Wir setzen KI inzwischen intern fast überall ein. Es gibt eigentlich kaum noch einen Bereich, der nicht davon beeinflusst wird. Besonders deutlich sehen wir die Mehrwerte in der Softwareentwicklung, aber auch im Marketing, bei der Content-Generierung und in der Aufbereitung von Inhalten. Dabei übernehmen wir KI-Ergebnisse nicht einfach eins zu eins. Häufig fehlt noch die Brand Voice, also das, was ein Unternehmen unverwechselbar macht. Trotzdem nimmt die Qualität und Relevanz der Ergebnisse stark zu.
Auch im Vertriebsprozess nutzen wir KI sehr früh. Wenn Kundenanfragen hereinkommen, helfen uns KI-Tools dabei, Informationen und Anforderungen schnell zu strukturieren und in ein Product Requirements Document zu überführen. Das ist für uns sehr wertvoll, weil dann im Unternehmen alle auf derselben Grundlage arbeiten können.
Für einen Kunden haben wir innerhalb von 7 Tagen einen Prototypen erstellt, diesen mit ersten Kunden validiert und hier in Karlsruhe auf der IT-Trans präsentiert. Darüber hinaus kommt KI in der Automatisierung von Prozessen, bei Übersetzungen, beim Erklären von Verträgen, in der Content-Erstellung und ebenfalls in der Softwareentwicklung zum Einsatz.
Bei unseren Kunden sehen wir KI vor allem in der Produktentwicklung digitaler Lösungen. Dort wird das Potenzial aus meiner Sicht aber noch längst nicht ausgeschöpft.
Der größte Mehrwert liegt für mich darin, schneller von der Idee zum konkreten Ergebnis zu kommen. Wir müssen weg von endlosen Meetings und Foliensätzen und hin zu sichtbaren, greifbaren Artefakten. KI hilft uns, lose Anforderungen schneller in etwas Konkretes zu übersetzen, das man am Markt testen, diskutieren und weiterentwickeln kann.
Statt erst ein Meeting mit Entwicklerinnen und Entwicklern einzuberufen, kann ich sehr schnell ein erstes Modell, einen Prototypen oder eine Landingpage erstellen. So lässt sich sofort überprüfen, ob wir das Kundenproblem richtig verstanden haben.
Ich bin überzeugt, dass KI in den kommenden Jahren fester Bestandteil fast aller Arbeitsprozesse sein wird. Trotzdem glaube ich nicht an das einfache Narrativ, dass KI den Menschen vollständig ersetzt. Das große Potenzial liegt in der Kombination aus Mensch und Maschine. KI kann vieles beschleunigen und strukturieren, aber die letzten 20 Prozent entscheiden oft über Qualität: Bauchgefühl, Kreativität, Erfahrung und der Blick für den Kontext bleiben menschliche Stärken.
Mein Appell ist: lieber schulen als sperren.
futurebrains entwickelt digitale B2B-Produkte und unterstützt Unternehmen dabei, aus Ideen in weniger als sechs Monaten marktreife Softwarelösungen zu machen, von der Produktstrategie über cloud-native Entwicklung bis hin zur KI-Integration. Ziel sind keine digitalen Experimente, sondern Produkte mit echtem Umsatzhebel, die zur digitalen B2B-Cashcow werden. Geschäftsführer Nicolas A. Dürr sieht Künstliche Intelligenz dabei längst nicht mehr als Zukunftsthema, sondern als konkretes Werkzeug für mehr Tempo, bessere Prozesse und schnellere Ergebnisse.

Aydin Mir Mohammadi, bluehands, Karlsruhe - Mit großer Macht kommt große Verantwortung

KI schlägt bei uns an verschiedenen Stellen auf. Das Offensichtlichste ist: Wir selbst benutzen KI, um Software zu entwickeln. Das ist heute nicht mehr wegzudenken, das ist absoluter Alltag. Die Einsatzmöglichkeiten verändern sich extrem schnell. Es geht um assistiertes Codieren, um neue Modelle und darum, wie man sie sinnvoll bedient.
Wir nutzen KI auch in unseren eigenen Prozessen, etwa beim Veranstaltungsmanagement oder im Vertrieb. Gleichzeitig geht es für uns immer stärker darum, KI in die Software unserer Kunden zu integrieren. Das ist ein großer Teil unserer Arbeit geworden.
Ein großes Feld ist adHoc Wissensmanagement. KI kann auf interne Systeme zugreifen, auf fachliche Anwendungen, und Wissen auf eine ganz andere Art verfügbar machen. In vielen Unternehmen gibt es heute Insellösungen. KI kann solche Systeme zusammenbringen.
Ein weiterer Punkt ist die Demokratisierung von Spezialwissen. In vielen Unternehmen können bestimmte Systeme bislang nur wenige Personen bedienen, weil dafür Spezialwissen nötig ist. Mit KI kann man diese Hürde senken.
Die KI frisst die Erneuerbaren Energien und wir kommen kaum hinterher. Wir wollen KI darum stärker auf dem Gerät ausführen, auf dem Notebook, auf modernen Geräten mit KI-Chips, also lokal statt im Rechenzentrum. Ich behaupte: On-Device-AI ist die Zukunft. In dem Moment, in dem das funktioniert, bin ich digital souverän. Dann habe ich auch kein Datenschutzproblem mehr, weil die Daten meinen Computer nicht verlassen.
Welche Risiken sehen Sie beim Thema KI?
Da gibt es verschiedene Ebenen. Die eine ist die ethische Frage. Die andere Seite ist: Wem gehört eigentlich das Wissen? Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie sorgen wir dafür, dass KI nicht in problematische Richtungen läuft? Ich glaube, wir werden künftig Systeme bauen, die ein bisschen wie Firewalls oder Virenscanner funktionieren, nur subtiler. Mit großer Macht kommt große Verantwortung.
KI wird zum Alltag gehören. Die Frage ist nicht mehr, ob sie kommt, sondern wie wir sie einsetzen.

Jonathan Bauer, FC-X, Karlsruhe - Erhebliche Beschleunigung

Die FC-Gruppe entwickelt und nutzt KI-Modelle in unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Dazu gehören insbesondere Modelle für das intelligente und wirtschaftlich optimierte Energiemanagement in Quartieren und Stadtteilen, Systeme zur Vorhersage von Energiebedarfen und -verbräuchen sowie Modelle zur intelligenten Steuerung technischer Anlagen und Komponenten.
Im Bereich der Large Language Models (LLMs) betreiben wir eigene Infrastrukturen mit selbst gehosteten Modellen und integrieren diese gezielt in die Prozesse unserer Kunden.
KI wird insbesondere zur wirtschaftlichen Optimierung komplexer Systeme mit vielen Schnittstellen eingesetzt werden, etwa in den Bereichen Energie, Logistik oder Gesundheitswesen.
KI wird die Produktivität in vielen Arbeitsbereichen deutlich steigern und die Umsetzung von Konzepten erheblich beschleunigen. Eine zentrale Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI bleibt jedoch eine klare Struktur in Daten und Prozessen.

Klaus Kallenbrunnen, Kalebru, Karlsruhe - KI ist kein Selbstzweck

Wir setzen KI in unseren eigenen Unternehmen und bei unseren Kunden in ganz unterschiedlichen Bereichen ein, von der automatisierten Dokumentenverarbeitung über intelligente Content-Systeme bis hin zur Prozessautomatisierung im Tagesgeschäft. Ein konkretes Beispiel: Für eine Arztpraxis hier in der Region bauen wir gerade ein komplett lokales KI-System auf, das auf eigener Hardware läuft und mit dem sensible Patientendaten nie das Haus verlassen. Was all diese Projekte verbindet: KI ist bei uns kein Selbstzweck, sondern löst ein konkretes Problem: schneller, präziser oder wirtschaftlicher als bisher.
Der größte Mehrwert ist, dass KI Aufgaben übernimmt, die bisher entweder zu aufwändig oder zu teuer waren, nicht die kreativen Entscheidungen, sondern die repetitive Vorarbeit. Für den Mittelstand sehe ich eine besondere Chance: KI-Modelle laufen heute auf eigener Hardware, die sich jedes Unternehmen leisten kann, und die Daten bleiben im eigenen Haus.
KI wird in den nächsten Jahren so selbstverständlich wie E-Mail oder ERP-Systeme. Kein Unternehmen wird sich noch fragen, ob es KI einsetzt, sondern nur noch wie. Mein Rat ist, heute anzufangen, mit einem klaren, überschaubaren Anwendungsfall, nicht mit einem Großprojekt.
Mindestens genauso wichtig wie die Technologie selbst ist aber die Frage, was KI für die Menschen in den Unternehmen bedeutet. Wer nur die Technologie implementiert, aber die Belegschaft nicht mitnimmt, wird scheitern.

AppSphere Innovation Day 2026 - Praxisnahe KI-Einblick

Wie lässt sich künstliche Intelligenz schon heute gewinnbringend in Unternehmen einsetzen? Antworten darauf will der AppSphere Innovation Day 2026 – AI Impact geben, der am 24. Juni 2026 im BBBank Wildpark in Karlsruhe stattfindet.
Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr geht die Veranstaltungsreihe in die nächste Runde. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Einblicke in den KI-Einsatz im Unternehmensalltag. In Best-Practice-Sessions, Fachvorträgen und Impulsen zeigen Expertinnen und Experten, wie moderne Technologien Prozesse verändern, Innovation fördern und neue digitale Perspektiven eröffnen können.
Die Veranstaltung richtet sich an Entscheiderinnen und Entscheider, Digitalisierungsverantwortliche sowie alle, die sich mit den konkreten Einsatzmöglichkeiten von KI im Unternehmen beschäftigen. Ziel ist es, technologische Entwicklungen nicht nur vorzustellen, sondern ihren praktischen Nutzen greifbar zu machen.

Termin: Mittwoch, 24. Juni 2026, 9.30 bis 17 Uhr, anschließend Business Afterwork, Ort: BBBank Wildpark, Adenauerring 17, 76131 Karlsruhe. Anmeldung: www.appsphere.com/innovation-day-2026
Dr. Marc Mühleck
IHK Karlsruhe